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Güstrower Anzeiger

11. Dezember 2017 | 01:32 Uhr

Befangenheitsanträge gegen Schöffin

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Neues aus dem Groß Ridsenower Kirchenglockenprozess

Die Berufungskammer des Rostocker Landgerichtes unterbrach die Verhandlung in der Strafsache gegen zwei junge Männer aus Kronskamp, die sich wegen des Diebstahls einer Kirchenglocke verantworten müssen, bis zum 29. September. Ursache dafür sind Befangenheitsanträge der Rostocker Verteidiger Thomas Löcker und Torsten Bellmer gegen eine Schöffin. Sie ist Mitarbeiterin einer Wohnungsgesellschaft und soll den beiden Angeklagten im Vorfeld des Prozesses wegen ihres bewegten Lebens eine Wohnung verweigert haben. Die Verteidiger schlussfolgern daraus, da sie die Angeklagten und ihre Lebensumstände kenne, würde sie in dieser Sache nicht vorurteilsfrei entscheiden können. Nach mehrstündiger Diskussion wies die Berufungskammer die Anträge zurück und legte neue Verhandlungstermine fest.


Auch für Marcel W. wird es eng


Laut Anklageschrift lieferten am Sonnabend, den 6. Oktober 2012, vier junge Männer eine Kirchenglocke bei der Jade-Schrotthandel GmbH im Rostocker Überseehafen ab: Danny K. (30), Marcel W. (28), Sebastian R. (23) und Christian H. (29). Sie erhielten einen Materialschein über 537 Kilogramm Messing, obwohl die Glocke aus Bronze bestand. In der Kasse wurden ihnen 1637 Euro ausgezahlt, nachdem sie einen Personalausweis vorlegten und ein Schriftstück unterzeichneten, mit dem bestätigt wurde, dass der Metallschrott aus keiner Diebstahlshandlung stamme. Die Schrottfirma ließ die Glocke zwei Wochen ungeschoren. Weil sie offensichtlich niemand vermisste, wurde sie in einzelne Stücke zerlegt.

Erst am 22. Oktober 2012 bemerkten Besucher des Groß Ridsenower Friedhofs das Fehlen ihrer immer an einem Glockenstuhl frei hängenden Kirchenglocke. Pastor Thomas K., der Christophorus-Gemeinde Laage, stellte Strafanzeige gegen Unbekannt, und die Presse berichtete über den Diebstahl der wertvollen, historischen Glocke. Diese Informationen gelangten auch zum Jade-Schrotthandel, der nun den Ermittlern das Autokennzeichen, die Kopie eines Personalausweises und Videoaufzeichnungen von den jungen Leuten beim Anliefern der Glocke übergab.

In einem Güstrower Urteil vom März 2014 wurden alle vier des gemeinschaftlichen Diebstahls und der gemeinschaftlichen Hehlerei für schuldig befunden. Nur Danny K. erhielt eine Haftstrafe, alle anderen Bewährungsstrafen. Die Rostocker Staatsanwaltschaft legte gegen diese Urteile wegen zu milder Strafen Berufung ein.

Zwei der Angeklagten erhielten schon ihr Berufungsurteil in der vergangenen Woche. Bei Sebastian R. blieb es bei einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe. Christian H. aus Subzin muss für zwei Jahre ins Gefängnis. Rechtsanwalt Löcker will für Danny K. einen Freispruch erreichen. Für Marcel W. wird es eng, denn sein Ausweis wurde vorgelegt und er unterschrieb die Unbedenklichkeitserklärung.

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