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Aus dem Gericht : Bewährungsstrafe für Drogenhändler

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

23-jähriger Bützower bleibt in Freiheit / Staatsanwaltschaft erwägt, das Urteil anzufechten

Für Anton R.*(23) aus Bützow war am späten Mittwochnachmittag schon Weihnachten. Er bekam das beste Geschenk, das er jemals an diesem Festtag erhalten hat. Die 1. Große Strafkammer des Landgerichtes Rostock verurteilte ihn wegen unerlaubten Handelns mit Betäubungsmitteln und unerlaubten Besitzes von Schusswaffen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Es hätten auch fünf Jahre Haft sein können.


Gericht erkennt keinen Zusammenhang


Doch das Gericht beantwortete nämlich die entscheidende Frage des Prozesses, ob der Waffenbesitz des Angeklagten mit dem Drogenhandel im Zusammenhang steht, mit einem klaren Nein. Und damit veränderte sich die Situation für den Angeklagten von Grund auf.

Das sah am 22. November 2013 noch ganz anders aus, als in der Wohnung des Angeklagten und auch in der gegenüberliegenden Wohnung seiner Großmutter Hausdurchsuchungen stattfanden. Neben zwei Kilogramm Marihuana, 1,2 Kilogramm Drogen-Pilzen hatten die Ermittler Amphetamine, Haschisch, LSD, Kokain, Cannabispflanzen und im Keller eine vorbereitete Indoor-Aufzuchtanlage gefunden.

In der Wohnung der Großmutter war ein ganzes Waffenarsenal entdeckt worden. Darunter eine Browning-Pistole aus dem Jahr 1908, eine Luger-Pistole aus dem Jahre 1988, eine belgische Doppelflinte mit abgesägtem Lauf aus dem Jahre 1968, eine Büx-Flinte aus Deutschland, 1966 hergestellt, eine Armbrust in einer Breite von 1,03 Meter mit Stahlbogen, Bolzen und Kugeln und sogar ein Schalldämpfer. Alle Waffen waren intakt. Das hatten die Waffenexperten des Landeskriminalamtes festgestellt. Zu diesen Waffen wurden große Mengen an Munition und Sprengstoffkörper gefunden. Anton R. kam in Haft.


„Ich würde alles rückgängig machen“


Der Angeklagte war mit seinem Rechtsbeistand Thomas Löcker gut beraten. Gleich zu Prozessbeginn legte er ein Geständnis ab. Er sei schon als kleiner Junge ein Waffennarr gewesen, erklärte er. Seit seinem 15. Lebensjahr konsumiere er Drogen, aber mit dem Drogenhandel hätte er erst im Frühjahr 2013 begonnen. Anton R. lebt in guten sozialen Verhältnissen, geht einer geregelten Arbeit nach, leistet ehrenamtliche Arbeit und kümmert sich um seine Familie. Er nimmt inzwischen keine Drogen und auch keinen Alkohol mehr zu sich.

„Ich würde alles rückgängig machen, wenn das möglich wäre“, sagte Anton R. in seinem „letzten Wort“. Er sei bestrebt, sein Leben zu ändern. „Ich möchte viel Zeit mit meinem Vater verbringen“, fügte er dann hinzu. Der Vater ist schwer erkrankt. Die Verteidigung plädierte auf eine Bewährungsstrafe. Anders die Staatsanwaltschaft. Sie beantragte eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und die Rückzahlung der durch den Handel mit Betäubungsmitteln erzielten Gewinn, den sie auf 5600 Euro bezifferte. Die Anklage erwägt noch, das Urteil anzufechten.

* Name v. d. Red. geändert




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