Stadtsanierung Güstrow : Das 21. Jahrhundert am Domplatz

Architekt Udo Fliege und WGG-Geschäftsführer Jürgen Schmidt zeigen den Entwurf für den Neubau am Domplatz 18 in Güstrow.
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Architekt Udo Fliege und WGG-Geschäftsführer Jürgen Schmidt zeigen den Entwurf für den Neubau am Domplatz 18 in Güstrow.

Güstrower Wohnungsgesellschaft stellt Entwurf für die Bebauung am Domplatz 18 vor: modern, aber nicht aufdringlich sind die Ziele.

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07. Juni 2016, 05:00 Uhr

Am Domplatz 18 – seit dem Brand 2004 eine schmerzliche Lücke – wird im nächsten Jahr gebaut. Die Wohnungsgesellschaft Güstrow GmbH (WGG) wird um die 1,5 Millionen Euro investieren. Acht Wohnungen sollen im 3. Quartal 2018 bezogen werden können. Dabei sind sich alle – Wohnungsgesellschaft, Architekten, Stadt und Sanierungsträger Big-Städtebau – einig darin, dass der Standort ein ganz besonderer und das Interesse der Güstrower groß ist.

Moderne Architektur soll sich in die historische Bebauung einfügen, ohne dieser die Schau zu stehlen. Die Wohnungen sollen modernen Anforderungen entsprechen, so die Vorgaben der Stadt, die nach einer gescheiterten Privatisierung das Grundstück an die WGG verkaufte. Seit es nach dem Brand einen Architektenwettbewerb zur Neubebauung und einen Sieger daraus, dessen Entwurf in der Öffentlichkeit zerrissen worden war (Stichwort: Tonnendach) gegeben hat, sei der Domplatz 18 ein „berüchtigter Standort“, formulierte gestern WGG-Geschäftsführer Jürgen Schmidt. Da die Stadt auch mit der Auflage, sich am Entwurf des Wettbewerbssiegers zu orientieren, verkaufte, habe man sich die Zeit für eine gründliche Diskussion und Abwägung gelassen. Jetzt liege ein öffentlichkeitstauglicher Entwurf vor, so Schmidt.

Statt der Tonne nun ein gewölbtes Dach

„Wir haben verschiedene Dachformen durchgespielt – Satteldach, Flachdach –, aber nichts hat wirklich gepasst, so dass wir uns wieder dem Ursprungsentwurf näherten“, berichtete Architekt Udo Fliege. Herausgekommen ist ein gewölbtes Dach. Man habe Bedenken, die seinerzeit diskutiert wurden, aufgefangen, sich davon aber nicht vollends breitschlagen lassen. Das neue Gebäude werde Linien der Nachbargebäude aufnehmen und in seiner Maßstäblichkeit viel Bezug zu den historischen Bauten herstellen. Berücksichtigt werde auch der Höhenunterschied in der Gebäudereihe zwischen der hohen Nr. 16 und dem viel kleineren Eckhaus zur Philipp-Brandin-Straße. Da es an dieser Seite eine Abstufung gibt, komme das Gebäude nicht so massig daher, wie der Vorgängerbau, erklärt Fliege. Auch bei den Materialien orientiere man sich an den Nachbargebäuden, kopiere aber nicht. „Die Klinker werden nicht genau die gleiche Farbe haben, das Holz ebenfalls nicht“, informiert der Architekt. Und für das Dach werde statt des Kupfers im Wettbewerbsentwurf Zinkblech verwendet. „Das ist von der Optik her zurückhaltender als Kupfer“, betont der Architekt.

Geplant ist eine Durchfahrt auf den Hof mit wenigen Stellplätzen. Das Gebäude wird teilweise unterkellert. „Vorgesehen sind im Keller Abstellräume u.a. für Fahrräder. Mit dem Aufzug geht es hinauf“, berichtet der WGG-Geschäftsführer. Ohne Fahrstuhl und Balkon sei ein zeitgemäßes Wohnen in der Innenstadt heute nicht mehr denkbar.

„Wir wollen Leben am Domplatz“, betont Jane Weber, Leiterin des Stadtentwicklungsamtes. Mit dem jetzt vorliegenden Entwurf seien die Voraussetzungen für eine gute Vermietbarkeit der acht Wohnungen zwischen 64 und 123 Quadratmetern gegeben. Zustimmung auch von Big-Büroleiter Peter Lack. Er sieht den Entwurf „ganz mittig“. Für das Vorhaben gebe es eine Neubauförderung, die den Mehraufwand (u.a. Verwendung hochwertiger Materialien) unterstützt, etwa zehn Prozent der Bausumme.

Zunächst werden noch in diesem Jahr die Archäologen ihre Arbeit tun. Bei einer Unterkellerung geht es ein Stück weit in die Tiefe mit der Aussicht auf interessante Funde. Mit dem Baubeginn rechnet WGG-Geschäftsführer Schmidt im März/April 2017.

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