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Flüchtlinge in Lalendorf : Bürgermeister fordert Respekt

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Minderjährige Asylsuchende sollen nun wie Erwachsene verteilt werden. Gemeinde stellt zwölf Plätze zur Verfügung

von
erstellt am 21.Okt.2015 | 21:00 Uhr

Emotionsgeladen war die Stimmung am Dienstagabend im Atrium der Johann-Pogge-Schule in Lalendorf. Hier hatte der Landkreis zu einer Informationsveranstaltung zur Unterbringung von Flüchtlingen in der Gemeinde geladen. Doch an diesem Abend sollte es nicht, wie erwartet um die dezentrale Unterbringung von Erwachsenen, sondern um die Betreuung und Unterbringung von unbegleiteten Minderjährigen gehen.

„Ab dem 1. November greift eine Neuregelung. Waren bisher die Jugendämter zuständig, wo die Kinder und Jugendlichen erstmals registriert wurden, greift nun der gleiche Verteilungsschlüssel wie auch bei den Erwachsenen und die Zuständigkeit liegt dann bei den jeweiligen Kreisen“, erklärte Rainer Boldt, Dezernent des Landkreises Rostock. Für den hiesigen Kreis bedeute dies, dass kurzfristig nun Unterbringungs- und Betreuungsmöglichkeiten für die Minderjährigen geschaffen werden müssen, so Boldt weiter.

In Lalendorf steht für diese Zwecke das ehemalige Landschulheim in der Hauptstraße 30 zur Verfügung, welches sich bereits in der Trägerschaft des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) befindet. Hier sollen bis voraussichtlich Ende November zwölf Plätze für unbegleitete Kinder- und Jugendliche entstehen. Die erste Einrichtung dieser Art im Landkreis gibt es bereits in Dahmen.

„Ich wünsche mir eine gute Kooperation mit der Gemeinde Lalendorf, denn die Betreuung stellt natürlich eine noch höhere Herausforderung dar, als bei den Erwachsenen“, sagte Dezernent Rainer Boldt. „Die Einrichtung wird jedoch keine dauerhafte Lösung für die Minderjährigen werden – sie sind hier maximal drei Monate untergebracht“, erklärte Jugendamtsleiterin Petra Russow und Gunnar Quaas, Leiter für Kinder- und Jugendhilfe beim DRK, fügte hinzu: „Vor Ort sollen in dieser Zeit individuelle Hilfen abgeklärt werden – beispielsweise, ob es weitere Verwandte gibt, die die Vormundschaft übernehmen könnten.“

7,5 Stellen für Sozialpädagogen und Erzieher sollen für diese Zwecke in Lalendorf geschaffen werden. Sie werden in Schichten eine 24-Stunden-Betreuung gewährleisten. Doch bevor die Kinder- und Jugendlichen in das ehemalige Landschulheim einziehen können, müssen hier noch einige bauliche Maßnahmen durchgeführt werden. „Gegenwärtig regnet es sogar durch, aber wir geben uns größte Mühe, die Einrichtung schnellstmöglich bezugsfertig zu bekommen“, beschreibt Quaas den Zustand des Gebäudes.

Auch Fragen aus dem Plenum wurden durch die Redner am Dienstagabend bereitwillig beantwortet. „Werden die Kinder auch in die Schule gehen und wie werden wir als Schule unterstützt, um sie zu integrieren“, wollte Schulleiter Ortwin Ackermann wissen. „Aus unserer Erfahrung heraus, sind die unbegleiteten Minderjährigen, die wir hier im Moment haben, zwischen 16 und 18 Jahre alt – also nicht mehr schulpflichtig“, antwortete Jugendamtsleiterin Petra Russow und fügte hinzu: „Im ersten Monat sind die Kinder und Jugendlichen ohnehin noch nicht in der Lage in die Schule zu gehen – es ist also erstmal nicht davon auszugehen, dass sie in Lalendorf die Schule besuchen werden.“

Auch Bedenken zum Thema Sicherheit wurden in den Reihen der Gäste laut. Man habe viel über Schlägereien, Diebstähle oder gar Vergewaltigungen gehört, war aus dem Plenum zu hören, doch Lothar Fetzer, Leiter des Polizeireviers Teterow, zu dem auch Lalendorf gehört, gab Entwarnung. „Alle Straftaten, die im Zusammenhang mit Flüchtlingen stehen – ob als Täter oder als Opfer – gehen hier über meinen Tisch. Bislang sind keine Straftaten im Revierbereich zur Anzeige gekommen“, versicherte der Polizeibeamte.

Die daraufhin einsetzenden Zwischenrufe unterband Lalendorfs Bürgermeister Reinhard Knaak: „Wir sollten uns an die Fakten halten und das bewerten, was wir hier vor Ort erleben.“ Für seinen Aufruf zu gegenseitigem Respekt erntete Knaak schließlich sogar Applaus.

„Gerade die Jugendlichen, die zu uns kommen, haben die Situation nicht verschuldet. Sie haben nicht freiwillig alles aufgegeben und sind in dieses für sie fremde Land gekommen. Heißen wir sie willkommen und lernen wir sie kennen“, appellierte auch Reinshagens Pastorin Friederike Jaeger zum Abschluss der einstündigen Diskussion in Lalendorf.

Informationen rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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