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Güstrow : Braune Biobauern sollen raus aus Bio-Verband

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Kein grünes Biosiegel für braune Bauern: Der ökologische Anbauverband Biopark in Güstrow will seine Satzung ändern. So sollen künftig rechtsextreme Landwirte ausgeschlossen oder deren Beitritt verhindert werden.

svz.de von
erstellt am 19.Okt.2012 | 07:56 Uhr

Güstrow | Kein grünes Biosiegel für braune Bauern: Die Mitglieder des ökologischen Anbauverbandes Biopark in Güstrow wollen eine Satzungsänderung beschließen, die es künftig ermöglicht, rechtsextreme Landwirte auszuschließen oder deren Beitritt zu verhindern. Rechtlich sei das bislang schwierig gewesen, sagte der Biopark-Vorsitzende Gottfried Marth. Stimmt die Mehrheit der Biopark-Bauern kommendes Jahr der Änderung zu, wird es laut Marth in MV für zwei Mitglieder "konkret".

Die vom Rauswurf betroffenen Mitglieder sollen den völkischen Siedlern im mecklenburgischen Koppelow angehören. "Wir wollen mit Rechtsextremen nichts am Hut haben. Das haben wir immer wieder gesagt", betonte der Verbandsvorsitzende Marth.

Für braune Ökologen ist Mecklenburg-Vorpommern eine beliebte Region. Mittlerweile haben sich rechtsextreme Ökolandwirte unter anderem in den Regionen Güstrow, Teterow und in Ortschaften im Landkreis Rostock angesiedelt. Ihre Zahl steigt - ist aber nicht genau bekannt. Experten gehen davon aus, dass die rechten Biobauern wie andere rechte Gruppierungen versuchen, sich einen Platz in der Gesellschaft zu sichern - in diesem Fall mithilfe der grünen Tarnkappe. Häufig zählen die braunen Ökologen zum Kreis radikal-völkischer Siedler. "Sie propagieren eine artgerechte, völkische, autoritäre Lebensweise, in der kein Platz für Pluralismus und Demokratie ist", charakterisiert die Politikwissenschaftlerin Gundrun Heinrich von der Universität Rostock die rechten Landwirte mit naturverbundener Attitüde.

Über die rechtsextremen Mitglieder im Verband wurde Biopark-Chef Marth nach eigener Aussage von Kunden aufmerksam gemacht. Als die Gesinnung der braunen Ökobauern bekannt wurde, habe man deren Produkte aber boykottiert. "Wir nehmen schon seit Jahren nichts mehr von denen ab", versicherte Marth. Warum die rechtsextremen Landwirte im Verband nicht aufgefallen sind, können Beobachter der rechten Szene wie Günther Hoffmann durchaus nachvollziehen: "Das sind keine klassischen Scheitelnazis. Das äußere Erscheinungsbild ist eher alternativ." Die rassistische Orientierung würden sie in der Öffentlichkeit verbergen.

Die Unterwanderung von unpolitischen Vereinen und Verbänden gehört zur Strategie der Rechtsextremen. "Sie treten als Kümmerer auf, zeigen sich hilfsbereit", erklärt Günther Hoffmann. Kürzlich wurde bekannt, dass die jüngsten Kicker des VfB Pommern Löcknitz nach der Pfeife des NPD-Kreistagsabgeordneten Dirk Bahlmann als Unparteiischen kickten. Anlass zum Handeln sah der Sportverein nicht. Andere Vereine stehen Problemen mit Nazis oft auch einfach hilflos gegenüber.

Schritte gegen eine schleichende Unterwanderung durch braune Zeitgenossen wie sie die Bio-Landwirte planen, könnten aus Sicht der ehemaligen Landesvorsitzenden von Bündnis 90 / Die Grünen, Kerstin Felgner, auch Anstoß für weitere Vereine sein, gegen Rechtsextreme in den eigenen Reihen vorzugehen. Details zur Extremismus-Klausel nannte Biopark nicht. Das müsse alles wasserdicht formuliert sein, sagte eine Sprecherin. Um juristische Schlupflöcher auszuschließen, hat sich der Anbauverband laut Gottfried Marth von Fachleuten beraten lassen.

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