Schloss Güstrow : Botschaften in Zeiten von Zensur

Axel Höhn aus Schwerin schaute sich interessiert die zahlreichen Postkarten dieser Zeit an1
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Axel Höhn aus Schwerin schaute sich interessiert die zahlreichen Postkarten dieser Zeit an1

„Außer Kontrolle“ Farbige Grafik & Mail Art in der DDR“ –Freitag Teil zwei in Güstrow eröffnet

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22. November 2015, 14:30 Uhr

Eine sehr emotionale und hingebungsvolle halbe Stunde eröffnete die Ausstellung „Außer Kontrolle! Farbige Grafik & Mail Art in der DDR“ im Güstrower Schloss. Hier eröffnen sich dem Besucher grenzüberschreitende Kunstformen wie Mail Art (Postkunst oder Korrespondenz), experimentellen Happenings (Ereignissen) und Performances (Aufführungen). Eine außergewöhnliche Ausstellung, die zeigt, wie die Künstler trotz Zensur in der damaligen Zeit Botschaften auf speziellem Wege verschlüsselt auf Postkarten, in Bildern oder auch in darstellender Form ausdrücken konnten. Die Schau in Güstrow gehört zu einer zweiteiligen Ausstellung des Staatlichen Museums Schwerin. Im ersten Teil im Schweriner Schloss wird der Sammlungsschwerpunkt „Farbige Grafik“ präsentiert. Dort gibt es eine Verlinkung zur Güstrower Schau und ebenso in Güstrow einen Hinweis auf den Schweriner Teil.

„Somit sind zwei Facetten unserer Sammlung in Schwerin zu sehen“, sagt Kuratorin und wissenschaftliche Mitarbeiterin in Schloss Schwerin, Dr. Kornelia Röder. Das Projekt wurde vom Staatlichen Museum Schwerin und dem Dresdner Institut für Kulturstudien entwickelt. „Es geht uns darum, die graphischen Künste wieder in den Fokus zu rücken“, fügt die Kuratorin an. Dazu wurde die vorhandene Sammlung „farbige Graphik der DDR“, die von 1975 bis 1989 zusammengetragen wurde, gut genutzt. 1996 hatte das Museum dann noch die Mail Art-Archiv erworben.

Einige der Mail Art-Künstler waren zur Vernissage in Güstrow. Darunter war beispielsweise Holger Stark (55), geboren in Rostock. „Viele meiner Performances entstanden zwischen 1987 und 1991“, erzählt er. Damals hatte er Kunst in Dresden studiert. „Ich freue mich, dass diese Ausstellung möglich wurde und ich auch viele meiner Kollegen hier treffe. Das ist spannend“, sagt er.

So gibt es sehr viel zu entdecken, zu hören und zu sehen – in Bildern ebenso wie auf Postkarten oder Stempeln. Co-Kuratorin Christina May, die passend zur Ausstellung die sonst übliche Rede zur Eröffnung mit ihrer Band „Phonautics“ gesungen hat, hebt ihren Eindruck hervor. „Wir zeigen, dass Kunst, die in der DDR entstanden ist, eine eigene Qualität hat“, formulierte sie. Neben der hohen künstlerischen Qualität hebt sie die Ansätze der Mail Art hervor, die sehr viel über das System in der DDR erzählen. „Auf der anderen Seite bietet sie eine unglaubliche Aktualität, wenn es um Grenzüberwachung und Informationsfreiheit geht“, fügt sie hinzu.

Bis zum 14. Februar ist die Ausstellung in Schwerin und Güstrow zu sehen. Sie ist zugleich Auftakt des überregionalen Ausstellungs- und Forschungsprojektes „Land der Grafik – Konjunktur eines Mediums in Ostdeutschland“, das gemeinsam vom Staatlichen Museum Schwerin und dem Dresdner Institut für Kulturstudien initiiert wird. Im Zuge dieses bis 2017 laufenden Projektes werden weitere namhafte deutsche Museen ihre Bestände präsentieren und somit erstmals insgesamt das System „Grafik in der DDR“ in einen größeren Kontext stellen.

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