Kulturcamp in Lohmen : Babylonisches Sprachgewirr

Mari (Georgien), Carlos (Mexiko), Anna (Russland), Juliane (Deutschland), Arya (Türkei), Gabi (Tschechien) sowie Aki und Yuka (beide Japan, von links) arbeiten zurzeit in Lohmen gemeinsam an einem Theaterstück.
Mari (Georgien), Carlos (Mexiko), Anna (Russland), Juliane (Deutschland), Arya (Türkei), Gabi (Tschechien) sowie Aki und Yuka (beide Japan, von links) arbeiten zurzeit in Lohmen gemeinsam an einem Theaterstück.

Teilnehmer eines internationalen Kulturcamps proben Theaterstück in alter Schule in Lohmen

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01. September 2015, 06:00 Uhr

In Lohmens ehemaliger Schule geht es wieder einmal international zu. Für drei Wochen haben sich acht Teilnehmer eines Kulturcamps einquartiert. Würde jeder in seiner Muttersprache kommunizieren, herrschte bald ein babylonisches Sprachgewirr. Um sich zu verständigen, ist die Campsprache Englisch.

Die wird auch gesprochen, wenn die jungen Frauen und Männer gemeinsam ein Theaterprojekt entwickeln, das sie in der dritten Woche vor Einwohnern und Gästen aufführen wollen. „Auch in Englisch, aber wir werden die Sprache sparsam verwenden. Die leicht verständliche Handlung soll sich über die Musik und das Spiel erschließen“, erklärt Juliane Fleischer. Die 24-Jährige leitet das Camp im Auftrag des in Rostock ansässigen Vereins Norddeutsche Jugend im Internationalen Gemeinschaftsdienst (NIG). „NIG hat viele Partner in der Region. Neben Lohmen beispielsweise auch die Stadt Teterow. Die Campangebote an die Jugendlichen werden in aller Welt veröffentlicht“, sagt Fleischer. Sie hatte vor zwei Monaten erst ein internationales Arbeitscamp in Lohmen geleitet. „Im Gegenzug stellt uns die Gemeinde die Quartiere kostenlos zur Verfügung“, erläutert die Leiterin.

Wenn die jungen Leute auch aus sehr unterschiedlichen Bereichen kommen, so haben sich doch alle für Deutschland entschieden, um das Land näher kennen zu lernen. „Deutschland ist ein wundervolles Land“, schwärmt Aki aus Japan. Ihr Landsmann Yuga, der noch ein Jahr Soziologie studiert, ist so begeistert von dem Gastgeberland, dass er begonnen hat, Deutsch zu lernen. Carlos aus Mexiko, der Ingenieur in der Computerbranche werden möchte, hofft, viel über die Kultur zu erfahren, während die Tschechin Gabi schon ihren künftigen Beruf im Auge hat. Sie will in Prag Internationales Business studieren.


Gemeinsames Kochen verbindet


Den ersten Anlass für eine kleine Feier steuerte Mari, mit 17 Jahren jüngste Campteilnehmerin, bei. Die Georgierin erfuhr am ersten Abend, dass ihr beantragtes Stipendium für ein Designstudium genehmigt sei. Kennen lernen sich die jungen Leute, die Ausflüge nach Güstrow und Rostock unternehmen, auch über das gemeinsame Kochen. „Gestern haben Mari und Yuga, also Georgien und Japan, italienisch gekocht. War sehr lecker“, verrät Juliane Fleischer. Die Leiterin erzählt, dass die zumeist aus größeren Städten nach Lohmen kommenden Frauen und Männer zunächst begeistert seien von der ländlichen Ruhe und Abgeschiedenheit. Doch in den drei Wochen stellen sich auch Defizite ein. „Am meisten wird W-Lan vermisst und für mache ist die viele Ruhe dann doch zu viel“, schmunzelt Juliane Fleischer.

Lohmens Bürgermeister Bernd Dickau mag die Camps, die die Gemeinde seit vielen Jahren mit NIG Rostock organisiert. „Wir haben einige ökologische Projekte realisiert und die Theateraufführungen bringen kulturelle Vielfalt in die Gemeinde“, sagt er. Die Camps reihen sich in eine Vielzahl von internationalen Aktivitäten ein. So unterhält die über 800 Einwohner zählende Gemeinde Partnerschaften zu Kommunen in Dänemark, Schweden, Tschechien und Afrika.

Der Europarat in Straßburg zeichnete das weltoffene und gastfreundliche Lohmen zudem mit einem „Europadiplom“ aus. Und im Dezember feiert die Gemeinde bereits ihren 12. europäischen Weihnachtsmarkt.

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