Güstrow : „Briefe schreiben ist eine Tortur“

An einem Arbeitstisch erhalten Besucher Anleitung, in Barlachs Schrift zu schreiben oder sie zu lesen.
An einem Arbeitstisch erhalten Besucher Anleitung, in Barlachs Schrift zu schreiben oder sie zu lesen.

Bis 1. Juni im Barlach-Museum „Ernst Barlach als Briefeschreiber“ zu sehen.

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02. März 2020, 05:00 Uhr

Das Jahr 2020, in dem der Bildhauer, Graphiker und Dichter Ernst Barlach 150 Jahre alt geworden wäre, begann mit einem Paukenschlag: Im Januar wurde eine vierbändige kommentierte Auswahl der Briefe des Künstlers der Öffentlichkeit präsentiert. Nun griff das Güstrower Barlach-Museum das Thema auf und gestaltete eine Ausstellung „Ernst Barlach als Briefeschreiber“.

„Ich habe schauerlich viel Briefe geschrieben“, bekannte der Wahl-Güstrower einst selbst. Über 2200 Briefe und Postkarten an über 400 sehr unterschiedliche Briefpartner, wie eine im Eingangsbereich des Ausstellungsforums am Heidberg großflächig angebrachte Grafik über das Netzwerk von Barlachs Korrespondenzen belegt. Nachzulesen sind sie alle in der erwähnten Edition. Was sollte da eine Ausstellung noch leisten können?

Sehr viel, wie beim Gang durch die das Graphikkabinett einbeziehende Präsentation deutlich wird. Kuratorin Franziska Hell und ihrem Team ist es mit der Schau gelungen, neuen Zugang zu dem Menschen und Künstler Ernst Barlach zu ermöglichen. Gezeigt wird der Künstler, wie er in vielen Briefen Kontakt zur Familie hielt – zu seiner Mutter, dem Bruder Hans, seinem Vetter Karl, seinem Sohn Nikolaus. Nicht zu vergessen die 66 erhaltenen Briefe an Marga Böhmer. Darüber hinaus schrieb er Briefe an Künstlerkollegen, Freunde, Kunstsammler und Geschäftsfreunde. Viele Briefe sind in der Ausstellung im Kontext zu Werken angeordnet, in denen Barlach die Idee, den Schaffensprozess oder auch deren Schicksale schildert.

Zudem belegt die Schau den Wandel, der sich im Laufe der Zeit bei dem Vielschreiber Barlach einstellte. Sind die Korrespondenzen in den frühen Jahren oft überschwänglich und lang, klagte er später: „Briefe schreiben ist eine Tortur.“ Zumal die Zahl der Personen, die mit dem Künstler Kontakt suchten, mit dessen steigender Bekanntheit als Bildhauer wuchs. „Da liegt ein Misthaufen Briefe, die alle einmal Antwort haben müssen“, stellte er lakonisch fest.

Noch eine Idee der Kuratorin soll genannt werden: An einem Arbeitstisch im Ausstellungsforum können sich Besucher Anleitung zum Lesen der Handschrift holen und sich daran versuchen, wie Barlach zu schreiben.

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