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Weissstorch-Zensus : Bittere Bilanz: 20 tote Störche

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Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Im Jahr des Weißstorch-Zensus häufen sich schlechte Nachrichten / Nur 23 Horstpaare mit 51 Jungen in der Region Güstrow

von
erstellt am 20.Sep.2014 | 06:00 Uhr

Fröhlich klapperte in diesem Jahr schon am 22. Februar der Storch auf dem Plaschek-Horst in Güstrow. Früh war er gekommen. Reinhard Schaugstat hoffte mit ihm auf ein gutes Storchenjahr, doch es kam anders. Der Güstrower Storchenvater zieht eine erschreckende Bilanz. Nur 23 Horstpaare zogen in der Region Güstrow 51 Junge groß. Ein Altvogel und 19 Jungvögel starben. Verunglückt, verhungert, abgeschossen sind Worte, die der ehrenamtliche Weißstorchbetreuer für den Bereich des Uraltkreises Güstrow in sein Resümee einfließen lassen muss.

Dabei ist das Jahr 2014 für die Storchenfreunde mit dem 7. Weißstorch-Zensus ein so wichtiges. 40 Staaten in Europa, Nordafrika und Zentralasien nehmen daran teil. „Der Weißstorch ist ein globaler Anzeiger für die Intensivierung der Landwirtschaft und die Zerstörung von Feuchträumen“, erklärt Reinhard Schaugstat und fügt hinzu, dass verwaiste Nester „ein Zeichen für eine ausgeraubte und kranke Umwelt“ seien. 1934 gab es den ersten Weißstorch-Zensus. Damals zählte man in der Güstrower Region 145 Brutpaare. 2004 waren es 37 Horstpaare mit 88 Jungen. Diesmal sind es nur 23 Paare mit 51 Jungen. Dabei sei die Storchenpopulation insgesamt zwischen 1994 und 2004 gewachsen. 230 000 Hostpaare wurden vor zehn Jahren registriert. Die meisten, so berichtet Schaugstat, gab es in Polen, Zuwächse aber auch in Frankreich, Portugal und Schweden. Mecklenburg-Vorpommern hatte damals schon rund 100 Paare eingebüßt.


Zunächst Fünflinge in Güstrow und Striggow


Dabei zeigt sich 2014 sogar leicht besser als 2013 (22 Paare/47 Junge). Anfang Mai seien alle Störche da gewesen. Registriert wurden 36 Horstpaare. Wenigstens für kurze Zeit war auch Sensationelles zu vermelden. In Güstrow und in Striggow waren jeweils fünf Junge geschlüpft. Es überlebten vier in Güstrow und drei in Striggow. „Erfreulich auch, dass es nach zehn Jahren wieder Nachwuchs in Wilhelminenhof gab“, berichtet der Storchenbeauftragte. Damit wären aber die guten Nachrichten auch schon benannt. Die anderen Meldungen: In Kuhs rutschte ein Storchenkind vom Nest. In Suckow musste ein abgetrudeltes, flugfaules Junges durch Traktorlärm wieder auf den Horst gescheucht werden. Ein Mistorfer Brutstorch verendete vom Hunger geschwächt im Haus „Tara“ in Mamerow. An zu kurzen Leitern scheiterte dort eine Jungenrettung. „Die Drillinge wurden von Kampfstörchen totgestochen“, berichtet Schaugstat. Vier Seeadler attackierten die Schwiesower Storchenfamilie und in Vogelsang drängte ein Adler das Horstpaar fort.

Reinhard Schaugstat kann aber auch von einer mehrwöchige Freundschaft zwischen Kranich und Storch in Zehna berichten. Bei Striggow habe sich ein Weißstorch 450 nahrungssuchenden Kranichen angeschlossen. „Eine lustig-zänkische Storchengruppe mit zwölf Tieren erregte Aufsehen. Sie stand auf Hausdächern und stoppte Mähmaschinen“, erzählt der Storchenbeauftragte.

Früh verabschiedeten sich die Adebare in diesem Jahr. Schon am 20. Juli war eine Truppe mit 30 Tieren über Suckow gesichtet worden. 90 waren es am 14. August bei Mistorf. „Sie wandern auf der Ostroute ins afrikanische Herz. Spätzieher gehen über Gibraltar“, informiert Schaugstat. Ein Paar aber war Mitte der Woche noch in Bansow und genoss das Spätsommerwetter.

In der 2014er-Statistik darf auch „Bruno“ HN 800 nicht fehlen. „Er wurde von einem Schuss herznah getroffen, gequält und gepflegt, nach vier Röntgenbildern und langer, fürsorglicher Rostocker Zoohege habe ich ihn am 24. Juli in den Güstrower Domwiesen ausgewildert“, berichtet der Güstrower Storchenexperte. Er sei zurück nach Mamerow geflogen und noch einen Monat im vertrauten Nest geblieben.


800 Stunden für Adebare


Den Weißstorch-Zensus 2014 beschreibt Schaugstat als „abenteuerlichste und aufwendigste Vogelaktion im Altkreis Güstrow“. 90 Menschen zwischen acht bis 86 Jahren hätten beobachtet und notiert. 70 Nester wurden kontrolliert, 220 Telefongespräche geführt, 3200 Kilometer mit dem Rad zurückgelegt. 800 Stunden für Adebar. „Uns alle treibt die Liebe zum mystischen Feuervogel. Wir zählen die Weltstörche“, erklärt Schaugstat.

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