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Kolumne zum 24. Dezember : „Da liegt es, das Kindlein…“

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Gastkolumne zum Heiligen Abend: Flüchtlingen angstfrei und mit offenem Herzen in Güstrow ein Willkommen bieten

„Da liegt es, das Kindlein, auf Heu und auf Stroh, Maria und Josef betrachten es froh…“ So singen wir es auch in diesem Jahr wieder in den Christvespern und Gottesdiensten zum Weihnachtsfest.

Sie rührt uns an, diese immerhin zweitausend Jahre alte Geschichte von der Geburt des Jesuskindes. Wir Christenmenschen glauben und sagen, dass in ihm Gott zu uns in unser Leben, uns nahe gekommen ist. Dass er in einem Stall zur Welt kam zeigt uns, dass Gott dem Elend nicht ausweicht, dass er gerade da bei uns Menschen ist.

Immerhin bringt uns diese Geschichte dazu, Dinge zu tun, die wir sonst nicht tun. Wir überlegen, wie wir Freude bereiten und was wir einander schenken. Wir wünschen einander frohe und friedvolle Tage und sind an mancher Stelle milder gestimmt. Und wir sehnen uns in unserem Herzen selbst nach friedvoller und entspannter Zeit, untereinander und in der Welt.

Selbst unsere Stadt Güstrow ist in diesen Tage verändert: Auf dem Markt sind mehr junge Familien mit Kindern zu sehen. Kinder und Kindeskinder sind zu Besuch und widerspiegeln: so wäre es gut, wenn es immer so sein könnte, Junge und Alte sind beieinander.

Und es ist gut, dass wir uns von dieser alten Geschichte, die Lukas in seinem Evangelium erzählt und die in vielfältiger Weise weitererzählt, gespielt und besungen wird, anrühren und in Bewegung bringen lassen.

Und dennoch, was hier erzählt wird, ist und bleibt auch ein Skandal, damals und heute. Da wird eine junge Familie von der großen Politik auf die Straße getrieben. Da findet eine Hochschwangere kein Zimmer, kein Bett für die Entbindung, da liegt ein neugeborenes Kind in einem Stall auf Stroh in einem Futtertrog. Hand aufs Herz: Wer wünscht sich dies für sein Kind oder Enkelkind?

Das sind, Gott sei Dank, Lebensverhältnisse, wie sie bei uns längst überwunden sind.
Und doch sind sie da. Eltern, die mit ihren Kindern zu Flüchtlingen gemacht werden. Menschen, die ohne ein Dach über dem Kopf und ein Bett für sich durch die Welt irren und nun voller Hoffnung zu uns kommen. Auch zu uns nach Güstrow. Und es werden mehr werden, so hören wir es von unserem Landrat, denn Gewalt und Krieg treiben sie vermehrt aus ihren Heimatländern.

Hand aufs Herz, was würden wir in so einer Situation machen, um unser und das Leben unserer Kinder zu bewahren? Hat doch die Generation unserer Eltern zum Teil das gleiche Schicksal erlitten und war heilfroh, sich hier ein neues Leben aufbauen zu können.

Die Erzählung von der Geburt des Kindes, die uns im Herzen anrührt, macht uns deutlich: Ich bin gemeint, zu mir, in mein Leben, in meine Dunkelheit und Einsamkeit, kommt dieses Kind! Und die Bewegung, die dieses Kind in uns auslöst, sollten auch die zu spüren bekommen, die bei uns gezwungenermaßen Zuflucht suchen. Wir dürfen ihnen angstfrei und mit offenem Herzen ein Willkommen bieten.

Frohe, friedvolle und gesegnete Weihnachtstage voller schöner und heilsamer Begegnungen wünscht Ihnen allen Pastor Matthias Ortmann


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