Landkreis Rostock : Bei den Feuerwehren brennts gewaltig

<fettakgl>Zu knapp 1200 Einsätzen</fettakgl> mussten die Feuerwehren im Landkreis vergangenes Jahr ausrücken. Es wird aber immer schwieriger, die notwendigen Einsatzkräfte zusammen zu bekommen. <foto>Archiv</foto>
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Zu knapp 1200 Einsätzen mussten die Feuerwehren im Landkreis vergangenes Jahr ausrücken. Es wird aber immer schwieriger, die notwendigen Einsatzkräfte zusammen zu bekommen. Archiv

Immer weniger verfügbare Einsatzkräfte, Nachwuchsmangel bei den Jugendwehren und veraltete Technik – bei den Feuerwehren im Landkreis Rostock brennt es. Kreisbrandmeister Mayk Tessin fordert Konsequenzen.

svz.de von
17. März 2013, 06:30 Uhr

Gnoien | Immer weniger verfügbare Einsatzkräfte am Tage, akuter Nachwuchsmangel bei den Jugendwehren und veraltete Technik - bei den Feuerwehren im Landkreis Rostock brennt es. Eine Einsatzbereitschaft rund um die Uhr ist schon lange nicht mehr zu leisten, muss Kreisbrandmeister Mayk Tessin zugeben. "Der Knackpunkt ist die Tageseinsatzbereitschaft. Vor allem tagsüber sind die aktiven Kameraden bei der Arbeit und nicht erreichbar", sagte er auf der Jahreshauptversammlung des Kreisfeuerwehrverbandes im Landkreis Rostock am Sonnabend in Gnoien. Aber auch insgesamt ist die Zahl der aktiven Kameraden sowie derer in Reserve von 4642 im Jahr 2009 auf zuletzt 4253 gesunken.

Kreisbrandmeister begrüßt Reformdebatte

Deshalb begrüßt der 47-jährige Tessin die kürzlich von Innenminister Lorenz Caffier in Gang gesetzte Reformdebatte, um den Brandschutz trotz dieser grundlegenden Veränderungen in der Feuerwehrlandschaft weiterhin zu gewährleisten. "Das müssen wir breit in den Wehren diskutieren. Wir haben diese Debatte ja schließlich von unten angestoßen", so Tessin. Der Kreisfeuerwehrverband im Landkreis Rostock vertritt aktuell 4253 Aktive sowie 1040 Ehrenmitglieder in 166 freiwilligen Feuerwehren sowie 963 Jugendfeuerwehrmitglieder in 99 Jugendfeuerwehren. Die Mitgliederzahl in den Jugendwehren ist in den vergangenen zwei Jahren um 14 Prozent gesunken, musste Kreisjugendwart Frank Zangenberg am Sonnabend negativ bilanzieren.

Der Kreisfeuerwehrverband hat bereits auf die sinkende Zahl der Einsatzkräfte reagiert - und zwar mit dem so genannten Rendezvous-Verfahren. Bei Einsätzen am Tage werden mehrere Einheiten aus umliegenden Wehren am Einsatzort zusammengezogen. "Es geht nicht anders", sagt Tessin.

Ein weiteres Problem ist für den Kreisbrandmeister die oftmals veraltete Technik der Wehren. "Hier spiegelt sich die schlechte Finanzausstattung der Gemeinden wider", sagt Tessin. Seine Forderung: "Die Landesregierung muss die Kommunen finanziell so ausstatten, dass sie ihre Pflichtaufgaben, zu denen vorrangig auch der Brandschutz gehört, erledigen können." Und auch die Gemeinden sollten bei ihrer Suche nach Einsparpotenzialen nicht die Frage nach der Notwendigkeit einer Feuerwehr stellen. "Die wesentliche Frage, die im Bereich des Brandschutzes und der technischen Hilfeleistung durch die Gemeinde beantwortet werden muss, ist die: Wie viel Schutz will die Gemeinde der Allgemeinheit bieten?"

Für Mayk Tessin sind die Konsequenzen aus der jetzigen Situation klar: "Die Landesregierung muss die Rahmenbedingungen schaffen, dass mehr Bürger sich ehrenamtlich in den Feuerwehren engagieren. Wir müssen kontinuierlich neue Einsatzkräfte anwerben." Jeder Einwohner müsse erkennen, dass ihn der Schutz seines Eigentums geradezu dazu verpflichte, sich in dieses Ehrenamt einzubringen. Gleichzeitig müsse die "Selbsthilfefähigkeit" der Bevölkerung wiederhergestellt werden. "Bei Kleinigkeiten darf nicht sofort die Feuerwehr alarmiert werden", erklärt er.


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