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Fernsehgottesdienst : „Christen dürfen träumen“

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

ZDF-Gottesdienst macht Norddeutsches Krippenmuseum im ganzen deutschsprachigen Raum bekannt. Margot Käßmann predigte

svz.de von
erstellt am 20.Dez.2015 | 13:56 Uhr

Natürlich, allgegenwärtig wird sie für die Christenwelt immer sein, die Weihnachtsgeschichte. Gestern in Güstrow jedoch, beim evangelischen Fernsehgottesdienst des ZDF, ausgestrahlt aus der Heilig-Geist-Kirche, war sie in 50 Minuten so aktuell fassbar wie selten. Das für die Beherbergung der Dauerausstellung der Mechthild und Dr. Rudolf Ringguth-Stiftung vor dem Verfall bewahrte Gotteshaus mit rund 600 Weihnachtskrippen aus aller Welt bebildert schließlich genau jene Geschichte, wie sie in diesen Tagen tausenden Menschen widerfährt. Und manche, die heute wie vor über 2000 Jahren vor einem Diktator fliehen, haben auch ihr Kind dabei oder müssen es in der Fremde zur Welt bringen, hoffend, dass nicht Zäune ihnen den Weg zusperren.

Margot Käßmann, die vielleicht bekannteste Theologin Deutschlands, brachte vier Tage vor der Heiligen Nacht die Botschaft zu den Güstrowern. Freilich konnten nur wenige die Gelegenheit bekommen, den prominenten Gast bei der Predigt live zu erleben. Die kleine Heilig-Geist-Kirche mit ihren Krippenschätzen als Fernsehstar! Welche Aufregung das mit sich bringt, war bei Matthias Ortmann spürbar. Der sonst so wortgewaltige Pastor der Pfarrgemeinde musste doch glatt erst mal einen Frosch im Hals zähmen, als er die Gäste in der Kirche und die Fernsehzuschauer begrüßte. „Da hatte ich schon Herzklopfen. Live ist eben live“, bekannte Ortmann, als alles geschafft war. Doch allem: „Das ist eine große Freude, dass wir unsere Güstrower Krippensammlung im ganzen deutschsprachigen Raum fernseh-bekannt machen konnten.“


Beifall löst verborgene letzte Anspannung


Dafür ganz besondere Gottesdienst-Beiträge leisteten Heidemarie Wellmann, Sabine Lehmann und Kim Bludau, die ihre Lieblingskrippen vorstellten. Keramikerin Irla Wulf reflektierte die Entstehungs-Vorgeschichte ihrer „Punker“-Weihnachtskrippe und ihre persönliche künstlerische Perspektive auf aktuelles Geschehen in der deutschen Gesellschaft. „Christen dürfen träumen – davon, das Machbare zu schaffen“, sagte die Parchimerin.

Was für ein besonderer Moment für Heilig Geist, für die Stiftung und für Güstrow die ZDF-Übertragung war, zeigte sich, als der letzte Ton der Jungen Kantorei-Bläsergruppe der Domgemeinde unter der Leitung von Kantor Martin Ohse verklungen war: Beifall brandete da auf, streichelte Nervenkostüme. Trompeterin Rahel Fischer (14): „Aufgeregt war ich weniger, eher angespannt. Die Stücke kennt man nach den vielen Proben ja schon auswendig. Es war fast so wie bei Jugend musiziert. Es hat Spaß gemacht, die Leute waren nett.“ Für ein musikalisches Gegenüber sorgte das Collegium für Alte Musik Vorpommern, in dem Gertrud Ohse ein historisches Cello spielt. „Ein gewisses Maß Aufregung ist ja förderlich“, sagt die Musikerin, für die es schon der zweite Fernsehgottesdienst war. Und sie bekennt doch: „Ich war froh, dass ich nicht sprechen musste.“

Während sich die Gestalter und Gäste des festlichen TV-Gottesdienstes anschließend im Domgemeinderaum zum Kirchenkaffee trafen und viel über das dorthin übertragene „Public Viewing“ sprechen konnten, hatten Heidemarie Wellmann und die Helfer der Krippenstiftung alle Hände voll zu tun. Der Rückbau der Fernsehtechnik war angesagt, anschließend der Wiederaufbau der Vitrinen. „Montag um 11 Uhr öffnen wir wieder, da soll alles an seinem Platz sein“, verspricht Heidemarie Wellmann. Vielleicht kann das Haus dann sogar mit einem neuen Ausstellungsstück aufwarten. Ein aus dem Iran stammender Flüchtling hörte, dass Heilig Geist noch keine Krippe aus seiner Heimat habe – und versprach spontan, eine zu bauen. Die Weihnachtsgeschichte – ganz aktuell.  

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