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Lehrlingsmangel fordert Betriebe : Bewerbersuche mit Lehrstellen-App

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Den Geburtenknick nach der Wende bekommt zunehmend auch die Wirtschaft in MV zu spüren. Lehrlinge werden knapp. Mehr als 4000 Ausbildungsplätze in Unternehmen, sind zu Beginn des Lehrjahres noch unbesetzt.

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erstellt am 25.Aug.2013 | 10:45 Uhr

Schwerin/Rostock | Den Geburtenknick nach der Wende bekommt zunehmend auch die Wirtschaft in MV zu spüren. Lehrlinge werden knapp. Mehr als 4000 Ausbildungsplätze in Unternehmen, Handwerksbetrieben und Behörden sind nach Erhebungen der Arbeitsagentur Nord zu Beginn des Lehrjahres noch unbesetzt. Im Werben um den Berufsnachwuchs setzen Firmen auf verschiedene Strategien, ergab eine Umfrage. Nach Ansicht von Gewerkschaften und Arbeitsagentur haben aber noch nicht alle Firmen die Dramatik der Entwicklung erkannt.

"Geredet wird viel. Getan wird für die jungen Leute aber noch zu wenig", konstatiert Jörg Dahms von der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten. In seinem Bereich sind die Nachwuchslücken am größten. Für 440 angehende Köche, 380 Restaurant- und 330 Hotelfachleute sind im Tourismusland MV noch Lehrstellen frei. "Und das hängt nicht nur damit zusammen, dass man arbeiten muss, wenn die Freunde frei haben und feiern", berichtet der Gewerkschafter. In anderen Regionen und Branchen erhielten Lehrlinge deutlich höhere Entgelte. Dazu gebe es kostenlose Unterkünfte oder Zuschüsse zum Fahrgeld. "Die Kosten dafür fressen das oft geringe Lehrlingsentgelt hier im Land schon zum Teil wieder auf."

"Der Mangel an Bewerbern ist bundesweit ein Problem in unserer Branche", hält Matthias Dettmann, Landesgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), entgegen. Die Hotellerie in MV habe reagiert und die Lehrlingslöhne erhöht. Dennoch bleiben die Entgelte im Bundesvergleich am unteren Rand. Nach Überzeugung Dettmanns ist das aber nicht entscheidend für die Berufswahl: "Wir haben inzwischen mehr junge Leute aus anderen Bundesländern, die in unseren Hotels lernen, als Schulabgänger, die es zur Ausbildung in andere Länder zieht." Im Internet werde bundesweit um Berufsnachwuchs geworben. "Andererseits halten Hoteliers, wie etwa auf dem Darß, regelmäßig Kontakt zu Schulen der Region", meint Dettmann.

Ein Weg, den auch Handwerksbetriebe immer öfter einschlagen. Einer Mitgliederbefragung der Handwerkskammer Schwerin zufolge arbeiten 38 Prozent der Firmen direkt mit Schulen zusammen, besuchen Berufsinfotage und veranstalten Lehrstellenbörsen. Jeder siebte Handwerker nutzt auch die bei Jugendlichen beliebten sozialen Netzwerke wie Facebook und Twitter. Die kammereigene Lehrstellenbörse gibt es als Smartphone-App. 14 Prozent der Firmen locken mit erhöhtem Lehrlingsentgelt, 8 Prozent mit Prämien oder Fahrtkostenzuschüssen. Nach Überzeugung von Kammerchef Edgar Hummelsheim ist das Handwerk lukrativ. "Junge Menschen haben gute Perspektiven in der eigenen Heimat", betont er.

Seit 2007 haben sich die jährlichen Schulabgängerzahlen im Land von gut 20 000 auf etwa 10 000 halbiert. Allein wegen dieser Entwicklung sind die Unternehmen nach Überzeugung von Margit Haupt-Koopmann, Chefin der Arbeitsagentur Nord, zu neuen Wegen bei der Fachkräftesicherung gezwungen. "Auch so genannte Spätstarter, also Menschen zwischen 25 und 35 ohne Berufsabschluss, müssen eine Ausbildungschance bekommen", mahnt sie. In MV betreffe das 7600 Menschen. Haupt-Koopmann appelliert an Firmen, auch Jugendliche mit schlechteren Noten zu berücksichtigen: "Bitte keine Entscheidung nach Aktenlage. Schauen Sie sich den Jugendlichen an, zum Beispiel in den von uns geförderten Langzeitpraktika."

Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) betont die positive Seite der veränderten Marktsituation: "Die besten Ausbildungschancen und Aufstiegsmöglichkeiten liegen nun direkt vor der Haustür. Dies muss noch mehr in die Köpfe der jungen Menschen." Glawe verlangt aber auch von der Wirtschaft, sich mehr ins Zeug zu legen. Noch 2700 Schulabgänger in MV gelten als unversorgt.

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