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Arbeit beendet : Borman-Altar prachtvoll restauriert

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Arbeiten am kulturhistorisch wertvollen Werk begannen 1992 / Stiftungen, Einzelpersonen und Förderverein spendeten 450 000 Euro

Der Jan-Borman-Altar in der Güstrower Pfarrkirche ist restauriert. In dieser Woche erledigt Restaurator Volker Ehlich die letzten Handgriffe, so dass beim Gottesdienst und der Konfirmation Pfingsten die Besucher der Kirche den kulturhistorisch sehr wertvollen Altar in ganzer Pracht bewundern können. Seit 1522 steht er als Wandelaltar mit seinen vier Tafeln und sechs Bildern in der Kirche.

Allerdings brauchte die Restaurierung ihre Zeit – 22 Jahre. Den Auslöser lieferte Karfreitag 1992 ein Gottesdienst in der ARD. Die Details der Schäden, die die Kameras einfingen, gipfelten in der Frage: „Warum sieht ein so schöner und wertvoller Altar so schlimm aus?“ Das ließ Elisabeth Taetow, bis Ende 1996 Pastorin der Pfarrkirche, nicht ruhen. Sie holte sich Rat bei Freunden im „Westen“. Die bestärkten sie, die Restaurierung zu beginnen. „Da kommt auch Geld“, wurde ihr gesagt.


Restaurierung lag in den Händen Volker Ehlichs


Die Freunde hatten recht. Zwar stockten auch mal die Arbeiten, weil Geld fehlte. „Aber was ich damals nicht glauben konnte, trat ein. Es ist sagenhaft, wir haben die Restaurierung finanziert“, blickt Elisabeth Taetow zurück. Insgesamt wurden von Stiftungen, Einzelpersonen und vom 1997 gegründeten Förderverein 450 000 Euro aufgebracht.

Die Restaurierung lag in den Händen von Volker Ehlich (63/Berlin/Brodowin). Ehlich war und ist oft in Güstrow, weil er die Plastiken Barlachs in der Barlachstiftung betreut. Die Bedeutung des Borman-Altars kannte er von seiner Arbeit als Abteilungsrestaurator in den Staatlichen Museen Berlin. Der ruinöse Zustand war ihm bei seinen Besuchen in der Kirche nicht entgangen. Das alles fiel in die Zeit als es nach dem Fernseh-Gottesdienst um die Restaurierung ging. Als ausgewiesener Experte stellte er sich zur Verfügung und erhielt den Auftrag, den er mit Kollegen und Studenten erfüllte. Zuerst ging es um das Sichern der Substanz und konservatorische Fragen. In einem sehr schlechten Zustand war der linke Kastenflügel. Feuchtigkeit hatte ihm während der Auslagerung im Krieg im Brinckmangymnasium besonders zugesetzt. Als der Altar 1951 wieder aufgestellt wurde, wurden die Schäden mit Bronze übermalt, weil Gold fehlte. Volker Ehlich: „Das alles musste bei der Konzeption für den ganzen Altar berücksichtigt werden. Dabei wurde entschieden, dass wir uns auf den Zustand nach der Restaurierung von 1880 beziehen, die damals von dem bekanntesten Restaurator in Deutschland, Alois Hauser, sehr qualitätsvoll ausgeführt wurde und dem Original sehr nahe kam.“

Für Volker Ehlich war es schon ein erhebendes Gefühl vor dem Altar zu stehen. Aber ihn zu restaurieren, war die Krönung. „Der Altar ist der größte und von Jan Borman einzig signierte Altar. Das war für mich eine besondere Verpflichtung“, erklärt Ehrlich die Bedeutung des Kunstwerkes und seine Gedanken.

Elisabeth Taetow freut sich einfach, dass das Werk mit der Hilfe vieler Menschen vollbracht ist. Die 77-Jährige wünscht sich, dass ihr „Gott noch einige Jahre schenkt“, damit sie sich an dem Altar erfreuen kann.

Für Matthias Ortmann, Pastor der Pfarrkirche, ist es im wahrsten Sinne Wortes „(wunder)bar, was mit dem Altar geschehen ist“.

Etwas wartet aber noch auf eine endgültige Klärung. Bis jetzt wird davon ausgegangen, dass Bernaert van Orley aus Brüssel die sechs Gemälde schuf. Strahlendiagnostik-Untersuchungen von Prof. Ivo Mohrmann, Hochschule für Bildende Künste Dresden, lassen eventuell andere Schlüsse zu. In einem Buch von belgischen Wissenschaftlern, die in Güstrow ebenfalls arbeiteten, soll das Rätsel geklärt werden. Es soll im nächsten Jahr auf den Markt kommen. Das passt insofern, denn am 14. und 15. September 2015 wird die Altar-Restaurierung ähnlich wie die Domsanierung in einem Festakt gewürdigt.


 

 

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erstellt am 05.Jun.2014 | 06:00 Uhr

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