Güstrow : Besuch im Gedächtnis der Stadt

Besonders für einzelne Persönlichkeiten aus der Stadtgeschichte interessierte sich Antje Jäkel und lässt sich hier von Doris Dieckow-Plassa die geschichtlichen Hintergründe eines Fotos beschreiben.  Fotos: Eckhard Rosentreter (3)
Besonders für einzelne Persönlichkeiten aus der Stadtgeschichte interessierte sich Antje Jäkel und lässt sich hier von Doris Dieckow-Plassa die geschichtlichen Hintergründe eines Fotos beschreiben. Fotos: Eckhard Rosentreter (3)

Güstrower Stadtarchiv „Heinrich Benox“ offen für Hobbynutzer und dienstliche Nachforschungen.

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04. März 2018, 21:00 Uhr

Regelrecht belagert war am Wochenende das Güstrower Stadtarchiv. Besucher nutzten die Möglichkeit und ihr Recht, das „Gedächtnis ihrer Stadt“ zu erkunden. Eingeladen hatte der Verband deutscher Archivare zum bundesweiten Besuchstag in staatlichen Dokumentensammlungen. Mit „Demokratie und Bürgerrechte“ war das Wochenende überschrieben, was Doris Dieckow-Plassa und Barbara Zucker, die beiden – streng genommen anderthalb – Mitarbeiterinnen des Güstrower Stadtarchivs in „Der Stadt zum Nutz und Besten…“ modifizierten. Sie präsentierten den Besuchern eine eigens für diese zwei Tage sorgsam ausgewählte Sammlung von Schriftstücken und Bildmaterial über die Entwicklung der städtischen Selbstverwaltung in Güstrow.

So konnte Antje Jäckel, ein „Güstrower Kind aus alteingesessener Familie“, den „Stadtrezess“ von 1686 bestaunen, die Grundlage für die Einrichtung der Stadtkämmerei. Selbst dieses Exemplar war „nur“ eine schon rund 300 Jahre alte Abschrift und hat so für sich bereits historischen Wert. „Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, was für wertvolle Zeugnisse von der Vergangenheit sie besitzen“, hat die 78-Jährige erfahren. Gelegentlich bringe sie alte Zeitungen und Bücher von Nachbarn und Bekannten zum Altpapier, und da habe sie schon oft etwas entdeckt, was in die Archive gehört. So ist Antje Jäkel, die als ehemalige Buchhändlerin einen Blick für solche Dinge hat, keine Unbekannte im Erdgeschoss unter dem Stadtmuseum. Genauso wenig wie natürlich Dauernutzer wie die Güstrower Sportchronisten oder die Chronikgruppe Hoppenrade, der Mühl Rosiner Verein Bisdede oder die Autoren des Güstrow-Jahrbuches.

Zu den häufigen Hobbynutzern gehört auch der regelmäßige SVZ-Historienkolumnist Ulrich Schirow. Zurzeit durchforste er das umfangreiche Papierfoto-Material, das die Lokalredaktion aus ihrer vordigitalen Zeit dem Stadtarchiv überlassen hat. „Immer wieder Neues in der Stadtgeschichte zu entdecken, das treibt mich an“, sagt der 82-Jährige. Allerdings sei die Personaldecke im Archiv doch arg dünn, bemerkt er. Schließlich durchforsten auch Makler, Nutzer von Bauakten, Bodendenkmalpfleger oder Familienforscher die Bestände, nicht zu vergessen Mitarbeiter der Stadtverwaltung selbst.

Da ist Doris-Dieckow-Plassa froh, dass der eine oder andere Nutzer, wie besonders auch Gisela Scheithauer, auch wertvolle ehrenamtliche Hilfe bei der Aufarbeitung der Bestände leistet. Wilhelm Mastaler und noch viel früher Heinrich Benox sind auch zwei solcher Helfer, ohne die der Kenntnisstand über die Güstrower Stadtgeschichte heute ein Stück weit ärmer wäre. Einmal wöchentlich schaut deshalb auch Annaliese Soltwedel rein. Die ehemalige Chefin des Hauses kann auch im achten Jahr nach ihrer Pensionierung nicht von „ihren“ alten Akten lassen.

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