Petition : Betreuungsgeld: Freie Wahl nur für Reiche?

Claudia Milbich (l.) und Evelyn Rahn plädieren für den Erhalt des Betreuungsgeldes.
Claudia Milbich (l.) und Evelyn Rahn plädieren für den Erhalt des Betreuungsgeldes.

Claudia Milbich aus Güstrow verfasste Petition an die Politik zum Erhalt der Elternprämie in MV

svz.de von
17. September 2015, 06:00 Uhr

Claudia Milbich ärgert sich. Mit dem kürzlich gefällten Urteil des Bundesverfassungsgerichtes soll nun dem jeweiligen Bundesland überlassen werden, ob es Eltern, die mit ihrem Kleinkind zu Hause bleiben wollen, Betreuungsgeld zahlt. In Mecklenburg-Vorpommern wurde das nur von etwa neun Prozent der Mütter in Anspruch genommen. So tendiert die Landesregierung dazu, das Geld künftig anderweitig nutzen. Für Claudia Milbich ist dies nicht zu verstehen.

„Mir wird damit die Freiheit beschnitten, mich für die Betreuung meines Kindes zu Hause zu entscheiden“, sagt die 26-Jährige. 150 Euro genügten natürlich nicht, um finanziell abgesichert zu sein, aber es wäre eine Geste der Unterstützung. Staatliche Gelder würden dann nicht nur für jene ausgeschüttet, die sich für außerfamiliäre Betreuung entscheiden. Die Erzieherin hat darum eine Petition geschrieben und schon 1000 Unterstützungsunterschriften zusammen. Die Güstrowerin appelliert an das Land: „Es soll jeder selbst seine Entscheidung treffen können. Echte Wahlfreiheit besteht nur dann, wenn finanzielle Mittel allen Familien gleichermaßen zur Verfügung stehen. Unabhängig davon, habe ich mich entschieden, zwei Jahre mit meinem Kind zuhause zu bleiben.“

Genau bis zu diesem Alter würde ein Kind seine Bindungsentwicklung abgeschlossen haben, weiß Evelyn Rahn. Auch für sie kommt darum erst ab diesem Alter eine Einrichtung für ihr Kind in Frage. Die 34-jährige Güstrowerin stellt sich darum zu Claudia Milbich. „Bindungsforscher empfehlen, Kinder bei einem guten Stellenschlüssel der Kita frühestens mit 18 Lebensmonaten halbtags in die Kita zu geben, andernfalls erst später“, sagt die zweifache Mutter.

Zur Erinnerung: Das Betreuungsgeld war von der CSU in den Koalitionsverhandlungen durchgeboxt worden, die SPD schluckte es, um die Einführung des Mindestlohnes durchzusetzen. So wundert es nicht, dass Bayern das einzige Bundesland ist, das eine Weiterzahlung des Betreuungsgeldes signalisierte. Doch Claudia Milbich will deshalb natürlich nicht umziehen, sondern hofft auf eine Wendung. Denn eine Krippe bedeute für ein Kind nicht nur Spiel und Spaß, ist sie sicher. „Für ein Kind ist das Arbeit. Die stetige Auseinandersetzung mit den vielen Eindrücken, Kontakten und wechselnden Bezugspersonen müssen verarbeitet werden.“

Die junge Mutter, die an viele Politiker geschrieben hat, hat viele ablehnende Antworten erhalten. „Es kann doch nicht sein, dass uns auch noch die letzte Unterstützung genommen werden soll, um unsere Kinder daheim zu betreuen und nicht in eine Krippe geben zu müssen“, sagt sie.

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