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Nachfolge : Bei „Radio Kühsner“ geht’s weiter

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Thomas Kühsner übernimmt Firma von seinem Vater / Beim Opa Joachim Kühsner gelernt / Güstrower Familienbetrieb besteht seit 1953

Die Güstrower Traditionsfirma „Radio Kühsner“ bleibt Güstrow erhalten. Seit 1. Juli hat Thomas Kühsner das Geschäft seines Vaters Ulrich als Inhaber übernommen. Am Montag eröffnet der 44-Jährige zudem in der Hageböcker Straße 5 (ehemals Güstrower Werkstätten) sein neues Geschäft. „Der Laden ist als Verkaufsraum und Werkstatt attraktiver als die Nummer 110, in der wir seit 2004 waren“, erklärt Thomas Kühsner seine Entscheidung.


Neues Geschäft in der Hageböcker Straße 5


Ulrich Kühsner ist darüber sehr froh. „Im vergangenen Dezember habe ich Thomas gesagt, dass ich im Mai in Rente gehe“, erzählt der 65-Jährige. Damit war die Frage offiziell gestellt: Bleibt der Familienbetrieb Güstrow in der dritten Generation erhalten oder nicht? Im Januar setzten sich Vater und Sohn zusammen. Thomas Kühsner musste letztlich aber nicht lange überlegen, um das Geschäft zu übernehmen. „Ich bin mit der Familientradition aufgewachsen, habe nie etwas anderes gemacht und habe das bis heute durchgehalten“, erklärt er.


Zeichen gegen das Ladensterben setzen


Ähnlich ging es Ulrich Kühsner, als er sich 1966 nach der Schule für eine Lehre entscheiden sollte. Da gab es „Radio Kühsner“ schon seit 1953. Sein Vater, Joachim Kühsner, hatte als Autodidakt in der Feldstraße eine Radio-Werkstatt eingerichtet. Später zog er in die Schweriner Straße/Ecke Gliner Straße und nach der Wende in die erste Station in der Hageböcker Straße, in die Nummer 12. Ulrich Kühsner wollte zwar gern Tierpfleger werden, aber Vater Joachim war eine starke Persönlichkeit mit viel Überzeugungskraft. Ergo wurde Ulrich Rundfunkmechaniker und fing nach der Armee 1971 als Mechaniker beim Vater an. „Meine Aufgabe war der Außendienst in den Dörfern“, erinnert sich Ulrich Kühsner. 1976 erhielt er seine Urkunde, die ihn als Meister des Rundfunkmechaniker-Handwerks auswies. 1983 stieg er als Teilhaber in die Firma ein. Heute ist Ulrich Kühsner seinem Vater sogar dankbar, dass er ihn zu diesem Beruf „überredete“. „Ich habe einen guten und schönen Beruf und bis heute ist alles so aufgegangen, auch dank der Familie, wie man es sich wünscht“, resümiert er sein Berufsleben.

Da war es auch unwichtig, dass zu DDR-Zeiten die Mangelwirtschaft vieles bestimmte. „Auf einen Zeilentrafo mussten wir manchmal schon ein paar Wochen warten. Trotzdem habe ich die Arbeit gern gemacht“, blickt Ulrich Kühsner zurück. Dazu kam die technische Entwicklung. „Die Transistoren waren ja nach den Röhren schon ein gewaltiger Fortschritt. Aber was sich heute mit der Netzwerktechnik tut, ist ein Quantensprung“, schätzt der erfahrene Handwerker ein.

Und ein Ende ist anscheinend nicht abzusehen. Das hat nun Thomas Kühsner zu leisten. „Heute musst du eine große Bandbreite abdecken, Strippen ziehen, Leinwände für Beamer installieren, Antennen bauen und mit der Lupenbrille winzigste Bauteile von unter einem Millimeter instand setzen“, sieht sich der 44-Jährige aber gut aufgestellt. „Es gab 1987 keinen anderen Wunsch als Funkmechaniker zu werden“, erinnert sich Thomas Kühsner, der bei seinem Opa lernte.

Dabei kann er auf einen treuen Kundenstamm bauen und auf viel Fachwissen, das er sich angeeignet hat und immer wieder aufgefrischt wird. Mit der Geschäftsübernahme will Thomas Kühsner aber auch ein Zeichen gegen das Sterben solcher Läden, wie sie die Familie Kühsner erhalten möchte, setzen.

Dabei hilft ihm sein Vater übrigens weiter, denn er kann es als Rentner doch nicht ganz lassen. Ulrich Kühsner: „Ich werde weiter im Laden stehen, denn wir sind ja glücklicherweise weiter ein Familienbetrieb.“ Aber nicht so oft, denn Familie Kühsner senior will jetzt öfter auf Reisen gehen, demnächst nach Irland.

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