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Diskussion in Bützow : „Brauchen Kultur der Toleranz“

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Was kommt auf die Stadt Bützow durch die Flüchtlinge zu und wie sollten wir ihnen begegnen? Bützower trafen sich zum Gedankenaustausch

Eine Menge Fragen brennen den Bützowern unter den Nägeln zu der Tatsache, dass bald die ersten Asylbewerber in der Stadt eintreffen werden. Das offenbarte jetzt das Forum im Bützower Gymnasium, zu dem das gerade gebildete Bündnis für Toleranz in der Stadt eingeladen hatte. Moderiert wurde der Abend von dem Radiojournalisten Stefan Schölermann. Seine sowie Fragen der Zuhörer waren:

Was kommt jetzt auf die Bützower zu? Und nach welchen Kriterien werden die Flüchtlinge auf die Region verteilt?

Rainer Boldt, stellv. Landrat: Wir haben seit drei bis vier Jahren einen massiven Flüchtlingsstrom nach Deutschland und haben zurzeit im Landkreis Rostock Flüchtlinge aus über 30 Ländern. Bisher gibt es für sie 430 Plätze in Gemeinschaftsunterkünften in Güstrow und Bad Doberan. Das reicht aber nicht aus. Deshalb müssen weitere 160 Plätze in Wohnungen eingerichtet werden. Davon 55 in Bützow. Es gibt also bei uns zurzeit Unterkünfte für 590 Personen.

Wo befinden sich die Wohnungen in Bützow?

Bürgermeister Christian Grüschow: Die Flüchtlinge werden in 16 Wohnungen der Büwo in der Karl-Marx-Straße und am Forsthof untergebracht.

Woher kommen die Flüchtlinge und wann kommen sie?

Boldt: Wir erwarten Flüchtlinge in erster Linie aus Syrien, Afghanistan, Eritrea, Somalia, Nigeria und aus der Westbalkanregion. Woher und wann sie genau kommen, wissen wir aber noch nicht. Wir rechnen mit dem Erstbezug der Wohnungen Ende Juli/Anfang August.

Was sind zu Beginn erfahrungsgemäß die größten Probleme?

Ulrike Wanitschke, Landesflüchtlingsrat MV: Die größte Schwierigkeit sind meistens die Sprachbarrieren.

Was bedeutet das für Schulen und Kindertagesstätten?

Boldt: Für die Kinder in den Flüchtlingsfamilien besteht Schulpflicht. Und es gibt einen Bedarf an Kita-Plätzen. Die meisten Kinder können kein Deutsch. Das wird für die Schulen eine große Herausforderung.

Wie ist die Kommune auf die Ankunft der Flüchtlinge vorbereitet?

Grüschow: Wir versuchen, einen großen Teil der Stadt einzubinden in die Integration der Flüchtlinge und haben ein Bündnis für Toleranz mit zwei Arbeitsgruppen gegründet. Das ist für alle offen.

Was machen die Flüchtlinge den ganzen Tag und haben wir Arbeit für sie?

Wanitschke: Die Flüchtlinge dürfen hier gar nicht arbeiten. Sie haben in den ersten neun Monten ein Arbeitsverbot und dürfen später nur eine Arbeit übernehmen, die kein Deutscher und kein EU-Bürger machen kann. Auch einen Anspruch auf einen Sprachkursus haben sie nicht. Da ist die Zivilgesellschaft gefragt.

Boldt: Vereine und andere sollten Angebote machen. Wir dürfen aber auch nicht vergessen, dass viele Flüchtlinge Schlimmes erlebt haben und erstmal unter sich bleiben wollen.

Saquib Mahmood aus Pakistan, der seit 13 Jahren in Bützow lebt und hier einen Pizza-Service betreibt. Sein Geschäft wurde 2007 Opfer des rechtsextremen Mobs. Doch die Mehrheit der Bützower stand zu ihm: Man braucht die Hilfe der Leute, wo man lebt. Dann lernt man auch die Sprache. Man muss Kontakte haben, nur allein zu Hause herumsitzen, bringt nichts. Die Menschen hier sind nicht ausländerfeindlich, sie sind nur ein bisschen schüchtern. Nach den Ausschreitungen vor sieben Jahren hat sich die Situation in Bützow sehr beruhigt. Ich sehe hier keine große Feindlichkeit gegen Ausländer und fühle mich hier wohl.

Was kann die Zivilgesellschaft für die Flüchtlinge tun?

Grüschow: Wir haben viele Ideen, sie zu integrieren. Ich möchte mich zum Beispiel mit meiner Familie für eine Familie als Partnerfamilie anbieten.

Pastor Karl-Martin Schabow: Es sind unsere Gäste, so sehe ich das. Es sind Menschen in Not, denen wir helfen müssen. Ich empfinde ihren Aufenthalt außerdem als eine Bereicherung für die Stadt und will helfen, eine Kultur der Toleranz zu entwickeln.

Boldt: Es existiert auch in Bützow ein Sicherheitskonzept. Und es wird in der Stadt einen Ansprechpartner des Landkreises geben.

 

 

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