Warnstreik : Busfahrer im Streik – starre Fronten

Nichts bewegt sich: auf dem Gelände von Rebus   im Parumer Weg in  Güstrow blieben die Linienbusse gestern in der Garage stehen.   Fotos: Jens Griesbach
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Nichts bewegt sich: auf dem Gelände von Rebus im Parumer Weg in Güstrow blieben die Linienbusse gestern in der Garage stehen. Fotos: Jens Griesbach

Warnstreik gestern vor Rebus-Zentrale in Güstrow / Fahrer erhalten „Hausverbot“ / Heute fahren alle Regional- und Stadtbusse wieder

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05. Februar 2014, 04:00 Uhr

Gestern Morgen vor dem Betriebsgelände der Regionalbus Rostock GmbH, kurz Rebus, im Parumer Weg in Güstrow. Die Sonne scheint, aber es ist kalt. Die Busfahrer Heiko Arnold und Michael Krüger stehen vor einer Feuerschale, wärmen sich mit rund 40 weiteren Kollegen auf. Aufs Gelände dürfen sie nicht. Rebus-Geschäftsführerin Simone Stephan hat ihre streikenden Mitarbeiter ausgesperrt. Auch die Kantine hat sie dicht gemacht. „Wir dürfen noch nicht einmal die Toiletten benutzen, müssen unsere Notdurft hier draußen am Zaun erledigen“, schimpft Arnold, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender von Rebus. „Mit diesem Hausverbot wird nur Öl ins Feuer gegossen“, ergänzt Krüger.

Die Fronten im Tarifstreit sind verhärtet. Deshalb rief die Gewerkschaft Verdi gestern sämtliche Rebus-Mitarbeiter zu einem ganztägigen Warnstreik auf. Die Gewerkschaft habe ihre Streikstrategie nicht offen gelegt, entgegnet Simone Stephan. Der gestrige Warnstreik an allen Standorten (Güstrow, Teterow, Gnoien, Bad Doberan und Rostock) sei für sie überraschend gekommen. Die Rebus-Geschäftsführerin ist sichtlich verärgert. „Verdi will in ganz MV einen Branchentarifvertrag einführen, aber nur wir als Rebus werden bestreikt“, sagt sie. Ihre Begründung für das Hausverbot: „Bei einem Warnstreik hat jede Seite ihre Rechte. Wir üben unsere aus und ich mache von meinem Hausrecht Gebrauch.“

Verdi fordert einen Haustarifvertrag für die Rebus-Mitarbeiter. Seit der Fusion von vier Busunternehmen zu Rebus im vergangenen Jahr würden im Betrieb unterschiedliche Tarife gelten, beklagt Detlev Follak, Verdi-Chef in Rostock, der gestern mit den Busfahrern in Güstrow streikte. Diese Unterschiede soll ein Haustarifvertrag heilen. „Vereinheitlichung der Gehälter auf höherem Niveau“, nennt Follak das. Die Diskrepanz zwischen dem Gehalt der alten Omnibusverkehrsgesellschaft Güstrow (OVG) und dem Branchentarifvertrag betrage 23 Prozent. Damit ist die Forderung klar. „Wir wissen, dass das in einem Rutsch nicht geht. Aber wir müssen über den Fahrplan dahin sprechen“, sagt er. Das will auch Busfahrer Heiko Arnold: „Wir wollen eine faire Bezahlung für alle Kollegen. Die unterschiedlichen Einkommen müssen weg. Wir haben in den letzten Jahren kaum Tariferhöhungen bekommen. Es darf keine Busfahrer 1. und 2. Klasse geben, das ist ungerecht.“

23 Prozent – das ist für Simone Stephan inakzeptabel. „Das würde bedeuten, dass wird die Fahrpreise deutlich erhöhen und den Linienverkehr über Land ausdünnen müssten.“ Von einem Haustarifvertrag hält sie nichts, setzt stattdessen auf eine „innerbetriebliche Vereinbarung“, um die Rahmenbedingungen für alle Mitarbeiter anzupassen. „Das muss aber finanzierbar sein, ohne zusätzliche Mittel der Kommunen“, sagt sie. Ihr Vorschlag: „Drei bis fünf Prozent mehr Lohn, Wegfall von Urlaubstagen bei einigen – das würde eine Gehaltsangleichung bedeuten.“ Zudem habe es auch bisher keine Nullrunden, sondern jährliche Lohnanpassungen gegeben, unterstreicht Simone Stephan.

Diese Aussage verärgert Rebus-Betriebsrat Arnold: „Bei der OVG gab es in den vergangenen 16 Jahren lediglich 1,12 Euro Lohnerhöhung.“ Die vorgeschlagene Betriebsvereinbarung lehnt auch Busfahrer Krüger ab: „Da kommen wir unterm Strich schlechter bei weg.“ Und Verdi-Chef Follak pocht weiter auf einen Haustarifvertrag. „Wir wollen dazu mit Rebus endlich in Tarifverhandlungen einsteigen. Wenn ein Haustarif weiter abgelehnt wird, dann geht der Konflikt weiter“, kündigt er an. Heute ist der Warnstreik aber zunächst beendet. Die Busfahrer steigen wieder auf ihre Böcke.


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