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Geschichte der Eisenbahn : Bahnstation mitten im Paradies

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Bahnhofpilz mit Informationstafel zur Eisenbahngeschichte in Krakow am See ausgestattet

von
erstellt am 21.Jul.2015 | 05:49 Uhr

Geschützt unter einem Schilfdach kann der geneigte Besucher oder auch Einheimische am Krakower Bahnhof Näheres über die Geschichte der Eisenbahn im Luftkurort erfahren. Die Info-Tafeln ließ die Stadt in der vergangenen Woche anbringen. Egon Müncheberg (84) war einer der ersten Interessierten am Bahnhofpilz. Viele Erinnerungen kamen beim Lesen der Texte in ihm hoch, hat der Krakower doch sein ganzes Arbeitsleben auf dem Krakower Bahnhof verbracht.

Am 3. April 1945, er weiß es noch ganz genau, begann er seine Lehre bei der Bahn. „Als Betriebsjunghelfer – so nannte man das damals“, erinnert sich Egon Müncheberg. Später war er jahrzehntelang Fahrdienstleiter und Aufsicht auf dem Bahnhof bis er 1991 in den Ruhestand ging. Es sei eigentlich jeden Tag die gleiche Arbeit zu erledigen gewesen. Wenig aufregend, meint der heut 84-Jährige. Die Texte der Infotafeln fassen die Geschichte der „Bahnstation mitten im Paradies“ – in Anspielung auf Fritz Reuter, der die Gegend um Krakow am See als solches beschrieb – aus seiner Sicht gut zusammen. So ist u.a. zu lesen, dass am 5. Dezember 1882 in Anwesenheit des Großherzogs Friedrich Franz von Mecklenburg die Eisenbahnstrecke Güstrow-Plau feierlich eröffnet wurde.

Der Interessierte erfährt auf den Tafeln auch, wie der Bahnhof königlich wurde. Selbst hat Egon Müncheberg das nicht erlebt, kennt es aber aus vielen Erzählungen. Königin Wilhelmina der Niederlande, die manchen Sommer auf dem Landgut in Dobbin verbrachte, sei wie damals üblich vorzugsweise mit dem Zug gereist. „Die Herrschaften reiten im Salonwagen und stiegen dann in Krakow in eine Kutsche“, erzählt Egon Müncheberg. Nach 1905 war ein „Fürstentrakt“ angebaut worden, wo ihre Majestät Wartezeiten überbrücken konnte. „In diesem Anbau ist heute der Imbiss untergebracht“, berichtet Egon Müncheberg.

Viel, so meint der 84-Jährige, sei von der Eisenbahngeschichte in Krakow am See nicht übriggeblieben. Mit Wehmut denkt er an den 23. September 2000 als nach 118 Jahren Eisenbahn ein vorläufiger Schlussstrich gezogen wurde. Heute passieren nur noch dann und wann Sonderzüge den Krakower Bahnhof. „Mit vier Gleisen und einer maximalen Ausdehnung des Bahnhofsbereiches auf zwei Kilometer war Krakow einst gar nicht so unbedeutend“, hebt der 84-Jährige hervor. Er erinnert sich u.a an ein Anschlussgleis für ein Sägewerk.  

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