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Waldstück bei Vietgest : Baumfrevel im Naturpark?

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Über ein Hektar Wald an B104 bei Vietgest abgeholzt. Forstamtsleiter Neuß: Vorgang nicht zu kritisieren.

von
erstellt am 31.Mär.2017 | 05:00 Uhr

Irgendwie makaber sieht es schon aus, was Forstarbeiter nach ihrem Tun an der Kreuzung Bundesstraße 104/Kreisstraße 24 hinterlassen haben: eine kahle Fläche, von allen Bäumen befreit, was stehen blieb an Holz ist das gelbe Hinweisschild mit der schwarzen Eule und der Aufschrift „Naturpark Mecklenburgische Schweiz und Kummerower See – Landschaftsschutzgebiet“.

Was den Betrachter irritieren mag und widersinnig erscheint, hat Güstrows Forstamtsleiter Ralf Neuß geprüft. Das Forstamt ist für die forstwirtschaftliche Fachaufsicht in diesem Teil des Naturparks zuständig, auch wenn es sich an dieser Stelle um einen Wald in privatem Besitz handelt. Er habe zunächst festgestellt, dass es sich um eine Fläche von geschätzt 1,25 Hektar handelt, die direkt in dem Straßeneck abgeholzt wurde, sagt Neuß. Das sei deshalb wichtig, weil für einen Kahlhieb bis zu 2 Hektar schon mal keine Genehmigung eingeholt werden müsse. Auch wenn es sich um ein Stück im Naturpark handelt, gebe es bezüglich der forstwirtschaftlichen Nutzung aber keine weiteren besonderen Vorgaben.

Neuß’ Fazit: „Was dort passiert ist, ist nicht zu kritisieren.“ Bei dem abgeholzten Gelände handele sich um einen über 100 Jahre alten Kiefernbestand mit darunter liegenden Buchen. Bereits angesetzte Stockfäule sei typisch gewesen für diese Bäume, womit der ökonomische Nutzen für den Waldbesitzer vorrangig zu betrachten sei. „Und hier handelt es sich um eine völlig normale Nutzung“, sagt Ralf Neuß. Dass der Anblick des „Naturpark“-Schildes vor der Kahlfläche etwas irritierend wirkt, will der Forstamtsleiter gerne selber bemerken. Diese Art der Waldbewirtschaftung sei aber erforderlich, um den Holzbestand zu verjüngen.

Schon jetzt möchte Neuß um Geduld und Verständnis werben, wenn die Fläche noch eine Weile so kahl bleiben sollte. Der Forstmann weiß, dass oft in solchen Beständen zunächst eine so genannte Schlagruhe angesagt ist. Würde man nämlich sofort neu anpflanzen, könnten sich diverse Tierchen über die frischen Kleinbäumchen hermachen. So fresse zum Beispiel der Große Braune Rüsselkäfer (Hylobius abietis) sehr gerne frische Rinde ab und werde deshalb von den frisch geschlagenen Bäumen angelockt. Erst wenn die praktisch „weggefressen“ sind, verziehe sich der Käfer wieder und man könne neu anpflanzen. Deshalb habe der Waldbesitzer jetzt drei Jahre lang Zeit bis er verpflichtet ist, neu aufzuforsten.

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