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Prozess in Güstrow : Bewährung für Hehlerei mit Orgelpfeifen

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Diebstahl aus Schlieffenberger Kirche dem Angeschuldigten nicht nachzuweisen.

von
erstellt am 20.Feb.2017 | 20:45 Uhr

Mit einer Freiheitsstrafe von 6 Monaten, ausgesetzt auf zwei Jahre Bewährung, verurteilte das Amtsgericht Güstrow den Teterower Tobias L. wegen Hehlerei. Hinzu kommt eine Geldstrafe von 1200 Euro, die der Verurteilte ratenweise an die Güstrower Tafel zu zahlen hat. Für die Zeit der Bewährung wird ihm ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt.

Der 30-Jährige war angeklagt des Diebstahls und alternativ der Hehlerei von 191 Orgelpfeifen aus der Kirche Schlieffenberg. Schnell wurde jedoch deutlich, dass nach Beweislage der Vorwurf des Diebstahls sich nicht würde aufrecht halten lassen. Der Angeklagte bestritt, ohne sich in Widersprüche zu verstricken, jemals an oder in der Schlieffenberger Kirche gewesen zu sein. In diese war 2015 vom 13. September, 17 Uhr, bis 15. September, 12 Uhr, eingebrochen worden. Der oder die unbekannten Täter hatten die Orgelpfeifen, darunter 42 historische aus dem Weihe-Jahr 1859, gestohlen. Auf ungeklärtem Weg war das Diebesgut zerstört und in einer Brandruine in Klein Köthel abgelagert worden. Dort will der Teterower sie am 28. September 2015 entdeckt haben, als er Bekannte aufsuchen wollte, sagte er vor Gericht aus. Nachdem er sich über den Schrottwert informiert hatte, lud er den Großteil des an 200 Kilo wiegenden Fundes ins Auto und fuhr nach Rostock zu einem Schrotthändler. Der, durch die Polizei über den Diebstahl gewarnt, stellte dem Lieferanten anheim, zur Klärung auf die Polizei zu warten. Doch L. zog die Flucht vor. Was ihm aber nichts nützte, denn die Videoaufnahme vom Schrotthändler identifizierte ihn und seinen Pkw. Zu Hause bei den Großeltern, bei denen er damals wohnte, erfuhr er, dass die Polizei ihn schon suchte; darauf hin stellte sich Tobias L.

An dieser Darstellung vermochten auch die Zeugenaussagen gestern nicht zu rütteln. Pastorin Gesine Wiechert beschrieb den hohen Schaden, der durch den Diebstahl entstanden ist. Zwar hätte der Hehler kaum 190 Euro für die schrottreifen Orgelpfeifen erhalten können, wie zuvor der Schrotthändler aussagte. Doch die Wiederherstellung der Orgel für das Gotteshaus habe zwischen 27  000 und 28  000 Euro gekostet. Glück für die Kirchengemeinde, dass Versicherungen zahlten. Den Angeklagten habe sie nie zuvor gesehen, die Orgelpfeifen seien direkt nach dem Tag des offenen Denkmals verschwunden.

Nun wiege jedoch der Diebstahl von Kirchengut besonders schwer, führte Richter Björn Kröhnert aus. Glück für den Angeklagten, dass dies bei Hehlerei nicht noch zusätzlich ins Gewicht falle. L. ist zudem bisher unbescholten und geht als Dachdecker geregelter Arbeit nach. Von einer zusätzlich zu leistenden gemeinnützigen Arbeit, wie von Staatsanwältin Petra Franz gefordert, sah der Richter deshalb ab und milderte auch deren Forderung nach einer höheren Freiheitsstrafe ab. Bis zu fünf Jahren sind bei Hehlerei möglich. Dem Argument von Verteidiger Udo Kemper, dass der entstandene Schaden an dem Kulturgut seinem Mandanten nicht anzulasten sei, folgte der Richter nur teilweise. Denn hätte L. das von ihm aufgefundene Diebesgut sofort der Polizei gemeldet, hätte die möglicherweise Spuren finden können, die zum Täter führen.

Tobias L. nahm noch im Gerichtssaal das Urteil an, die Staatsanwältin zögert noch.

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