Ausstellung : Begegnung im Graphikkabinett

Barbara Ebert betrachtet die ausgestellten Werke Alfred Kubins und Ernst Barlachs.
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Barbara Ebert betrachtet die ausgestellten Werke Alfred Kubins und Ernst Barlachs.

Gestern Eröffnung der Sommerausstellung „Lichte Finsternis. Alfred Kubin und Ernst Barlach“ in der Ernst-Barlach-Stiftung

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06. Juli 2015, 06:00 Uhr

Um ein Haar wären sich der in Oberösterreich ansässige Zeichner und Illustrator Alfred Kubin (1877-1959) und der norddeutsche Bildhauer, Grafiker und Dichter Ernst Barlach (1870-1938) persönlich begegnet. Das von dem Verleger und Kunstsammler Reinhard Piper 1925 vermittelte Treffen im Bayrischen Wald kam wegen einer plötzlichen Erkrankung Barlachs dann aber doch nicht zustande. 90 Jahre später führt in Güstrow die Ausstellung „Lichte Finsternis. Alfred Kubin und Ernst Barlach“ Werke der beiden seelenverwandten Künstler zusammen.

Auf der Vernissage hob Kuratorin Helga Thieme gestern die gemeinsame Grundlage ihres Schaffens hervor. „Beide Künstler blickten in die Unergründlichkeit der menschlichen Seele“, sagte sie. Fündig wurde die Kuratorin im Kubin-Haus in Zwickledt, heute eine Außenstelle des Oberösterreichischen Landesmuseums. Ihre Aufgabe bestand darin, aus einem Bestand von über 4000 Werken 40 für die Güstrower Schau auszuwählen, die die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu Barlachs Arbeiten belegen. Karsten Müller vom Hamburger Barlach-Haus entwarf für die Ausstellung eine Art Leitfaden, an dessen Schlagwörtern sich die Besucher die Schau erschließen können. Oft sind dabei Kubins und Barlachs Werke im Wechsel angebracht, was eine Vergleichbarkeit wesentlich erleichtern dürfte.

In seiner Begrüßung berichtete Dr. Volker Probst von seinem ersten Besuch in Kubins Schlösschen in Zwickledt. Das war 1976 und Probst damals nach Student des Bibliothekswesens in Hamburg. Der Leiter der Güstrower Barlachmuseen erinnerte aber auch an eine wenig bekannte zeitgenössische Beziehung zwischen Barlach und Kubin. Sie führt über den Güstrower Arzt und Kunstsammler Arthur Seemann, der in seinem Haus in der Gustav-Adolf-Straße 3 ein eigenes Barlach-Zimmer eingerichtet hatte. Bestandteil einer Reihe mit Barlach-Lithografien war dort auch die Federzeichnung „Laterne“ von Alfred Kubin. Darüber hinaus fanden sich in Seemanns Sammlung weitere Arbeiten des Oberösterreichers.

Ein eifriger Kunstsammler war auch Kubin, wie Monika Oberchristl vom Oberösterreichischen Landesmuseum herausstellt. Unter den etwa 2000 von ihm gesammelten Werken finden sich auch zwei Grafiken und eine Zeichnung Barlachs. Vielleicht werden sie in der Ausstellung „Kubin und seine Sammlung“, zu deren Eröffnung am 21. Oktober Oberchristl die Güstrower schon mal einlud, gezeigt.

Die Sommerausstellung „Lichte Finsternis. Alfred Kubin und Ernst Barlach“ ist bis zum 27. September im Graphikkabinett des Ausstellungsforums zu sehen. Zur Ausstellung liegt ein umfangreicher Katalog mit Beiträgen von Helga Thieme, Karsten Müller, Winfried H. Müller-Seyfarth, Monika Oberchristl und Inge Tessenow vor.

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