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Güstrower Anzeiger

23. Oktober 2017 | 17:29 Uhr

Hohe Ehre : Chinas Präsident ehrt Güstrower

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Jan und Angelika Harff heute nach kurzem „Heimaturlaub“ wieder unterwegs ins Reich der Mitte / Professuren in Stettin und Yantai

Heimat in Güstrow, leben in Polen, eine Wohnung in China: Die Eheleute Angelika und Jan Harff avancieren zu Weltbürgern. Heute geht ihr Flieger nach Peking, dabei kamen sie doch erst zu Weihnachten aus dem Reich der Mitte zurück nach Güstrow. Der heutige Trip ist allerdings ein nicht geplanter. Und ein freudiger zugleich: Empfang und Auszeichnung für Jan Harff durch den Staatspräsidenten der Volksrepublik China, Xi Jinping! Das chinesische Staatsoberhaupt würdigt am Donnerstag den Güstrower und sieben weitere Wissenschaftlern aus aller Welt mit dem Internationalen Preis für Wissenschafts- und Technologie-Kooperation.

„Das ist eine hohe Ehre, ich bin völlig überrascht“, gesteht der Meeres-Geologe Jan Harff. Erstmals bekomme ein Wissenschaftler seines Fachgebietes diese seit 1994 vergebene Auszeichnung, und zum dritten Mal überhaupt erst werde ein Deutscher durch die Chinesen zu diesem Staatsakt eingeladen.

Zufällig kommt die Preisverleihung für den 70-Jährigen freilich nicht. Seit sechs Jahren, nach jahrelanger Tätigkeit am Landesinstitut für Ostseeforschung in Warnemünde, lehrt Jan Harff an der Stettiner Universität, bekleidet an der dortigen Fakultät Geowissenschaft inzwischen eine Professur für Marine Geologie. Nach Polen „mitgenommen“ hatte Jan Harff eine 20-jährige Zusammenarbeit mit verschiedenen chinesischen Instituten. „Die haben das sofort angenommen. So hat sich mittlerweile eine Dreierbeziehung zwischen Stettin, Warnemünde und China entwickelt“, erzählt Jan Harff. Und „natürlich“ ist der Güstrower an der Stettiner Uni zuständig für diese Kooperation. „Aber ohne meine Kollegen würde ich den Preis auch nicht bekommen“, ist Harff sich sicher. „Und auch nicht ohne meine Frau Angelika“, ergänzt er. Die begleitet den Wissenschaftler seit den 1990er-Jahren regelmäßig auf seinen Reisen zu Tagungen und Kongressen in den Fernen Osten.

Dort wird er in diesem Jahr mehrmals so viele Wochen verbringen, dass sich das Ehepaar in Yantai jetzt sogar eine Wohnung genommen hat. Am dortigen Akademieinstitut für Küstenforschung ist Jan Harff Gastprofessor. „Das war schon etwas anderes, als wir jetzt vor Weihnachten zwei Monate am Stück in China waren. Vorher ging es immer in ein Hotel, aber mit einer eigenen Wohnung und täglicher Fahrt zur Arbeit, da muss man selbstständig klar kommen“, berichtet Angelika Harff. Die hat jetzt auch schon begonnen, einige chinesische Zeichen zu erlernen. Aber am besten klappe die Verständigung in dem fremden Land mit der englischen Sprache, sagt sie. Viel hätten sie so heute ihrem alten Englischlehrer am John-Brinckman-Gymnasium, Dr. Hans-Jürgen Kluge, zu verdanken. „Der hat uns so gut trainiert, dass wir die Sprache in ihren Elementen beherrschten. Das war für heute unser Fenster!“, berichtet Jan Harff in dankbarer Erinnerung an den inzwischen gestorbenen Pädagogen. Heute lehrt Angelika Harff sogar selbst die englische Sprache: Studenten im fernen China profitieren von den Englisch-Kenntnissen der Güstrowerin. Ein halbes Jahr USA-Aufenthalt kurz nach der Wende hatte die internationalen Verständigungschancen der Harffs wesentlich beflügelt.

Nach dem zweitägigen Auszeichnungsakt morgen und übermorgen in Peking geht es gleich weiter nach Guangzhou zu einer Tagung beim Geologischen Dienst für Meeresgeologie, mit dem Prof. Jan Harff seit vielen Jahren in Verbindung steht. Am Mittwoch der kommenden Woche steuern die Harffs dann wieder ihre Heimatstadt an, ehe es im März erneut ins Reich mit den meisten Erdenmenschen geht. „Ich bin jetzt fast noch mehr als früher beschäftigt. Keineswegs fühle ich mich im Ruhestand, seit ich mit 65 in Rente gehen musste. Ich wollte das aber auch gar nicht“, sagt Jan Harff. Und trotzdem: Die hohe Auszeichnung in China jetzt habe ihn „getroffen wie ein Blitz“.


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