Ärger in Serrahn : Bau- und Pumpenlärm im Paradies?

Genau hier soll das Pumpwerk hinkommen. Steffen Drinkmann ist sauer, dass es direkt an sein Grundstück (Hintergrund) grenzen wird – und wie man mit ihm umgeht.
Genau hier soll das Pumpwerk hinkommen. Steffen Drinkmann ist sauer, dass es direkt an sein Grundstück (Hintergrund) grenzen wird – und wie man mit ihm umgeht.

Serrahner Leser klagt gegen Bau eines Wasserpumpwerkes neben seinem Grundstück

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07. Mai 2017, 05:00 Uhr

Von Steffen Drinkmanns Haus hat man einen wunderbaren Blick auf das Serrahner Wasser im Krakower See. Auf leichter Anhöhe gelegen, kaum ein Auto fährt hier auf der Verbindung zwischen Serrahn und Seegrube vorbei, Pferde weiden, Gänse lassen sich nieder, der Raps beginnt zu blühen… einfach paradiesisch. Zutreffend heißt so auch Steffen Drinkmanns Adresse: Paradiesweg. Lediglich einen Nachbarn hat der Serrahner, die nächsten Behausungen sind kilometerweit entfernt.

Künftig soll Drinkmann auch auf der anderen Seite seines Grundstücks einen Nachbarn bekommen: Genau hier, so teilte ihm der Wasser- und Abwasserzweckverband Güstrow-Bützow-Sternberg (WAZ) Ende April mit, werde eine Druckerhöhungsstation mit einem Reinwasser-Hochbehälter errichtet. Baubeginn: 15. Mai, Bauende: Juli 2018.

Das Pumpwerk gehört zum neuen Trinkwasserverbund, den der WAZ für Krakow am See und Umgebung derzeit einrichtet. Ein Millionenvorhaben, das 2015 begonnen wurde und zum Teil bereits in Betrieb ist (SVZ berichtete). Jetzt, da weitere Fördermittel fließen – erst vorige Woche sei die Zusage gekommen, informiert WAZ-Geschäftsführerin Katja Gödke – beginne der nächste Bauabschnitt: das neue Wasserwerk in Groß Bäbelin und eben besagtes Pumpwerk im Serrahner Paradiesweg.

Steffen Drinkmann, der 2015 von dem Projekt aus der Zeitung erfahren habe, wehrt sich von Anfang an gegen den neuen Nachbarn. „Links und rechts die Straße weiter wohnt meilenweit niemand, wieso wird ausgerechnet hier gebaut?“, fragt der 43-Jährige. Nach der Wende habe er das Haus der Großeltern übernommen, in dem er mit seiner Familie, Mutter und Hund lebt. Als Bankkaufmann wisse er, dass solch ein Bauwerk in der Nachbarschaft das Grundstück in seinem Wert beeinträchtige, sagt er. Lärm und Vibrationen würden von solch einer Anlage ausgehen, argwöhnt er schon jetzt. Er wolle aber gar nicht ausziehen oder verkaufen, beteuert er, und er sei auch nicht scharf auf eine Entschädigung, nein: Er wolle das Pumpwerk einfach nicht und Punkt.

Was Steffen Drinkmann auch noch ärgert ist die für ihn unbefriedigende Informationspolitik seitens WAZ und Behörden. Auf seinen schriftlichen Einspruch hin bei der unteren Bauaufsicht im Landkreis hatte die ihm 2015 mitgeteilt: Eine Baugenehmigung sei hier nicht erforderlich, also gäbe es gar keinen Verwaltungsakt – und demzufolge auch keine Möglichkeit zum Widerspruch. Vom WAZ wiederum erfuhr er (auch dies bereits 2015), seine Bedenken würden im Rahmen des Genehmigungsverfahrens bedacht werden. Ja, was denn nun? Erst mal passierte lange Zeit nichts. Weil sich an seiner Grundstücksgrenze kürzlich aber etwas tat, Leute vermessen haben, erinnerte er den WAZ an seinen „Widerspruch“. Am 24. April kommt die Antwort prompt: Ab 15. Mai wird gebaut. Punkt. Steffen Drinkmann: „Die bauen jetzt ohne weitere Anhörung, obwohl die doch wussten, dass ich damit ein Problem habe!“

Das wusste der WAZ in der Tat, bestätigt die Geschäftsführerin. Deshalb habe man Herrn Drinkmann auch die Besichtigung einer vergleichbaren Anlage angeboten, um seine Bedenken zu zerstreuen. Gödke: „Da relativiert sich manche Befürchtung. Unser Angebot wollte er aber nicht annehmen.“ Warum ausgerechnet hier gebaut wird? Gödke erläutert es: An dieser Stelle sei die „wasserwirtschaftlich sinnvollste Stelle“ für das Vorhaben, mit dem der Verband „großflächige Probleme in der Trinkwasserversorgung rund um Krakow am See“ löse. Falls es mal Stromausfall gibt, das Wasserwerk nicht funktioniert… hier sei der höchste Punkt, so dass für den Fall der Fälle die Wasserversorgung dennoch gesichert sei. Katja Gödke: „Eine Alternative können wir ihm nicht bieten.“ Ein Immissionsgutachten sei „selbstverständlich“ erstellt worden, das sei Auflage gewesen. Es habe keine Beeinträchtigungen durch den Betrieb der geplanten Anlage offenbart. Für die lange Zeit der Bauphase sagt Katja Gödke: „Wir werden versuchen, ihn so wenig wie möglich zu beeinträchtigen.“

Keine Stellungnahme wollte der Landkreis zu der Sache abgeben; Sprecher Michael Fengler verweist auf eine Eilentscheidung, die Herr Drinkmann beim Verwaltungsgericht Schwerin gegen den Bau der Pumpstation erwirken will.

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