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Bürgermeisterwahl Güstrow : „Biete Alternative zum Status quo“

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Interview mit dem Güstrower Bürgermeisterkandidaten Kevin Sell (parteilos). Der 28-Jährige will am 24. September ins Rathaus einziehen.

Zur Wahl des neuen Güstrower Bürgermeisters, gleichzeitig mit der Bundestagswahl am 24. September, stellen sich lediglich zwei parteilose Einzelbewerber: der amtierende Chef im Rathaus, Arne Schuldt, und sein Herausforderer Kevin Sell. Im SVZ-Kandidateninterview antwortet heute Herausforderer Kevin Sell den Redakteuren Eckhard Rosentreter und Jens Griesbach.

Herr Sell, was hat Sie denn geritten, als Sie sich für dieses Amt beworben haben?

Sell: Wir brauchen Veränderungen in unserer Stadt. Ich sehe viele Probleme, die wir anpacken müssen, vor allem in der Kultur, im sozialen Bereich, in der Wirtschaft und in der Jugendarbeit. Und ich fand es schade, dass keiner sonst als Gegenkandidat angetreten ist. Jetzt haben die Güstrower wirklich eine Wahl.

Können Sie Arne Schuldt nicht leiden? Oder was bewegt Sie, dem Bürgermeister sein Amt nicht zu gönnen?

Persönlich habe ich nichts gegen Herrn Schuldt. Es geht nicht um die Person, sondern darum, was sie tut. Und da sehe ich Defizite, siehe zur ersten Frage.

Als Einzelbewerber anzutreten ist schon sehr mutig. Keine Partei hat einen Wahlvorschlag gemacht. Warum haben Sie sich keine als Rückhalt geholt?

Ich bin nie in einer Partei gewesen und bleibe auch parteilos. Ich möchte mich nämlich nicht von einer Partei abhängig machen. Ich möchte objektiv an die Sachen herangehen. Dabei bin ich gerne für jede demokratische Partei Ansprechpartner.

Oder kann Sie keiner leiden? Bei wem haben Sie denn nachgefragt?

Ich weiß nicht, ob man mich leiden kann oder nicht. Das ist ja auch unerheblich für das Amt. Entscheidend ist, was man voranbringen will und nicht die eigene Person.

Oder haben Sie keine politische Grundlinie? Wo schlägt Ihr Herz?

Ich bin für mehr direkte Demokratie. Die Leute sollen mehr entscheiden, und ich will sie für die Politik gewinnen und ihr Interesse wecken. Es kann zum Beispiel doch nicht sein, dass der Bürgermeister in dem einen Stadtteil jedes Jahr ist und in einem anderen erst nach sieben Jahren eine Einwohnerversammlung macht. Die Bürger brauchen einen Platz, wo sie ihre Wünsche und Sorgen vortragen können.

Waren Sie schon mal im Rathaus im Bürgermeisterzimmer? Aus welchem Anlass und wie endete das?

Das war vor der letzten Kommunalwahl. Die Antwort war zufriedenstellend.
Der Güstrower Bürgermeister lenkt die Geschicke einer Kreisstadt mit 30  000 Menschen, dazu hat er die Führung von mehr als 200

Mitarbeitern inne, davon mehr als 100 in der Kernverwaltung – trauen Sie sich das wirklich zu?
Ja.

Was befähigt Sie dazu?
Seit ich 18 bin, bin ich selbstständig. Mit 21 habe ich mein zweites Unternehmen gegründet. Ich bin wirtschaftlich erfolgreich und kann also auch führen. Die Amtsleiter machen aber einen hervorragenden Job. Man muss sie nur lassen und ihre Fähigkeiten auch nutzen.

Was wollen Sie genau so wie Herr Schuldt machen?
Die Innenstadtsanierung. Die ist wirklich gut. Aber die macht das Stadtentwicklungsamt, Frau Weber mit ihren Mitarbeitern. Und die anderen Bereiche lässt der Bürgermeister schleifen. Zum Beispiel die Wirtschaftsförderung – das ist wirklich krass.

