Flugplatzgeschichte : Dank Wende doch Zivilflüge

Der damalige Wehrbeauftragte, Alfred Biehle, der vorige Woche im Alter von 87 Jahren starb, besuchte schon vor dem Vollzug der deutschen Einheit 1990 den Fliuegerstützpunkt in Laage und sondierte die Situation mit den Noch-NVA-Angehörigen vor Ort, hier im Gespräch mit Major Dietmar Bauer vom Ingenieurtechnischen Personal (beide Mitte).
1 von 2
Der damalige Wehrbeauftragte, Alfred Biehle, der vorige Woche im Alter von 87 Jahren starb, besuchte schon vor dem Vollzug der deutschen Einheit 1990 den Fliuegerstützpunkt in Laage und sondierte die Situation mit den Noch-NVA-Angehörigen vor Ort, hier im Gespräch mit Major Dietmar Bauer vom Ingenieurtechnischen Personal (beide Mitte).

SVZ-Serie: Die Geschichte des Fliegerhorstes Kronskamp / Teil 3: Auf dem Weg zur Luftwaffe der Einheit

svz.de von
08. November 2014, 04:30 Uhr

30 Jahre ist der Start für den Flugbetrieb in Laage-Kronskamp her. In einer mehrteiligen SVZ-Serie beleuchtet der Militärjournalist Dieter Flohr Hintergründe der Entstehung und den Werdegang des Flugplatzes vom rein militärischen zum zivil und militärisch genutzten.


Am 3. Oktober 1990 übergab das Nachkommando der am Tage zuvor ihren Dienst einstellenden NVA-Fliegergeschwader JBG 77 „Gebhard Leberecht von Blücher“ und MFG 28 „Paul Wieczorek“ in Laage-Kronskamp eine nahezu funktionsfähige, komplett erhaltene Infrastruktur an die Bundeswehr. Für die Beschäftigten des Flugplatzes, in Uniform oder in Zivil, begann eine schwierige Zeit, die für viele Soldaten und Familien von großen Existenzängsten erfüllt war. Sofort nach der Übernahme durch die Bundeswehr wurde entschieden, beide Geschwader aufzulösen. 1500 Frauen und Männer mussten sich neu orientieren. Manche dienten weiter in der Bundeswehr, doch sehr viele suchten ihr Glück in der freien Wirtschaft.

Der Fliegerhorst sollte jedoch durch die Luftwaffe weiter genutzt werden. Es hieß, dass hier ein Jagdgeschwader betrieben werden sollte. Geplant war die Verlegung der „Phantoms“ des Jagdgeschwaders 72 aus Rheine/Hopsten in Nordrhein-Westfalen nach Laage, um diese hier mit der MiG-29 aus DDR-Beständen zu einem gemeinsamen Geschwader zusammenzuführen. Diese Idee wurde jedoch verworfen, vor allem wohl auch wegen der lautstarken Proteste der in Rheine wohnenden Soldatenfamilien. Im Frühjahr 1993 wurde dann jedoch entschieden, die MiG-29 des nach dem modernsten Kampfflugzeug der NVA benannten Erprobungsgeschwaders mit den F 4-F „Phantom“ des Jagdbombergeschwaders 35 aus Pferdsfeld als Jagdgeschwader 73 nach Laage zu verlegen.

Der Flugplatz Laage machte sich bereit für die Aufnahme der neuen Waffensysteme. So wurde am 1. Oktober 1993 der Fliegerhorst Laage offiziell von Kommodore Oberst Manfred Menge übernommen und nannte sich ab sofort JG 73, Fliegerhorstgruppe Laage.


Mit Einheit Übergabe an Bundesluftwaffe


In der Zwischenzeit war in der Ungewissheit über die künftige Flugplatznutzung die Liegenschaft so in Mitleidenschaft gezogen, dass in Vorbereitung auf die Verlegung der MiG-29 so manches in Ordnung gebracht und an bundesdeutsche und Nato-Standards angepasst werden musste. Unter anderem musste die Start- und Landebahn verlängert werden, und sie erhielt einen Anti-Skid-Belag, was die Bodenhaftung der Fahrwerke verbesserte. Auch war Anfang 1993 auf dem Flugplatz noch eine größere Zahl der „alten“ – eigentlich neuwertigen – SU-22 zu verschrotten. Auch Flugzeuge vom Typ MiG-23 waren von Peenemünde nach Laage überführt worden und warteten im so genannten „Verwahrlager“ auf ihre Demilitarisierung – auf den Abtransport zur Wehrtechnischen Dienststelle in Manching, in diverse Museen auf der ganzen Welt oder in den Schrott.

Als eine Besonderheit wurde ab 1992 im Süden der Start- und Landebahn, auf der Vorstartlinie des demobilisierten Marinefliegergeschwaders, auf der Grundlage eines Mitbenutzungsver-trages mit der Flughafen Rostock-Laage-Güstrow GmbH, gebildet aus den kommunalen Gesellschaftern Hansestadt Rostock und Laage sowie den damaligen Landkreisen Güstrow und Bad Doberan, ein ziviler Flughafen eingerichtet. Erster Chef war der ehemalige Hubschrauberpilot des Marinehubschraubergeschwaders in Parow, Fregattenkapitän a.D. Peter Petzold (†). Der zivile Flugbetrieb begann schon ab Oktober 1993. Damit war zumindest ein Teil der Forderungen der Bevölkerung aus den Wendetagen 1989/90 erfüllt.

Die Luftwaffe blieb jedoch Hausherr in Laage und übernahm auch die Flugsicherung. Nur die Start- und Landebahn wurde jetzt zivil und militärisch genutzt. Ein Novum in der Geschichte der deutschen Luftwaffe. Dem ersten Terminal des Zivilflughafen aus dem Jahr 1993 folgt 2005 ein modernes und größeres Abfertigungsgebäude, das für mindestens 300 000 Passagiere pro Jahr ausgelegt ist.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen