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Ausstellung : Barlachs kurzer Weg zum Pazifisten

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Ausstellung „Ernst Barlach und der Erste Weltkrieg“ im Ausstellungsforum am Heidberg eröffnet

Die Ernst-Barlach-Stiftung in Güstrow hat anlässlich des 100. Jahrestages des Ersten Weltkrieges im Ausstellungsforum die Sonderausstellung „Ernst Barlach und der Erste Weltkrieg“ eröffnet. „Heute vor 100 Jahren marschierten deutsche Truppen in Belgien ein. Genau 100 Jahre ist es auch her, dass Ernst Barlach sein ,Güstrower Tagebuch’ begann, das sehr bald zum „Güstrower Kriegstagebuch’ wurde“, erinnerte Kurator Dr. Volker Probst zur Vernissage am Sonntag. Anhand von Tagebüchern und bislang noch nie gezeigten Zeichnungen und Skizzenbüchern seiner Soldatenzeit gewährt die Ausstellung nicht nur Einblicke in den wohl prägendsten Abschnitt der Biographie Ernst Barlachs, sie gibt auch Aufschluss über bisher weniger bekannte Facetten seines Werkes. Gezeigt werden 20 Plastiken, über 40 Zeichnungen und Druckgrafiken sowie 20 Werke anderer Künstler wie Liebermann, Slevogt und Corinth. Dazu sind einige Zeitdokumente wie Karabiner, an denen Barlach ausgebildet wurde, zu sehen, eine Uniform, historische Fotos.

In ihrer neuen Ausstellung widmet sich die Ernst-Barlach-Stiftung dem bislang kaum beachteten Aspekt, wie der Bildhauer, Zeichner und Schriftsteller Ernst Barlach (1870-1938) zunächst den Ersten Weltkrieg begrüßte. Wie viele seiner Zunftgenossen zeigte auch Barlach anfänglich eine unverhohlene Kriegsbegeisterung, die sich in seinem „Güstrower Tagebuch“, das er von 1914 bis 1917 verfasste, ausführlich dokumentiert findet. Spätestens während seiner dreimonatigen Ausbildung zum Landsturmmann (Dezember 1915 bis Februar 1916 im nordschleswigschen Sonderburg) kamen ihm jedoch heftige Zweifel an der Sinnhaftigkeit und Legitimation des Krieges, der schon zu diesem Zeitpunkt erkennbar einen radikalen Umbruch aller Lebensbereiche bewirkt hatte. Etwa ab Anfang 1916 setzte eine grundlegende Veränderung in Barlachs Einstellung zum Krieg ein, die ihn zu einem vehementen Kriegsgegner und Pazifisten werden ließ. Der Weg dorthin war ein recht kurzer angesichts des Soldatentodes, der so viele Künstler wie nie zuvor ereilte, oder deren Rückkehr von der Front, geistig-nervlich völlig verstört und zerstört. Dabei hatten sich doch auch die meisten Künstler als Teil der „Kampfgemeinschaft“ gesehen und sich freiwillig zur Front gemeldet. Barlach selbst hatte da noch Glück, er musste nicht einen Schuss abgeben, wie Dr. Ernst Piper von der Universität Potsdam in Ausführungen zur Kulturgeschichte des Ersten Weltkriegs herausstellte. Anhand eines herausragenden Künstlers der klassischen Moderne gebe die Ausstellung auch Aufschluss über den durch den Ersten Weltkrieg bewirkten Epochenbruch, stellt die Ernst-Barlach-Stiftung heraus.

Die Exposition zeigt in mehreren thematischen Bereichen Barlachs Auseinandersetzung mit dem Weltkrieg: als freiwilliger Helfer in einem Güstrower Kinderhort, als Landsturmmann in Sonderburg und im Lager Lockstedt, die Ausbildung an Infanteriewaffen. Den vieler orten erschienenen Künstlerflugblättern, für die nahezu alle namhaften Künstler Beiträge lieferten, ist ein eigenes Kapitel gewidmet, ebenso Barlachs Kriegerehrenmalen der Jahre 1921 bis 1931.




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