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Güstrower Anzeiger

16. Dezember 2017 | 21:52 Uhr

Ausstellung : „Da ich doch Zeichner bin“

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Neue Ausstellung ab Sonnabend im Ausstellungsforum-Graphikkabinett: Zeichner-Poet Joachim John

Die neue Sonderausstellung der Ernst-Barlach-Stiftung Güstrow widmet sich einem der bedeutenden Zeichner des Landes: Joachim John (82), in Neu Frauenmark bei Schwerin ansässig, Mitglied der Akademie der Künste Berlin. Ausgangspunkt für die Ausstellung „Da ich doch Zeichner bin. Joachim John – ZeichnerPoet“ war die umfangreiche Erwerbung von Arbeiten Johns durch die Stiftung Mecklenburg direkt vom Künstler. Mit diesem neuen Akzent, erweitert um Werke aus anderen öffentlichen Sammlungen des Landes, vermittelt die Ernst-Barlach-Stiftung in ihrem Graphikkabinett mit einer Werkauswahl schlaglichtartig wesentliche Aspekte von Johns zeichnerischem und druckgraphischem Schaffen der 1960er-Jahre bis 2014.

Zwei graphische Folgen von Radierungen stehen bei der Druckgraphik im Mittelpunkt: „América latina“ (1988), das nach Johns eigenen Worten sein druckgraphisches Hauptwerk darstellt. Hinzu kommt die fiktive Reise von „Max Beckmann in Südamerika“ (1988, Radierungen), die Johns enge Verbindung auch zur klassischen Moderne sichtbar macht. Einzelblätter weiten das Bild und zeigen schließlich seine jüngsten Zeichnungen.

Insgesamt sind nahezu 80 Arbeiten aus der Sammlung der Stiftung Mecklenburg, der Kunstsammlung des Landes, des Kunstmuseums Ahrenshoop und der Kunstsammlung Neubrandenburg sowie aus dem Besitz des Künstlers zu sehen, neben den Einzelblättern und Folgen auch bibliophil gestaltete Mappenwerke, die einen Einblick in die qualitätvolle Buchgestaltung der DDR eröffnen.

Zur Selbstverortung in der Kunst des 20. Jahrhunderts meint John: „Ich stünde gern dem Surrealismus nahe. Nicht dem von Dali, (…) sondern dem des Picasso. Nämlich dem Surrealismus, der in aller Verdichtung von Wirklichkeit steckt.“ Der Traum als Struktur seiner Kunst ist nur ein, wenn auch gewichtiger Aspekt. Stärker noch gilt für John ein Realismus-Begriff mit der prägnanten Formulierung des kanadischen Malers Alex Colville (1920-2013): „Als guter Realist muss ich alles erfinden.“ In Johns Kunstverständnis geht es um das Verhältnis von Subjekt zu Objekt, letztlich um das Verhältnis auch vom Innen zum Außen. In diesem Sinne bleibt Kunst auch immer politisch, in dem sie Stellung zur Gesellschaft und deren Prozessen nimmt. Politik versteht John als aktive und verantwortungsvolle Teilnahme am sozialen Leben eines kritischen selbstbewussten Bürgers, der sich seine Meinung aus erster Hand bildet. Bertolt Brecht schreibt dazu: „Realistisch heißt: den gesellschaftlichen Kausalkomplex aufdeckend“.

Waren es in den zurückliegenden Jahrzehnten vor allem die Auseinandersetzungen mit politischen Ereignissen und gesellschaftlichen Zuständen, die Johns Feder geführt haben, seinen Widerspruch herausforderten und ihn Stellung in der Zeichnung und Druckgraphik beziehen und öffentlich artikulieren ließen, so betritt er in den späten Zeichnungen nicht nur einen neuartigen Realitätsraum. Sein Verhältnis zur Wirklichkeit hat sich verändert. Zwar bedarf er des dialektischen Widerspruchs immer noch als Antrieb seines künstlerischen Arbeitens, doch zeigen die filigranen Graphiken, seine „Neuen Zeichnungen“, dass er gesellschaftliche Prozesse nun eher als Beobachter wahrnimmt, als dass sich dezidierte Kritik darin findet oder Alternativen als Lösungsmodelle angeboten werden.

Die Vernissage zur Ausstellung am Heidberg beginnt am Sonnabend um 15 Uhr.





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