Rechtsextremismus : „Bürgerwehr“ schürt Angst

Rechtsextreme marschierten erst  am 21. März durch Güstrow.
Rechtsextreme marschierten erst am 21. März durch Güstrow.

Rechtsextreme „patrouillieren“ erneut in Güstrow unter Augen der Polizei / Stadtvertreterin Karen Larisch Ziel von Angriffen

svz.de von
09. April 2015, 20:00 Uhr

Die selbsternannte „Bürgerwehr Güstrow“ von Rechtsextremen (SVZ berichtete) sorgt immer mehr für Beunruhigung bei den Einwohnern der Barlachstadt. „Welche Wirkung allein das Auftreten dieser Gruppen hat, konnte das Güstrower Polizeihauptrevier aus besorgten Anrufen entnehmen“, sagt Polizeisprecher Gert Frahm zu den jüngsten Aktivitäten der Rechtsextremen am Mittwochabend in der Innenstadt. Erneut „patrouillierten“ hier zehn Mitglieder der „Bürgerwehr“. Immer mehr zum Angriffsziel der Neo-Nazis wird unterdessen die Güstrower Stadtvertreterin Karen Larisch (Die Linke), die ein sozio-kulturelles Zentrum in der Stadt aufgebaut hat und sich für Asylbewerber einsetzt. Auch ihr Wohnhaus wurde am Mittwochabend von Rechtsextremen angegriffen.

Vermutlich Mitglieder der „Bürgerwehr“ brachten u.a. an ihrem Wohnhaus und ihrem Briefkasten zahlreiche Aufkleber mit rechtsextremen Parolen an, rüttelten gar an ihrer Tür. „Die Provokationen nehmen kein Ende“, sagte Karen Larisch gestern gegenüber SVZ. „Ich werte das als einen persönlichen Angriff auf mich. Ich soll eingeschüchtert werden.“ Die Polizei prüft, ob es sich um Hausfriedensbruch handelt.

Karen Larisch ist frustriert und wütend über die Angriffe gegen ihre Person. „Ich tue diesen Menschen nichts. Ich schwinge auch keine Nazi-Keule gegen die Mitglieder der ,Bürgerwehr’, bin sogar auf sie zugegangen, um mit ihnen zu reden“, sagt sie. Dennoch werde sie fortgesetzt von den Rechtsextremen belästigt und „gestalkt“, wie sie sich selbst ausdrückt. Doch Karen Larisch will nicht aufgegeben und gibt sich kämpferisch: „Die kriegen mich nicht klein!“ Sie werde sich weiterhin für arbeitslose Menschen, Flüchtlinge und andere Hilfsbedürftige in ihrem sozio-kulturellen Zentrum „Villa Kunterbündnis“ und als Koordinatorin des Güstrower Familienbündnisses engagieren. „Ich lasse mir von denen nicht meinen Lebenstraum kaputt machen“, so Karen Larisch. Und als Nachtrag an die Adresse der „Bürgerwehr“: „Wenn Dummheit anfängt zu denken, wird es gefährlich.“

Gert Frahm äußerte gegenüber unserer Zeitung, dass die Polizei die Bedrohung von Karen Larisch durch Rechtsextreme „auf dem Zettel“ habe. „Diese Aktion hat erneut bewiesen, dass das Auftreten solcher Art ,Bürgerwehr’ kein Gefühl der Sicherheit vermittelt und sich Mitglieder augenscheinlich auch noch ordnungswidrig verhalten.“

Die Aktion der „Bürgerwehr“ am Mittwochabend sei „unter den Augen der Polizei“ verlaufen. „Wir machen diesen Leuten ganz deutlich, wer für Ordnung und Sicherheit in Güstrow zuständig ist“, so Frahm. „Wir werden nicht verhindern können, dass sie in Grüppchen durch die Gegend streifen, aber wir werden provozierte Störungen von dieser Gruppe im Ansatz verhindern.“ Vor den Asylbewerberunterkünften in Güstrow sei die „Bürgerwehr“, die offensichtlich mit dem ebenfalls rechtsextremen „Güstrower Bündnis gegen Asylmissbrauch“ in Verbindung steht, bisher nicht aufgetreten. Nach den aktuellen Geschehnissen werde die Güstrower Polizeiinspektion ihre Maßnahmen gegen die Rechtsextremen erneut anpassen, kündigte Frahm an.

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