Klein Upahl : Bogenschießen als Spaß und Therapie

Im Winterhalbjahr trainieren die Klein Upahler Bogenschützen in der Sporthalle in Dobbertin.  Fotos: Rainer Havemann
1 von 2
Im Winterhalbjahr trainieren die Klein Upahler Bogenschützen in der Sporthalle in Dobbertin. Fotos: Rainer Havemann

Bogenfreunde Klein Upahl für alle offen. Mitglieder sehen sich als Integrationsverein.

svz.de von
22. Mai 2018, 12:00 Uhr

„Die Kunst des Bogenschießens ist es, mit dem Ziel zu verschmelzen. Das heißt, ich lenke intuitiv den Pfeil dorthin. Damit schule ich mit der Technik meinen Geist. Anders gesagt: Das Unterbewusstsein schießt.“ So erklärt Rainer Havemann diese Sportart. Havemann ist der Vorsitzende des Vereins Bogenfreunde Klein Upahl. Der hat 44 Mitglieder von drei bis 88 Jahren, ist für jeden offen, kümmert sich aber auch besonders um behinderte, teilweise schwerstbehinderte Menschen.

Anspruchsvoll und beruhigend

Die Klein Upahler sehen sich daher als Integrationsverein. Auch dafür hat Havemann eine plausible Erklärung: „Weil der Bogensport ideal ist, den Menschen zu beruhigen, ja in dem Moment, wenn ich schieße, im weitesten Sinne das Leben loszulassen.“ Das ist auch zu sehen, wenn der Schütze seinen Bogen spannt, um den Pfeil abzuschießen. Havemann: „Dann richtet sich der Körper auf, die Atmung wird tiefer, die Lungen öffnen sich, man wird ruhig, konzentriert sich. Ich lenke den Pfeil ins Ziel.“

Als Grundfeste für diesen anspruchsvollen Sport nennt Havemann Respekt, Disziplin und Verantwortung. „Vor allem aber soll es Spaß bereiten. Das ist das Entscheidende. Ohne Leistungsdruck, aber das Ziel wollen wir schon mit dem Pfeil treffen“, erklärt der Vorsitzende weiter. „Daraus leitet sich auch unser Engagement ab“, attestiert Barbara Ambrosch-Tetz, Schatzmeisterin des Vereins, ihrem Mann.

Den ersten Bogen vor über 40 Jahren gekauft

Größter Protagonist, auch wenn er immer den Verein insgesamt betrachtet, ist Rainer Havemann. Mit 19 Jahren kaufte sich der heute 60-Jährige seinen ersten Bogen, weil er von der Sportart beeindruckt war. „Ich war aber auch hibbelig, wollte mich runterfahren, beruhigen und entspannen. Das kann man mit dem Bogenschießen“, blickt er zurück. Sein erster Verein war in Rostock. Aber er wollte selbst etwas aufbauen. Dazu bestärkte den Erziehungswissenschaftler, der seit Jahren in verschiedenen Pflegeeinrichtungen – aktuell im Schwerstpflegeheim Goldberg – die Arbeit mit Behinderten. Für die kann Bogenschießen ein therapeutisches Angebot sein. Dort, wo er bisher arbeitete, wollte Havemann damit für seine Schützlinge mehr tun und brachte ihnen seine sportliche Leidenschaft, das Bogenschießen, bei.

„Bogenschießen ist aber ein teurer Sport. Die Scheiben halten bei einem leichten Bogen um die 1000 Schuss aus. Eine neue Scheibe kostet je nach Modell rund 50 Euro“, sagt Havemann. „Nicht nur für behinderte Menschen mit einem geringen Tagesgeldsatz ist das schwierig. Auch sozial benachteiligte Menschen wären von diesem Sport ausgeschlossen. Deshalb wollte ich mit einem vergünstigten Jahresbeitrag dafür sorgen, dass jeder teilnehmen kann, der möchte.“

Alter Tennisplatz als Trainingsgelände

Deshalb gründete er 2007 eine Abteilung Bogenschießen im damaligen VfL Grün-Gold Güstrow. 2008 machte er seinen Trainerschein, um die Vereinsarbeit weiter zu qualifizieren. Nach einem Umzug musste er in Güstrow sein Engagement aufgeben. Bis 2013 arbeitete er mit Bogenschützen in einem Verein in Dambeck. Ein Versuch, mit einer Abteilung bei einem Schützenverein Fuß zu fassen, scheiterte. Ende 2015 reifte dann der Entschluss, in Klein Upahl einen Neuanfang zu starten.

Im Frühjahr 2016 wurden die Bogenfreunde ins Vereinsregister eingetragen. Beim Klein-Upahler Bürgermeister, Hans-Uwe Tessenow, liefen sie offene Türen ein. Der ermöglicht ihnen seitdem die kostenfreie Nutzung eines alten Tennisplatzes für ihr Training, das jeden Sonnabend von 14 bis16 Uhr im Frühjahr und Sommer in Klein Upahl und im Herbst und Winter in der Sporthalle in Dobbertin stattfindet.

Ihr Können messen die Mitglieder bei der Vereinsmeisterschaft und bei der Kreismeisterschaft. Mit Lea Erler haben sie eine Landesmeisterin in ihren Reihen, die bei der Sportlerumfrage der SVZ 2017 beim Nachwuchs den 3. Platz belegte. Was Behinderte und sozial Benachteiligte betrifft, stellt Rainer Havemann klar: „Bei uns geht es nicht um Mitleid. Es geht um Gleichberechtigung. Allen Interessierten sollen dieselben Möglichkeiten offen stehen. Wir legen Wert auf gute Technik und wir möchten, dass unsere Mitglieder bei Meisterschaften mitschießen können. Wer mitmachen oder uns unterstützen möchte, ist herzlich willkommen.“


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen