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Asylbewerber auf Dörfern : Bedenken in Charlottenthal

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Infoveranstaltung zu Flüchtlingen / Bis zu 38 Asylbewerber ab August in dem Dorf erwartet

von
erstellt am 29.Mai.2015 | 05:00 Uhr

Viele Fragen und Bedenken haben die Charlottenthaler, wenn es darum geht, dass demnächst Asylbewerber in ihrem 200-Einwohner-Dorf untergebracht werden. Bis zu 38 Flüchtlinge könnten es sein, die ab August in den Wohnblock am Kohrams Moor einziehen. Hier will der Landkreis acht Wohnungen zur dezentralen Unterbringung der Asylbewerber anmieten – so wie zurzeit in vielen Gemeinden. Denn 800 neue Plätze für die erwarteten Flüchtlinge muss der Landkreis in diesem Jahr noch schaffen. Dazu werden gerade sämtliche Dörfer nach leerstehenden Wohnungen durchforstet. „Wir mieten Wohnungen dort an, wo wir welche bekommen. Das ist auch ein Stück Willkür“, so Rainer Boldt, 2. Stellvertreter des Landrats, am Mittwochabend bei einer Infoveranstaltung zum Thema Flüchtlinge und Asylbewerber in Charlottenthal. Er antwortete damit auf die Frage des Charlottenthalers Dirk Grosche, warum die Flüchtlinge in Dörfern ohne jegliche Infrastruktur untergebracht werden.


Flüchtlinge einfach auf Dörfer abschieben?


Grosche hatte im Vorfeld mit anderen Dorfbewohnern zahlreiche Bedenken formuliert. „Die Einwohner wollen Menschen, die in Not geraten sind, helfen“, sagte er. Die Zahl der Flüchtlinge in Charlottenthal müsse sich aber in einem Rahmen halten, der Integration zulasse. Er befürchtet, dass der Kreis noch mehr Flüchtlinge ins Dorf bringen will. „50 Asylbewerber können wir nicht wuppen. Das schafft der Ort nicht.“ Er warf dem Kreis vor, die Flüchtlinge einfach auf die Dörfer abzuschieben und die Bewohner dann mit eventuellen Problemen allein zu lassen. Dafür bekam Grosche Applaus von den rund 80 anwesenden Charlottenthalern.

Boldt erwiderte, dass der Landkreis nicht mehr als acht Wohnungen in Charlottenthal anmieten werde. „Wir werden uns zudem bemühen, hier Familien mit Kindern unterzubringen“, so Boldt. Betreut werden die Flüchtlinge vor Ort von der Krakower Sozialarbeiterin Anika Käding, die sich gleichzeitig aber auch um die etwa 40 Asylbewerber kümmern muss, die demnächst nach Krakow kommen. Nach dem aktuellen Betreuungsschlüssel steht für zehn Flüchtlinge jeden Tag nur eine Stunde zur Verfügung. „Das ist nicht befriedigend“, sagte Boldt. In Gesprächen mit dem Land kämpfe der Landkreis darum, mehr Betreuungspersonal bereit zu stellen. „Ich lebe in Krakow am See und werde nicht auf den Schlüssel gucken“, brachte sich Anika Käding in die Diskussion ein. „Ich werde die Bevölkerung mit ihren Sorgen und Fragen nicht alleine lassen.“

Ein weiteres Problem stelle der Wohnblock dar, in dem die Flüchtlinge wohnen sollen. Zwei der zehn Wohnungen seien noch bewohnt und zudem gebe es Schimmelbefall, sagte Dirk Grosche. „Wir wünschen uns dringend, das die jetzigen Bewohner auch dort bleiben“, sagte Rainer Boldt. Weiterhin werde der Kreis die Wohnungen von Privat nur mieten, wenn alles ordnungsgemäß sei. Der Vermieter, der Mittwochabend ebenfalls vor Ort war, kündigte an, das Haus wieder komplett herstellen zu wollen und auch den Schimmelbefall zu untersuchen.

Abschließend forderte Krakows Bürgermeister Wolfgang Geistert eine Willkommenskultur im Luftkurort und seinen Ortsteilen ein. „Wir brauchen Einwohner. Lasst uns gemeinsam Brücken bauen, statt Vorurteile und Ängste zu schüren“, so sein Plädoyer.


Auch nach Lüssow kommen Asylbewerber


Bereits einen Tag zuvor hatte es in Lüssow die gleiche Informationsveranstaltung mit einer großen Beteiligung der Dorfbewohner gegeben. In einem gemeindeeigenen Block mit 48 Wohnungen in der Schwaaner Straße will der Kreis hier 16 Wohnungen für Flüchtlinge anmieten. Bis zu 50 Asylbewerber sollen hier untergebracht werden. Lüssow kämpft seit Jahren mit einem großen Leerstand in seinen Wohnblöcken. Die Wohnungen müssten aber erst saniert werden, so Lüssows Bürgermeister Wilfried Zander.

Unterdessen gab es für die Flüchtlingsunterkunft in der Krakower Kirchenstraße 2 bisher noch keine Bauabnahme. Diese solle aber demnächst erfolgen, so Rainer Boldt.  

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