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Festspiele MV : Dänen fanden das Schloss nicht

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Festspiele MV engagieren sich für saniertes Gutshaus Schwiessel. Freitag Preisträgerkonzert „Mythos Spätwerk“.

Mit einem Preisträgerkonzert zum Thema „Mythos Spätwerk“ setzen die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern an diesem Freitag ihr Engagement auf Schloss Schwiessel fort. Vor einem Jahr – am 10. August 2016 – hatten die Festspiele die Lebensuhr des sanierten, aber eigentlich neu errichteten Schlosses in dem zur Gemeinde Prebberede gehörenden Ort wieder in Gang gesetzt.

Vor wenigen Tagen hatte Schlossherr Martin Dustmann die Bewohner des Dorfes abseits der B  108 zur Besichtigung eingeladen. „Ich wollte den Einstand eigentlich mit ein paar Fässern Bier zu einem Dorffest geben, aber mir wurde von vielen Seiten bedeutet, dass die Schwiesseler gern sehen möchten, was da entstanden ist“, sagt er. Tatsächlich pilgerten bei strömendem Regen über 100 Interessenten aus dem Ort und der Region in das um 1850 von der Familie Bassewitz im Tudorstil errichtete und in den 1930er-Jahren umgebaute Gutshaus.

„Ich weiß es noch genau: Am 18. Januar 2007, der Orkan Kyrill tobte gerade durchs Land, habe ich das Schloss – oder besser: was davon noch übrig war – einem Architekten vorgestellt“, erzählt Dustmann, während er seinen Gästen Aufnahmen der Ruine im Foyer zeigt. Und dabei gleich eine Anekdote zum Besten gibt: Er und sein Vater Friedrich Wilhelm hätten große Befürchtungen gehabt, dass ihnen ein anderer das Objekt wegschnappt. Ein knappes Jahr zuvor sollen Dänen das Schloss gesucht haben. „Sie haben es aber nicht gefunden, weil sie im Frühjahr kamen und die Ruine vom vielen Grün zugewuchert war“, schmunzelt der Schlossherr.

„Das mit der Ruine hatte auch seine Vorteile“, bemerkt Rolf-Peter Bartz. Dem ehemaligen Direktor des Thünen-Museums Tellow war als junger Lehrer eine Unterkunft im Schloss angeboten worden. Zwar kam es dazu nicht, aber Bartz hielt immer Kontakt zu dem Dorf. „Beim Wiederaufbau hatte der Investor fast freie Hand. Äußerlich musste das Schloss dem Vorgänger ähneln, vor allem die Fenster sollten dem Original sehr nahe kommen, aber das Innere konnte der Bauherr nach seinen Vorstellungen gestalten“, bestätigt er.

Im Schloss sinnt Martin Dustmann über die Verwendung des Hauses nach. Als Sitz für die in Nordrhein-Westfalen lebende Familie wolle er es nicht nutzen, eher als Urlaubsziel. Markus Fein, der Intendant der Festspiele MV, habe ihm versichert, das Schloss nach Ulrichshusen zur zweitwichtigsten Spielstätte entwickeln zu wollen. Da das Haus über Gästezimmer verfügt, kann sich Dustmann auch Probenwochen von Kammerensembles vorstellen. „Und am Ende steht dann ein Konzert“, sagt Dustmann und hat als Vorbild die jährlichen Meisterkurse im Bürgerhaus Gottin im Blick. Auch mit der Friedrich-Ebert-Stiftung habe es Kontakte gegeben. Der Vortrag zu „Flucht und Vertreibung“ habe 70 Leute angezogen und sei ein voller Erfolg gewesen. Solche Aktivitäten könne er sich für das Schloss vorstellen, denkt Dustmann, der als Vermögensverwalter tätig ist.

Neben dem Konzert am 1. September finden am 30. November und am 6. Dezember zwei weitere Musikabende der Festspiele MV im Schloss Schwiessel statt. Heute Abend, 19.30 Uhr, ist in der Bützower Stiftskirche Simone Kermes mit der Norddeutschen Philharmonie zu erleben.

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