Güstrow : „Bin ein Güstrower Urgestein“

Auf dem Güstrower Domplatz: Mit der alten Domschule fühlt sich Professor Jan Harff besonders verbunden.
Auf dem Güstrower Domplatz: Mit der alten Domschule fühlt sich Professor Jan Harff besonders verbunden.

Zehn Fragen an: Jan Harff – der Spuren aus der Barlachstadt in der ganzen Welt hinterlässt.

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06. Juni 2020, 05:00 Uhr

Arbeitsaufenthalte in der ganzen Welt, Gastprofessuren in China, Russland, USA und Vietnam, Forschungsexpeditionen in die Ostsee, Nordatlantik, Westgrönland und Südchinesisches Meer – und doch ist Jan Harff immer ein Güstrower geblieben. Der weltweit gefragte Geologe rastet auch als Rentner lange nicht, nimmt heute noch in Polen, an der Stettiner Universität, eine Professur wahr. Überall, sagt er, habe er bewusst Güstrower Spuren hinterlassen. Und auch in seiner Heimatstadt engagiert er sich, war unter anderem zehn Jahre Vorsitzender des Güstrower Kunst- und Altertumsvereins. Redakteur Eckhard Rosentreter stellte dem 77-Jährigen unsere zehn Fragen zum Wochenende.

Wo ist Ihr Lieblingsplatz?
Harff: In Güstrow auf dem Domplatz. Das ist das kulturelle Gravitationszentrum der Stadt. Hier steht der „Dom des Nordens“ wie Barlach das Bauwerk nannte, in dem sein „Schwebender“ hängt, ein Kunstwerk von überragender Bedeutung; das Schloss ist in Rufweite; hier ließ der überzeugte Europäer Herzog Ulrich die Domschule bauen, die seit dem 16. Jahrhundert für die beispielhafte humanistische Gymnasialausbildung Güstrows steht. In der Domschule und ihrem Nachfolger, dem John-Brinckman-Gymnasium, sind vier Generationen meiner Familie ausgebildet worden und hier habe ich meine spätere Frau Angelika kennen gelernt. Auf dem Domplatz steht auch das Uwe-Johnson-Denkmal, zu dessen Errichtung ich 2007 als damaliger Vorsitzender des Kunst- und Altertumsvereins beitragen konnte.

Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient und wofür haben Sie es ausgegeben?
Nach meinem Abitur 1961 konnte ich mein Studium nicht direkt antreten. Ich habe dann zunächst als Betonbauer und geologischer Kollektor in Berlin gearbeitet. Mit dem in drei Jahren verdienten Geld habe ich teilweise mein Studium finanziert.

Was würden Sie gerne können?
Ich würde gerne Latein beherrschen. Diese Sprache ist der Kern unserer mitteleuropäischen Kultur.

Was stört Sie an anderen?
Ignoranz, die mich besonders bei den Debatten um den Klimawandel und jetzt um die Corona-Pandemie stört.

Wer ist Ihr persönlicher Held und warum?
Martin Luther, der unbeugsam für eine Idee einstand und damit die Welt veränderte.

Mit welchem Lied verbinden Sie Ihre schönste Erinnerung?
„Dat du mien Leivsten büst.“ Dieses war eines der Lieder, die uns unsere Freunde bei der Feier zur Geburt unserer Tochter Anne gesungen haben.

Wen würden Sie gern einmal treffen?
Gerne würde ich die Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters, durch Güstrow führen und ihr unsere „Stadt an großen Straßen“ präsentieren. Unsere Stadt verkörpert europäische Kultur seit ihrer Gründung im Mittelalter und verdient überregionale Aufmerksamkeit.

An welches Geschenk erinnern Sie sich noch gerne und von wem haben Sie es bekommen?
Nach einer sehr erfolgreichen Expedition in das Südchinesische Meer schenkte mir der Kapitän des chinesischen Forschungsschiffes „Fendou 5“ im Oktober 2009 eine kleine hölzerne Teeschaufel. Ich benutze sie täglich, wenn ich morgens meinen grünen Tee zubereite.

Welchen Traum möchten Sie sich noch erfüllen?
Ich würde gerne noch einmal nach Westgrönland reisen, wo Geologie und menschlicher Nutzungsanspruch an die Natur so direkt aufeinander treffen. Ich habe auf meinen Reisen und Expeditionen dort viele interessante Menschen kennengelernt, die sich um die Zukunft unseres Planeten wegen des Klimawandels Sorgen machen.

Wem sollten wir diese Fragen ebenfalls stellen und warum?
Martin Ohse, der mit seiner Musik vielen Menschen Freude bereitet.



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