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Laienkunstausstellung : „Da ist etwas drin, das muss raus“

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Frank-Peter Köhn (54) beteiligt sich an Laienkunstausstellung im Sommer in der Städtischen Galerie Wollhalle in Güstrow.

Zur von der Barlachstadt Güstrow und dem Landkreis Rostock gemeinsam veranstalteten Laienkunstausstellung über den Sommer könnte Frank-Peter Köhn die Städtische Galerie Wollhalle ganz allein füllen. Und die Schau wäre weiß Gott nicht einseitig und erst recht nicht langweilig. Probiert sich der Güstrower Buchbindermeister doch auf so ziemlich allen künstlerischen Feldern aus: Er malt, druckt, fotografiert, fertigt Plastiken und Skulpturen, baut Installationen…

In seiner Buchbinder-Werkstatt ist der 54-Jährige von eigenen Arbeiten umgeben, auf dem Weg ins Wohnhaus wachen Skulpturen im Garten, und im Haus hat er seine Werke in zwei Zimmern zusammengetragen, um eine „Bestandsaufnahme“ zu machen. Dies auch mit Blick auf die Ausstellung im Sommer. Da dort pro Künstler nur ein Werk gezeigt werden darf, hat Köhn die Qual der Wahl. „Da sicher viele Zeichnungen, Bilder, Drucke und Fotografien für die Wände eingereicht werden, habe ich mich für eine Skulptur entschieden“, sagt er. Entscheiden muss er sich nun noch, ob er den „Schwan“ oder die heiter-leichte Skulptur „Stierkampf“ auswählt.

Für Klaus-Peter Köhn gehören die Arbeit als Buchbinder und sein künstlerisches Hobby zusammen. „Mit der Arbeit verdiene ich Geld, mit der Kunst füttere ich die Seele“, sagt er. Ursprünglich wollte Köhn Zahnarzt werden. Als ihm das Studium verwehrt blieb, entschloss er sich für einen Handwerksberuf und fand mit der Buchbinderei eine echte Marktlücke. Während er in Berlin lernte, sammelte er parallel seine Arbeitsmittel zusammen. Bei Werkstattauflösungen oder auf dem Schrottplatz fand er die für seinen Beruf notwendigen Maschinen, pepte sie auf und stellte sie in einer Garage in Güstrow unter. Stolz verweist er auf Presse, Planschneider oder Pappschere, die mit August Fromm oder Karl Krause prominente Herstellernamen tragen. „Die Maschinen haben zwei Weltkriege überstanden“, erklärt der Meister. Nach der Wende hab er sich lediglich einen Kopierer zulegen müssen.

Ab 4. Januar 1987 begann Frank-Peter Köhn als selbstständiger Buchbinder. Zu seinen Kunden gehören die Universität Rostock, die Ernst-Barlach-Stiftung oder das John-Brinckman-Gymnasium, für dessen Archiv er klassenweise Zeugnisduplikate mit festem Einband herstellt. Dazu kommen Privatkunden, die einen Zeitschriftenjahrgang oder eine wissenschaftliche Arbeit gebunden haben wollen. Im Moment hat er eine weitere Ausgabe der rührigen Chronisten aus Mühl Rosin auf dem Tisch liegen.

Auf die Ausstellung im Sommer freut er sich, wenngleich er den Begriff „Laienkunst“ als abwertend kritisiert. „Wenn ich Kunst studiert habe, kann ich mich Künstler nennen. Wenn ich nicht studiert habe, bin ich dann vielleicht Laienkünstler?“ fragt er. Aber ganz gleich, ob von Laien- oder Hobbykunst die Rede ist: für Frank-Peter Köhn ist Kunst lebenswichtig. „Da ist etwas drin in mir, das muss raus“, beschreibt er seine Schaffensphasen.


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