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Güstrower Anzeiger

24. Oktober 2017 | 02:15 Uhr

Güstrow : Bäcker aus Leidenschaft

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Hans-Jürgen Kubin aus Güstrow erhielt vor 50 Jahren seinen Meisterbrief – im Kreativbackstudio seines Sohnes Jens hilft er noch heute gerne aus.

Am kommenden Dienstag gibt es bei Hans-Jürgen Kubin (74) aus Güstrow einen besonderen Tag zu feiern. Denn vor 50 Jahren erhielt der Bäcker seinen Meisterbrief. Außerdem kann er auf ein 50-jähriges Arbeitsleben und schon mehr als 50 Ehejahre zurück blicken.

„Ich bin aus Leidenschaft Bäcker geworden“, erzählt Hans-Jürgen Kubin. Schon zu Hause habe er häufig in der Küche gestanden und gern gebacken. Geboren wurde der Bäckermeister in Berlinchen, einer Kleinstadt, die heute zu Polen gehört. Dort hatte sein Vater 1937 noch eine Bäckerei gekauft – Großvater und Urgroßvater waren ebenfalls Bäcker. Nach dem Krieg kam Hans-Jürgen Kubin mit seiner Mutter und den Geschwistern zuerst nach Rubow. Sieben Mal musste die Familie umziehen, bis sie in Niendorf sesshaft wurden. Bereits als 13-Jähriger fuhr Hans-Jürgen Kubin Brote für seinen Vater aus – wahrscheinlich lag ihm der Beruf schon im Blut. Doch kurze Zeit später starb zuerst seine Mutter und dann auch der Vater. Wenn seine Schwester und Schwager ihn nicht aufgenommen hätten, wäre er in ein Heim gekommen. So verbrachte er schließlich einige Jahre in Lalendorf und kam 1958 zur Lehre nach Güstrow. „Bei Bäcker ‚Agatz‘ an der Ecke Krönchenhagen habe ich gelernt“, erzählt er. Dort lernte Hans-Jürgen Kubin schließlich auch seine Frau Auguste kennen und wurde in der Barlachstadt heimisch.

Im Zuge der Enteignung wurde der Bäckerbetrieb zum Volkseigenen Betrieb (VEB) Backwaren zugeordnet und Hans-Jürgen Kubin konnte in eineinhalb Jahren seinen Industriemeister absolvieren. Als er schon als Meister die Feinbäckerei-Abteilung zu verantworten hatte, drückte er nochmals die Schulbank und hängte in Dippoldiswalde seinen Lebensmittelingenieur dran. „Immer hat meine Frau hinter mir gestanden“, betont Hans-Jürgen Kubin. Sie habe oftmals zu Hause allein alles gemanagt, während er für die Verantwortung seine Zeit investieren musste. Oftmals seien es sechs Arbeitstage gewesen und wenn am Wochenende oder abends das Telefon klingelte musste der Bäckermeister nochmals los, erzählt er. Auch wenn manche Zutaten in dieser Zeit schwierig zu bekommen waren, wie Sultaninen oder Orangeat – beim VEB Backwaren war dies kaum zu merken. „Wir haben viel bekommen, weil wir auch Schiffe belieferten“, so berichtet der Bäckermeister. Dazu hatten sie 500 Geschäfte mit Waren zu versorgen.

Spannend wurde es für den heute 74-Jährigen in der Wendezeit. Als in Sternberg ein neuer Backwarenbetrieb aufgebaut werden sollte, meldete er sich als Meister. Nach 14 Tagen Einarbeitung in Hamburg, sollte er das Qualitätsmanagement so in Sternberg umsetzen. Kubin hatte den Einkauf und die Produktion unter sich. Am Ende seiner Tätigkeit 2007 waren es 68 Geschäfte, die von der Bäckerei beliefert wurden und 40 Mitarbeiter verdienten hier ihre „Brötchen“. Noch heute ist Hans-Jürgen Kubin einmal in der Woche in einer Backstube zu finden. Immer freitags hilft er seinem Sohn Jens bei den Pfannkuchen. „Das tue ich gern“, sagt der Ruheständler. Und wenn er nicht in der Backstube steht, dann hat er rund um Haus und Garten auch genügend Beschäftigung.

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