Ausstellung : Bayern zu Gast in Kunstmühle Schwaan

„Kühe in der Furt“ nannte Victor Weishaupt sein Ölbild.
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„Kühe in der Furt“ nannte Victor Weishaupt sein Ölbild.

Künstlerkolonie Dachau stellt sich vor / Werke berühmter Künstler wie Carl Spitzweg und Max Liebermann

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15. Juli 2014, 06:00 Uhr

Den Ort Dachau verbinden die meisten Menschen mit dem Konzentrationslager, in dem bereits ab 1933 politische Gefangene gequält wurden. Dass sich in dem Ort nahe München um 1850 eine der größten und ältesten Künstlerkolonien in Deutschland bildete, wird in diesen Wochen in Schwaan deutlich.

Die Kunstmühle zeigt die Ausstellung „Dachau. Eine bayerische Künstlerkolonie zu Gast in Schwaan – Mecklenburg“. Zu sehen sind in der kompletten ersten Etage 44 Gemälde, 18 Grafiken, dazu Zeichnungen, Skizzenbücher sowie eine kleine Fotodokumentation. Die Bayern erwidern damit den Besuch der Schwaaner, die vor knapp zwei Jahren eine Ausstellung über ihre Künstlerkolonie in Dachau gezeigt hatten.


Gäste begeistert vom hiesigen Kleinod


Mit Carl Spitzweg – allein von ihm sind in Schwaan fünf Arbeiten zu sehen –, Lovis Corinth, Paul Baum, Max Liebermann oder Eduard Schleich kann die Dachauer Künstlerkolonie berühmte Namen aufweisen. Heiko Brunner, Chef der Kunstmühle, hatte die Kontakte zu den Bayern über die Vereinigung der europäischen Künstlerkolonien „Euroart“, dessen Vize-Präsident er ist, geknüpft. So konnten auf gleichem Wege bereits Ahrenshoop, Worpswede, Hiddensee und Ferch nach Schwaan „geholt“ werden.

Zur Eröffnung konnten die Mecklenburger mit Florian Hartmann auch Dachaus Oberbürgermeister – er ist mit 27 Jahren der jüngste OB in Deutschland – begrüßen. Hartmann zeigte sich begeistert von der rekonstruierten Kunstmühle und sei darauf „fast ein bisschen neidisch“, wie er meinte. Das Haus atme Geschichte und Atmosphäre, bewunderte er. Mit Ministerpräsidenten Erwin Sellering hat die Sommerausstellung darüber hinaus einen prominenten Schirmherrn zu bieten. In einem Brief hatte Sellering geschrieben: „Liebevoll und mit großer Leidenschaft sorgen die Museumsleitung, Freunde und Förderer der Kunstmühle Schwaan, Sponsoren und Unterstützer dafür, dass auch im ländlichen Raum Kunst und Kultur eine wichtige Rolle spielen. Ich bitte alle Beteiligten: Machen Sie weiter so.“

Im Vergleich beider Künstlerkolonien finden sich zahlreiche Gemeinsamkeiten. So könnten viele Landschaftsmotive auch in der Schwaaner Region gemalt worden sein. Auffällig an den Dachauer Künstlern sind die zahlreichen figürlichen Darstellungen. Wobei die Personen oft das Hauptmotiv bilden und nicht bloße Staffage sind. Aus über die gesamte Ausstellung verteilten Fotos aus dem Jahr 1895 gewinnt der Besucher authentische Einblicke in das Leben in der Künstlerkolonie. So ist auf zwei Bildern zu sehen, wie der Maler Arthur Langhammer, der offenbar seine Stiefel vergessen hatte, von Künstlerkollegen durch das Dachauer Moor getragen wird.


Zahlreiche Sonderführungen


Im Begleitprogramm der bis zum 21. September in Schwaan gezeigten Schau sind zahlreiche Sonderführungen vorgesehen. Darunter auch eine Abendführung und eine Veranstaltung, die sich speziell mit den ausgestellten Skizzenbüchern beschäftigen wird. „Das ist neu für uns. Denn leider sind von den Malern der Künstlerkolonie Schwaan keine Skizzen- oder Notizbücher erhalten“, bedauert Heiko Brunner.

Mehr als 800 Kilometer trennen die beiden Künstlerkolonien aus dem Süden und dem Norden. Durch die Sommerausstellung in der Kunstmühle rücken sie jetzt aber ganz dicht zusammen.






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