Güstrower Seestrasse : „Da hat vor 20 Jahren keiner dran gedacht“

Feierten mit anderen das 20-jährige Bestehen der Seestraße: Horst Müller, Helgrit und Uwe Rädke, Doreen Heukendorf, Walburga und Adrian Thurau (v. l.) sowie Julian und Marius, die zu Besuch in der Seestraße waren.
Foto:
Feierten mit anderen das 20-jährige Bestehen der Seestraße: Horst Müller, Helgrit und Uwe Rädke, Doreen Heukendorf, Walburga und Adrian Thurau (v. l.) sowie Julian und Marius, die zu Besuch in der Seestraße waren.

Bewohner der Güstrower Seestraße erinnern mit Fest an Einzug Ende 1994

svz.de von
31. Dezember 2014, 05:00 Uhr

Den Festtags-Marathon über Weihnachten hatten etwa 40 Bewohner der Güstrower Seestraße um einen Tag verlängert. Sie trafen sich in der kleinen Wendeschleife und feierten das 20-jährige Bestehen ihrer Straße. „So kurz vor Jahresende 1994 sind zahlreiche Familien in ihre Häuser eingezogen, um einen Schuldzins-Erlass für drei Jahre geltend machen zu können“, erklärt Adrian Thurau, der sein Haus einen Tag vor Silvester 1994 bezogen hatte.

Auch sonst musste im damaligen Fördergebiet Magdalenenluster Weg so manches beachtet werden. Hatte die Stadt doch auf zirka sieben Hektar ein Gebiet ausgewiesen, auf dem nach dem „Staßfurter Modell“ preiswertes Wohneigentum für Personengruppen mit geringem oder mittlerem Einkommen entstehen sollte. Als Bauträger fungierte die Hamburger Firma Strabag. Damals durchaus nicht alltäglich war, dass sich Bauherren sehr bald zu einer Interessengemeinschaft mit dem Ziel zusammenschlossen, „das Baugeschehen kritisch und transparent zu begleiten“, wie sich Uwe Rädke, damals Vorsitzender der IG, erinnert. „Wir haben auch eine ,Kriegskasse’ angelegt, um Anwälte in einem möglichen Rechtsstreit bezahlen zu können“, ergänzt Horst Müller, der die Finanzen verwaltete. Das Geld habe man aber dann doch selbst verbrauchen können, weil sich die IG mit der Strabag in strittigen Fragen außergerichtlich einigen konnte, schmunzelt er.

An diese und andere Episoden erinnerten sich die Bewohner bei ihrem kleinen Straßenfest am Feuer. Jeder hatte geschaut, was vom Weihnachtsfest übrig geblieben war und es mitgebracht. Eine kleine, spontan von Uwe Rädke erstellte Ausstellung mit Fotos, Dokumenten und Zeitungsartikeln zeigte die Situation vor 20 Jahren. Rädke, der inzwischen von den Anwohnern den Ehrentitel „Bürgermeister der Seestraße“ verliehen bekam – das verriet Walter Lindemann –, griff zur Gitarre und interpretierte mit Doreen Heukendorf den textlich neu gefassten Song „Da hat vor 20 Jahren noch keiner dran gedacht“.

Überhaupt hat Singen und Feiern in der Seestraße Tradition. Man begeht Jubiläen gemeinsam und trifft sich Jahr für Jahr am Osterfeuer. In der „heimlichen Hymne der Seestraße“ wird eine Gemeinschaft beschrieben, in der „nicht nur jeder denkt an sich.“ Geschmiedet wurde dieser Zusammenhalt vor über 20 Jahren. „Die IG, die gemeinsam gemeisterten Probleme und die Freude über das Erreichte haben uns zusammenrücken lassen“, sagt der „Bürgermeister“.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen