Krakow am See : Chaossitzung zur neuen Kurtaxe

Tourismusziel Krakow am See: Seit dem 19. August weist dieses Schild an der Autobahn 19 auf den Luftkurort hin. Der Tourismusverein hofft damit, viele Autofahrer nach Krakow am See zu locken.
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Tourismusziel Krakow am See: Seit dem 19. August weist dieses Schild an der Autobahn 19 auf den Luftkurort hin. Der Tourismusverein hofft damit, viele Autofahrer nach Krakow am See zu locken.

Nach heftiger Diskussion beschließen die Krakower Stadtvertreter eine Erhöhung der Kurabgabe – allerdings moderater als geplant

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27. August 2015, 04:00 Uhr

Nach einer chaotischen Sitzung mit heftigen Diskussionen und teilweise beleidigenden Zwischenrufen haben sich die Krakower Stadtvertreter am Dienstagabend zu einer Erhöhung der Kurabgabe im Luftkurort durchgerungen. Die fällt allerdings moderater aus, als ursprünglich vorgesehen: So wird die Kurtaxe nicht auf zwei Euro pro Person und Nacht während des ganzen Jahres erhöht (SVZ berichtete), sondern es gibt eine saisonale Staffelung. Ab dem 1. Januar 2016 gilt: 1,50 Euro in der Hauptsaison vom 1. April bis 30. September und 50 Cent in der Nebensaison vom 1. Oktober bis 30. März.

Schon bei der Einwohnerfragestunde zu Beginn der Stadtvertretersitzung wetterten einige Bürger gegen die geplante Erhöhung der Kurtaxe. Es entbrannte eine erregte Diskussion zwischen Vermietern und Stadtvertretern. Die Kurtaxe werde „handstreichartig“ eingeführt, hieß es unter anderem. Auch tauchte die Frage auf: „Wie sollen wir das unseren Gästen erklären?“. Stadtvertreter Wolfgang Fentzahn (CDU) sagte daraufhin: „Die Bürger wollen diese Änderung nicht. Deshalb sollten wir die alte Regelung von einem Euro Kurtaxe beibehalten.“

Die CDU lehnte die neue, bereits moderatere Kurabgabensatzung dann auch geschlossen ab. Einen Tag zuvor hatte der Wirtschaftsausschuss das Papier noch einmal intensiv diskutiert und entscheidende Veränderungen vorgenommen. „Es gab viele Einwände – und die haben wir eingearbeitet“, erläuterte der Ausschussvorsitzende Christoph Küsters (Linke). So einigte man sich auf 1,50 Euro in der Hauptsaison und 50 Cent in der Nebensaison. Zudem wurde die monatliche Abrechnungsfrist gekippt. Auch Krakows Bürgermeister Wolfgang Geistert fand „den Sprung von einem auf zwei Euro zu hoch“. Dennoch ist er von der Notwendigkeit der Erhöhung der Kurtaxe überzeugt: „Die Einnahmen im touristischen Bereich liegen deutlich unter den Ausgaben.“ Es gehe darum, mehr Einnahmen zu generieren und damit auch den Standort der Tourist-Information im Luftkurort zu sichern. Die Stadt erhofft sich durch die Erhöhung Mehreinnahmen von bis zu 30 000 Euro pro Jahr. Mit Blick auf den heftigen Gegenwind auf der Stadtvertretersitzung räumte Geistert aber auch ein: „Wir haben leider versäumt, die Kurabgabensatzung vorher mit einer breiten Öffentlichkeit zu diskutieren.“


„Rübentourismus“ im Luftkurort?


Nils Ruhnau (CDU) schoss gegen die neue Satzung. „Wenn man sich den Zustand der Stadt anguckt, wie kann man da überhaupt Kurtaxe nehmen“, sagte er und verwies auf kaputte Stege und unansehnliche Ecken in Krakow am See. Sein Fraktionskollege Fentzahn setzte noch einen drauf. „Ich habe mit Urlaubern gesprochen, die nicht mehr wiederkommen wollen“, sagte er und sprach von „Rübentourismus“. Ruhnau machte deutlich, dass er grundsätzlich ein Problem damit habe, wie in Krakow am See mit Entscheidungen umgegangen werde. Er bemängelte, dass im Vorfeld nicht mit den Betroffenen über eine Erhöhung der Kurtaxe geredet worden sei. „Das liegt daran, wie diese Stadt geführt und geleitet wird“, so Ruhnau.

Küsters unterstrich hingegen, dass die touristische Infrastruktur finanziert werden müsse. „Wir müssen nach neuen Einnahmen suchen, die auch wieder dem Tourismus zu Gute kommen.“


Hoher Zuschuss für Tourismus GmbH


Dass der Tourismusbereich in Krakow am See defizitär ist, wurde auch dadurch deutlich, dass die Stadtvertreter einen einmaligen Zuschuss von 45 000 Euro für die Tourismus GmbH beschlossen. Das Geld geht an die Wohnungsgesellschaft Krakow am See (Wokra), bei der die Tourismussparte angesiedelt ist. Zudem informierte der Bürgermeister darüber, dass die Verschmelzung von Wokra und Tourismus GmbH am 11. August notariell beurkundet wurde. Jetzt muss noch ein Gericht entscheiden.

Die Wokra selbst hatte diese Summe genannt, um den Betrieb der Tourist-Info aufrechterhalten zu können. Der Zuschuss sei vor allem notwendig für die Kostendeckung bei der Tourist-Info, so auch der Bürgermeister. Dennoch: „Auch die Tourist-Info muss ihre Einnahmen erhöhen und ebenso an Einsparungen denken“, sagte Geistert. Küsters verwies auf die Einmaligkeit des Zuschusses. Zudem müsse man das im Zusammenhang mit der Erhöhung der Kurtaxe sehen.

Die CDU sperrte sich gegen den Zuschuss von 45 000 Euro und forderte eine Halbierung. Kam damit am Dienstagabend jedoch nicht durch.  

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