zur Navigation springen

Krakow am See : Bürgermeister geht es an Kragen

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Stadtvertretung Krakow am See setzt staatsanwaltschaftliche Ermittlungen in der Wokra-Affäre in Gang / Wolfgang Geistert Zielscheibe

Jetzt ist es offensichtlich: Dem Krakower Bürgermeister Wolfgang Geistert soll es an den Kragen gehen und seine Wahl als Bürgermeister verhindert werden. Das sagt zwar keiner, aber allein dieses Signal spricht dafür. Denn in der Krakower Wokra-Affäre hat die Stadtvertretung am Dienstagabend in einer nichtöffentlichen Dringlichkeitssitzung beschlossen, „die Vorgänge in der Wohnungsgesellschaft Krakow am See (Wokra) und der Tourismus GmbH strafrechtlich bewerten zu lassen“. Das erfuhr SVZ aus guter Quelle.

Ein Beschluss, die Nichtöffentlichkeit außer Kraft zu setzen und umgehend die Bürger über das Ergebnis der Sitzung zu informieren, wurde nicht gefasst. Man habe zwar darüber gesprochen, es aber doch nicht getan, erklärten Volker Stelzl (CDU) und Christoph Küsters (Die Linke). Deren Fraktionen hatten die nichtöffentliche Sitzung einberufen.


„Ich habe ein reines Gewissen“


Bereits nach wenigen Minuten kam es am Dienstagabend zum Eklat. Geistert soll vorgeworfen worden sein, die so genannten Lageberichte der Wokra, die mit den Jahresabschlüssen vorgelegt werden, geschönt zu haben. Als Geistert eine Antwort geben wollte, soll ihm das Wort entzogen worden sein. Nach seinen Informationen sollte er auch im weiteren Verlauf der Sitzung keine Redemöglichkeit erhalten. „Dann kann ich ja nach Hause gehen, wenn ich zu den Vorwürfen nicht sprechen darf“, sagte Geistert – und verließ nach rund fünf Minuten die Sitzung. Ein Stadtvertreter zu SVZ: „Der saß wie auf der Anklagebank und ist regelrecht aus dem Saal gejagt worden.“ Insider sehen nach der Sitzung am Dienstag eine Taktik bestätigt, von langer Hand vorbereitet und jetzt im Wahlkampf ans Tageslicht befördert. Der Wokra-Geschäftsführer Jens Wiese habe dabei als „Bauernopfer“ dran glauben müssen. Der geht inzwischen gegen seine fristlose Kündigung gerichtlich vor.

Geistert sagte gegenüber unserer Redaktion, dass er die Lageberichte nicht mit erarbeitet habe. Einzig bei den Berichten über die Wokra vor der Stadtvertretung habe er mitgewirkt, betont er. SVZ erfuhr ebenfalls, dass man dem Bürgermeister vorwirft, sich durch Planungsaufträge an der Stadtvertretung vorbei bereichert zu haben. „Ich habe ein reines Gewissen“, sagt Geistert.


Abberufung ohne Chance


Im Gespräch soll Dienstag eine Abberufung Geisterts, über die sich nach SVZ-Informationen CDU, Linke und SPD vorher bei der Kommunalaufsicht des Landkreises informiert haben sollen, gewesen sein. Auf die wurde offenbar verzichtet, weil keine nötige Zwei-Drittel-Mehrheit zu Stande gekommen wäre. Die wäre für eine Abwahl erforderlich zunächst in der Stadtvertretung und anschließend auch noch einmal in einem Bürgerentscheid.

Nach SVZ-Informationen wurden Hans-Dieter Reinschütz, Leiter der Kommunalaufsicht, die bisherigen Untersuchungsergebnisse, die der Aufsichtsrat ermittelt hat, überreicht. Reinschütz war gestern nicht zu erreichen.

Bei den Vorwürfen geht es u.a. um eine zu hohe Kreditvergabe für die Ernst-Thälmann-Straße 17. Sie wurde ohne Zustimmung des Aufsichtsrates und der Stadtvertretung vorgenommen. Geistert wird vorgeworfen, zum Schaden der Wokra gehandelt zu haben. Er streitet das ab. In die Vorgänge, die von der Staatsanwaltschaft geklärt werden sollen, sollen neben Geistert der Wokra-Geschäftsführer Jens Wiese sowie der Ex-Aufsichtsratsvorsitzende Gundolf Bötefür involviert sein. Zu vermuten ist, dass dabei auch die Arbeit des Aufsichtsrates beleuchtet wird.


zur Startseite

von
erstellt am 03.Apr.2014 | 06:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen