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Ernst-Barlach-Stiftung Güstrow : Blick in die Seele des Menschen

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Kultur aktuell 2015: Die Güstrower Ernst-Barlach-Stiftung zeigt vier große Ausstellungen / Erstmals Alfred Kubin in Güstrow zu sehen

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erstellt am 05.Feb.2015 | 05:00 Uhr

Liebhaber der modernen Kunst kommen auch 2015 in der Güstrower Ernst-Barlach-Stiftung wieder voll auf ihre Kosten. Bei den vier großen Ausstellungsprojekten steht dabei in diesem Jahr vor allem der Bildhauer, Grafiker und Schriftsteller Ernst Barlach (1870 bis 1938) selbst im Mittelpunkt, der von 1910 bis 1938 sein künstlerisches Hauptwerk in seinem Atelierhaus am Güstrower Inselsee schuf. Zu sehen sind seine bedeutendsten Druckgrafiken, thematisiert wird Barlach als von den Nationalsozialisten verfemter Künstler und zum Jahresabschluss werden seine schönsten Holzschnitte gezeigt. Doch bei der Hauptausstellung steht neben Barlach noch ein weiterer bedeutender Künstler der Moderne im Fokus: erstmals werden in Güstrow im Sommer Originale des Grafikers und Zeichners Alfred Kubin zu sehen sein.


Alfred Kubin und Ernst Barlach


Schon seit vielen Jahren wollte sich Kuratorin Helga Thieme von der Barlachstiftung der gegenseitigen künstlerischen Befruchtung von Kubin (1877 bis 1959) und Barlach widmen. Sie ist froh, dass es jetzt endlich geklappt hat. In Kooperation mit dem Oberösterreichischen Landesmuseum Linz als Hauptleihgeber und dem Ernst-Barlach-Haus Hamburg wird vom 5. Juli bis 27. September in Güstrow die Ausstellung „Das Geheimnis der grafischen Sprache – Alfred Kubin und Ernst Barlach“ zu sehen sein. „Beide Künstler schätzten sich immens, haben sich aber nie persönlich getroffen“, sagt Helga Thieme.


Keine Ausstellung seit 40 Jahren


Der österreichische Zeichner und Grafiker Alfred Kubin hat nicht nur ein außergewöhnlich umfangreiches grafisches Werk hinterlassen, sondern gilt auch als einer der genialsten Zeichner im deutschsprachigen Raum des 20. Jahrhunderts. „In den vergangenen 40 Jahren ist Kubin in Norddeutschland keine Ausstellung mehr gewidmet worden“, so Thieme. Die Ausstellung will der Beziehung zwischen Kubin und Barlach als Persönlichkeiten und Künstler nachgehen und erstmals monografisch beleuchten. Von Kubin werden 40 Zeichnungen aus seiner gesamten Schaffenszeit von 1898 bis 1954 gezeigt. „Gegenüberstellen wollen wir ca. 30 Werke von Barlach. So können die Besucher die Ähnlichkeiten entdecken“, sagt Helga Thieme. Beide Künstler seien ihrem Zeitgeist verpflichtet gewesen, ihr Werk trage expressionistische Züge, ließe sich aber nicht in bestimmte Schubladen einordnen. „Kubin hat sehr abgründige Zeichnungen angefertigt. Er will in die Seele der Menschen schauen und sie so richtig darstellen“, sagt die Kuratorin. Im Anschluss an die Güstrower Schau wandert die Ausstellung weiter ins Ernst-Barlach-Haus nach Hamburg.


Bedeutender Künstler der Moderne


Noch bis zum 28. Juni zeigt die Barlachstiftung unterdessen eine Auswahl der bedeutendsten Druckgrafiken von Ernst Barlach. In diese Ausstellung wird am 11. Februar um 14.30 Uhr auch zu einer Kuratorenführung mit Inge Tessenow eingeladen. Die in der Ausstellung vorgestellten Lithographien und Holzschnitte entstanden zum Teil als freie Arbeiten, zu einem weiteren Teil sind es vielschichtige und anregende Bilder zu Werken der Weltliteratur und zum eigenen dichterischen Werk. „Die Präsentation zeigt einmal mehr: In allen von ihm ausgeübten Kunstarten – ob Druckgrafik, Zeichnung, Plastik oder Literatur –, steht Barlach mit seiner Botschaft der Menschlichkeit und Menschenwürde, expressiv-realistisch gestaltet, im Rang einer der bedeutendsten Künstler der Moderne“, sagt Kuratorin Inge Tessenow.


„Gefährdung der öffentlichen Ordnung“


Von Mai bis Juni heißt es im Barlachmuseum am Inselsee:
„Gefährdung der öffentlichen Ordnung – 80 Jahre Ernst Barlach. Zeichnungen (München 1935)“. Im Mittelpunkt steht das 1935 erschienene Buch „Ernst Barlach. Zeichnungen“. Dieser Band ist ein authentisches Dokument Barlachs über seine umfangreichste Werkgruppe – die Zeichnungen – und kann als eine Art Vermächtnis gelten. Ein Jahr nach Erscheinen des Bandes wurde er von der Bayerischen Politischen Polizei mit der Begründung beschlagnahmt, dass „der Inhalt geeignet ist, die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu gefährden.“ Von Barlachs Buch der Zeichnungen wurden die verbliebenen Exemplare vernichtet. Dieser Willkürakt geschah am Vorabend der Aktion „Entartete Kunst“, der im Sommer 1937 etwa 21 000 Werke der Moderne einer Beschlagnahmeaktion durch die Nationalsozialisten zum Opfer fielen. „Wir beleuchten hier einen kleinen Aspekt, der Barlach als verfemten Künstler thematisiert“, sagt Helga Thieme.


Holzschnitte als Ausdrucksmittel


Von Oktober bis zum Februar 2016 ist die „Die Kunst des Schwarz-Weiß“ in Güstrow zu sehen. Holzschnitte von Barlach und anderen Künstlern werden gezeigt. Die genaue Auswahl steht noch nicht fest. Kurator ist der Geschäftsführer der Güstrower Barlachstiftung, Dr. Volker Probst. In der Kunst der Moderne wurde der Holzschnitt zu einem wesentlichen Ausdrucksmittel. Insbesondere die Expressionisten nutzen die kontrastreichen Möglichkeiten des schwarz-weißen Holzschnittes, um ihre avantgardistische Weltsicht ins Bild zu setzen. Ernst Barlach gilt als ein markanter Vertreter dieser Richtung, der im Holzschnitt auch wichtige Beiträge für die künstlerische Buchgestaltung veröffentlicht hat. Die Ausstellung will Zeitgenossen Barlachs zeigen, aber auch weitere Entwicklungen bis hin zu heutigen Positionen aus Mecklenburg-Vorpommern.

 


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