Güstrow : Barlach und der Erste Weltkrieg

Als signifikantes Beispiel für den Wandel zeigt Volker Probst die Skulptur „Der Rächer“ von 1922 nach einem Modell von 1914. Beide werden in der Sonderausstellung zu sehen sein.
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Als signifikantes Beispiel für den Wandel zeigt Volker Probst die Skulptur „Der Rächer“ von 1922 nach einem Modell von 1914. Beide werden in der Sonderausstellung zu sehen sein.

Die Ernst-Barlach-Stiftung thematisiert ab 3. August in einer Sonderausstellung das Verhältnis von Ernst Barlach zum Ersten Weltkrieg. Sie zeigt die Wandlung des Künstlers vom anfänglich Kriegsbegeisterten zum Gegner von Krieg und Gewalt.

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23. Juli 2014, 06:00 Uhr

„Ich glaube, wer den Krieg malen will, muss erst den Frost malen lernen. Ernst Barlach und der Erste Weltkrieg“ ist eine Sonderausstellung überschrieben, die am Sonntag, dem 3. August, 11.30 Uhr, im Ausstellungsforum am Heidberg eröffnet wird. Sie zeigt den Künstler als Mensch in einer Zeit, nach der nichts mehr war wie zuvor.

Zwei Tage nach Beginn des Ersten Weltkrieges am 1. August 1914 begann Barlach Tagebuch zu schreiben. „Man ist erstaunt, wie euphorisch er den Krieg begrüßte“, sagt Volker Probst. „Erschrocken und sprachlos. Unser Barlach. Wie kann das sein?“, fügt der Geschäftsführer der Ernst-Barlach-Stiftung und Kurator der Ausstellung hinzu. Er begab sich auf Spurensuche und entdeckte viele kleine Facetten. „Wir wollten unter anderem nicht nur mitteilen, dass Barlach von Dezember 1915 bis Februar 1916 im nordschleswigschen Sonderburg zum Landsturmmann ausgebildet wurde“, erklärt Probst. So machte er das Haus, in dem Barlach in Sonderburg lebte, ausfindig, erfuhr, dass er im Lager in Lockstädt bei Itzehoe exerzierte und identifizierte drei Gewehre, mit denen Barlach geschossen hatte. Modelle dieser Waffen werden in der Ausstellung ebenso zu sehen sein wie ein Waffenrock des Infantrie-Regiments 85, Briefe an die Mutter, Fotos und Skizzenbücher. „Und wir zeigen den Umbruch von anfänglicher Kriegsbegeisterung zum Gegner von Krieg und Gewalt“, betont der Kurator und macht das Jahr 1916 als Zeit der Wandlung aus. Der Tod seines jüngeren Freundes Max Dietzel (1883-1916) an der Front mag den Wandel befördert haben. Bei Paul Cassierer unter Vertrag hatte Barlach wie andere Künstler auch patriotische Beiträge geliefert, widmete sich nun aber mehr christlichen Themen wie Tod, Schmerz und Trauer, berichtet Probst. „Barlach entwickelte einen neuartigen Denkmalstypus“, macht Probst aufmerksam und benennt das Magdeburger Ehrenmal als Beispiel. Barlach thematisierte den modernen Krieg mit Stahlhelm statt Pickelhaube, mit Gasmasken, er zeigte Tod und Verstümmelung und gar die Wahnsinnigen, über die damals niemand gesprochen habe, zählt der Kurator der Ausstellung auf. Einen Aufschrei hätten seine Denkmale ausgelöst. „Zum Glück sind alle wieder da, wo sie hingehören“, fügt Probst hinzu.

Die Handschriften Barlachs sollen in der Ausstellung denen von Ernst Jünger, Soldat an der Westfront, gegenübergestellt werden. „Wir schlagen bestimmte Tage auf. Der Besucher kann die Eintragungen vergleichen“, kündigt Probst an.


Kuratorenführung, Film und Musik


Die Ausstellung werde von einigen Veranstaltungen begleitet. Eine Kuratorenführung mit Volker Probst ist für den 12. August, 14.30 Uhr, geplant. Zum Jahrestag der Abnahme des Schwebenden hält Probst am 23. August, 19.30 Uhr, einen Vortrag im Dom. Am 23. September, 19 Uhr, wird im Ausstellungsforum der Film „Im Westen nichts Neues“ gezeigt. Zur Finissage am 19. Oktober, 11.30 Uhr, spielt Rainer Promnitz (Dresdner Philharmonie) eigene Kompositionen und liest Helga Thieme (Barlachstiftung) aus den Tagebüchern von Barlach und Jünger.

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