Was wollen Sie denn anders machen?
Wir müssen mehr Gewerbesteuern einnehmen. Verglichen mit den anderen Städten in Mecklenburg-Vorpommern liegen wir da pro Kopf auf Platz 54! Für mich ist das ein Indikator, dass die Wirtschaftsförderung in Güstrow nicht funktioniert. Denn wenn sie funktionieren würde, hätte Güstrow vor zwei Jahren die Gewerbesteuer nicht erhöhen müssen. Es kann doch nicht sein, dass wir als siebtgrößte Stadt im Land von anderen abgehängt werden. Wir brauchen mehr Unternehmen, wie zum Beispiel einen Elektromarkt, in Güstrow, damit die Leute nicht außerorts einkaufen.

„Mehr Kultur – Mehr Soziales – Mehr Wirtschaft“ heißt es auf Ihren niedlichen Wahlplakaten. Passte mehr nicht rauf? Oder ist das alles, was Sie wollen?

Es würde sicher mehr draufpassen. Aber es sollte ja auffallen. Und Ihnen ist es ja auch aufgefallen. Es geht um Argumente und nicht darum, wer die größten Plakate hat.

Und warum steht bei Ihnen die Kultur an erster Stelle – vor dem Sozialen und vor der Wirtschaft?

Irgendwie muss man sich entscheiden, aber es ist alles eigentlich gleich. Gerade im Kulturellen fehlt was. Da müssen wir mehr Veranstaltungen in die Innenstadt holen, um sie zu beleben und die Aufenthaltsdauer in ihr zu erhöhen. Zum Beispiel gab es vor ein paar Jahrhunderten in Güstrow mal ein Sängerfest – von einem solchen Spektakel merkt man heute nichts. Oder nehmen wir den Weihnachtsmarkt, der wurde immer kleiner. Kein Vorwurf an die engagierten Leute, die den mit begrenzten Mitteln organisieren. Um erlebnisreiche Tage zu gestalten, brauchen wir eine bessere finanzielle Ausstattung.

Und was genau meinen Sie mit mehr Kultur, mehr Soziales, mehr Wirtschaft? Wie wollen Sie das erreichen? Zur Kultur bitte:

Beispielsweise mit einer Veranstaltungsagentur, aber von der Verwaltungsseite aus. Es wird zu viel versucht auszulagern, dabei könnten wir das aus eigener Kraft schaffen. Natürlich entscheidet letztlich die Stadtvertretung. Es ist aber wichtig, die Leute zu fragen, was sie wollen – Straßenfeste und dergleichen…

…von denen Sie dann mit Ihrer Agentur profitieren würden…

Dann bin ich ja nicht Clownikuss sondern Bürgermeister. Auch den Sport und die Förderung der Sportstätten zähle ich zu Kultur dazu. Wir müssen in Güstrow nationale und internationale Sportevents organisieren.

Zum Sozialen bitte:

Das Ehrenamt in seiner Gesamtheit braucht mehr Anerkennung und muss mehr gefördert werden. Da muss man nicht gleich nur über Geld nachdenken, man kann zum Beispiel für Selbsthilfegruppen Räume in den Stadtteilen bereit stellen. Für die Anerkennung des Ehrenamtes brauchen wir eine Ehrenamtskarte, die Menschen, die sich engagieren, Vergünstigungen bietet. Natürlich muss man dafür mit potenziellen Partnern sprechen. Auch hier gilt: Wir müssen mit den Bürgern reden und nicht über sie. Etwa bei Jugendprojekten, von denen wir mehr brauchen. Die Jugendlichen sollen mehr selbst entscheiden, über einen besseren Skaterbahn oder einen Mountainbikepark. Wir müssen mit ihnen sprechen, was sie wollen. Für mehr direkte Demokratie brauchen wir wieder ein Jugendparlament.

Zur Wirtschaft bitte:

Technologien und Innovationen müssen gefördert werden, das ist die Zukunft. Warum ist das in Teterow möglich, während Güstrow abgehängt wird?

Technologien, wie zum Beispiel Elektromobilität, bringen mehr Steuereinnahmen, damit wir mehr investieren können. Für all das müssen wir die entsprechenden Akteure ins Boot holen. Die Unternehmen wissen am besten, wo ihnen der Schuh drückt. Wir müssen nur ihr Ideenpotenzial nutzen.

Bei der vergangenen Kommunalwahl bekamen Sie als Bewerber für die Stadtvertretung 83 von 25  356 gültigen Stimmenkreuze. Wo landen Sie diesmal bei der Bürgermeisterwahl?

Da möchte ich keine Prognose abgeben, das entscheiden die Bürger. Wenn sie Veränderung möchten, wählen sie mich. Ich kann nur die Alternative anbieten zum Status quo.





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