B 104: Güstrow fordert Planungsstopp

<strong>Für den Schwerverkehr </strong>brächte eine 'echte' Umgehungsstraße noch am ehesten Vorteile. <foto> Foto: Eckhard Rosentreter</foto>
Für den Schwerverkehr brächte eine "echte" Umgehungsstraße noch am ehesten Vorteile. Foto: Eckhard Rosentreter

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12. Juli 2012, 05:35 Uhr

güstrow | Geht es nach der Stadt Güs trow, dann wird die Ampel für das Planungsverfahren für die Ortsumgehung B104 sofort auf Rot gestellt. Zunächst einmal sollen die Potenzen innerstädtischer Verbindungsstraßen ausgelotet werden, fordert die Stadtvertretung das Straßenbauamt auf.

Im Ergebnis soll eine grundsätzliche Prüfung stehen, ob die seit Jahrzehnten projektierte Ortsumgehung überhaupt aus kommunaler Sicht noch sinnvoll ist. Damit fährt die Stadtvertretung zur Entlastung des innerstädtischen Straßenverkehrs in der gleichen Spur wie Bürgermeister Arne Schuldt. Der hatte sich für einen solchen Vorstoß bereits im Januar vom Hauptausschuss grünes Licht geholt (SVZ berichtete).

Bisher ist ein für den Bau der Ortsumgehung wesentlicher Planungsschritt, das Raumordnungsverfahren, durch das Straßenbauamt nicht ausgelöst worden. Der Bau einer Ortsumgehung kann also noch gestoppt werden. Die auf 36 Millionen Euro veranschlagten Baukosten ließen sich, so die Intention der Stadt, mit der Suche nach innerstädtischen Verbindungen deutlich drücken und zugleich sinnvoller ausgeben. Untersuchungen hätten gezeigt, dass der Durchgangsverkehr ohnehin nur 5 Prozent des Gesamtverkehrs in der Kreisstadt ausmache. Lediglich an den Ein- und Ausfahrten der Stadt steige der auf gerade mal rund 10 Prozent. Deshalb sollen erst Modellrechnungen über innerstädtische Trassen den Umgehungstudien gegenüber gestellt werden.

Vier Varianten zur Umgehung Güs trows bietet das Straßenbauamt nach langjährigen Untersuchungen der aktuellen und der prognostizierten Verkehrsströme an: drei, die nördlich Güs trow umfahren, eine südliche (SVZ berichtete). Während letztere jene ist, die offenkundig die geringsten Kosten verursachen würde, hat diese jedoch mit der Nähe des Inselsees erhebliche Umwelt-Konfliktpunkte zu umfahren. Außerdem verspricht diese den kleinsten Effekt, vor allem beim Gesamtverkehr Güstrows. Lediglich in der minimal prognostizierten Gesamtbelastung wäre die Entlastung ähnlich den Nordvarianten. Auch im Durchgangsverkehr käme sie den nördlichen nahe, bei weitem jedoch nicht im Mittel des Gesamtverkehrs.

Bliebe eine nördliche Umfahrung der Kreisstadt, die jedoch wegen einer Vielzahl erforderlicher Brückenbauten die teurere wäre. Drei unterschiedlich stadtnahe Varianten wurden entwickelt. Diese hätten vor allem den Vorteil, dass sich die Fahrzeiten des Schwerverkehrs für die "Durchfahrt" Güstrows um rund 45 Prozent verringern ließen (Südvariante 20 Prozent). Überhaupt: Den größten Nutzen einer "echten" Umgehung hätte der Schwerverkehr - und damit natürlich die entlasteten Wohngebiete. Die Fahrzeiten des Gesamtverkehrs ließen sich um rund ein Viertel verringern (Süd 12 Prozent). Zudem wären im Norden, anders als im Süden, die B103 aus Laage und die L14 aus Bützow an die Umgehung angebunden. Die stadtnaheste Variante der nördlichen Linienführung verspricht die größte Attraktivität für den Durchgangsverkehr wie auch für den so genannten Ziel- und Quellverkehr, also für Fahrzeuge, die nach bzw. aus Güstrow fahren.

Der aktuelle Bundesverkehrswegeplan, in dem die Ortsumgehung Güs trow mit Vorrang angesehen wird, ist bis zum Jahr 2015 ausgelegt. Er beinhaltet jedoch noch nicht die Finanzierung. Das ist ein Ausgangspunkt für die Argumentation von Stadtvertretung und Bürgermeister, das Konzept grundsätzlich noch einmal auf den Prüfstand zu stellen.

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