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Stadtsanierung Güstrow : Baudenkmal über Winter retten

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Stadt beauftragt statische Instandsetzung der Domstraße 14 / Verkauf beschlossen / Neue Eigentümer in den Startlöchern

von
erstellt am 26.Okt.2015 | 06:00 Uhr

Festen Schrittes steigt der Zimmermann hinauf ins Dachgeschoss. „Aber passen sie auf, wohin sie treten“, warnt er. Die Treppe ist mehr als nur ausgetreten. Zimmerdecken sind zum Teil heruntergebrochen. Hier und da klafft ein Loch. Neue Hölzer liegen neben alten verrotteten. In der Domstraße 14 – das Eckhaus zur Kerstingstraße – haben vor wenigen Tagen Arbeiten zur statischen Sicherung des Hauses begonnen. Mehr als 20 Jahre stand es leer, verwahrloste mehr und mehr. Jetzt beauftragte die Stadt notwendige Arbeiten, damit das Haus überhaupt den nächsten Winter übersteht, wie es Jane Weber, Leiterin des Stadtentwicklungsamtes, formuliert. Dann können die neuen Eigentümer in Ruhe die Sanierung des Hauses in Angriff nehmen.

Die Einschätzung des Statikers, ließ keine andere Wahl. Insbesondere die hofseitige Fassade ist instabil. Der Giebel neigt sich. Der Schwamm leistet ganze Arbeit in dem Haus, berichtet Statiker Karl-Heinz Brenncke. Dort, wo das Café angrenzt, gebe es quasi keine Fundamente mehr. Zuletzt müsste auch loser Putz entfernt werden. Knapp 60 000 Euro (Städtebaufördermittel und Eigenmittel) setzt die Stadt ein, um die Bausubstanz zu retten, bevor sie in neue Hände kommt. Der Verkauf ist durch die Stadtvertretung beschlossen. Ende November, so Stadtsprecherin Karin Bartock, könnte der Verkauf mit der notariellen Beglaubigung vollzogen werden.

Bei drei Bewerbern erhielten zwei Bauingenieure aus Güstrow und Schwerin den Zuschlag. Sie kaufen neben der Domstraße 14 auch die Kerstingstraße 4. Beide Fachwerkhäuser hängen zusammen. Die Hofzufahrt der Domstraße 14 ist mit einem Gebäudeteil der Kerstingstraße 4 überbaut. Beide verkauft die Stadt. Die, daran sei erinnert, hatte acht Jahre lang darum gerungen, Eigentümer auch der Nr. 14 zu werden. Verhandlungen mit einer in aller Welt verteilten Erbengemeinschaft, darunter jüdische Familien, waren nicht einfach.


Den Bauingenieur reizt die große Aufgabe


Matthies Schulz, einer der beiden künftigen Eigentümer, freut sich auf die Herausforderung. „Das ist doch der Reiz unseres Berufes, dass man auch aus solchen Häusern wieder etwas machen kann“, betont der Güstrower. Fantasie gehört zum jetzigen Zeitpunkt dazu, das etwa 300 Jahre alte Gebäude mit Palais-Charakter – eines der wenigen Baudenkmale der barocken Residenzstadt Güstrow – wieder zu neuem Glanz zu verhelfen. Charakteristisch für das Haus sind die mit Gleichmaß gestalteten Achsen (Zahl der Fenster an der Seite der Kerstingstraße) und die durch liegende Ovale durchbrochenen Balustrade an der Domstraßen-Seite. Die beiden künftigen Eigentümer gehen von einer Wohnnutzung aus. Über einen Zeitplan wolle man noch nicht sprechen. Es kann dauern, bis erst einmal alle Formalitäten erledigt, Fördermittel eingeworben und eine Baugenehmigung erteilt sind. Auch weil das noch dauern wird, habe die Stadt entschieden mit der Sicherung in Vorleistung zu gehen, beton Amtsleiterin Weber.

Achim Dugge, der in der Kerstingstraße wohnt, bleibt stehen und schaut den Handwerkern einen Moment zu. Er kennt die Geschichte der jüdischen Familie, die in der Domstraße 14 wohnte und 1939 nach Palästina emigrierte. „Ich würde mich freuen, wenn in irgendeiner Weise nach der Sanierung des Hauses daran erinnert wird“, sagt Achim Dugge.

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