Jobsuche : Azubis knapp? Fabian sucht noch eine Lehrstelle

„Auf drei Lehrstellen nur zwei Bewerber“: Iris und Fabian Wallm suchen für den Zehntklässler noch einen Ausbildungsplatz.
Foto:
„Auf drei Lehrstellen nur zwei Bewerber“: Iris und Fabian Wallm suchen für den Zehntklässler noch einen Ausbildungsplatz.

Schon über 30 vergebliche Bewerbungen: Fabian aus Güstrow will sich nach der Schule „keinen Bunten machen“.

von
28. April 2015, 06:00 Uhr

„Betriebe in Mecklenburg-Vorpommern müssen sich strecken, wenn sie in diesem Jahr alle Lehrstellen besetzen wollen.“ So hieß es erst vor zwei Wochen in unserer Zeitung. Beleg: Ende März standen 6400 offenen Ausbildungsplätzen noch 4600 bei den Arbeitsagenturen gemeldete Bewerber gegenüber, die noch unversorgt sind.

Iris Wallm liest solche Meldungen erstaunt. Denn ihr Sohn Fabian habe bisher keineswegs eine Lehrstelle in Aussicht, wenn er im Sommer aus der Schule kommt. Seit November bereits bewerbe der sich bei verschiedenen Arbeitgebern, Ausbildungseinrichtungen und in unterschiedlichen Richtungen. „Bestimmt 30 bis 35 Bewerbungen habe ich schon geschrieben“, sagt Fabian. Nach Rostock, Bützow, Teterow, Parchim und natürlich in Güstrow – ergebnislos. Woran das liegt? Er habe da schon eine mögliche Erklärung: die Schulnote 4 in Mathematik und Englisch, wie sie auf dem letzten Halbjahreszeugnis nun mal stehe. „Das stimmt“, sagt Fabian, „da bin ich keine Leuchte.“ Aber insgesamt habe er dennoch einen Notendurchschnitt von 2,5, und das sei doch nicht schlecht, meint der 16-Jährige. Und die letzten Prüfungen in der 10. Klasse, die jetzt bevorstehen, die „kriege ich auf die Reihe“, ist sich der Wossidlo-Schüler ganz sicher.

Am liebsten würde er dann Tischler lernen. Dass das nicht so einfach werde, habe er ja inzwischen erfahren. Deshalb nehme er auch die Berufsberatung in Anspruch. Deshalb habe er auch weitere Bewerbungen laufen: als Metallbauer, als Lagerfachkraft, als Koch…. „Wo sind denn diese ganzen Stellen?“, fragt sich Iris Wallm. Fabians Mutter weiß selbst, wie schwer es ist, erst einmal in prekäre Situation gerutscht, da wieder herauszukommen. Seit 20 Jahren schule sie um, bilde sich weiter, arbeite in Mini-Jobs, z.B. als Betreuerin für Demenzerkrankte oder als Hauswirtschaftskraft, um über die Runden zu kommen. „Ich will einfach nicht, dass es meinem Kind genauso ergeht. Der soll sich nach der Schule doch nicht zu Hause einen Bunten machen!“, fordert die 50-Jährige von ihrem Sohn – aber auch von der Gesellschaft, dass er dabei unterstützt wird. Dabei verstehe sie schon, dass die Berufsberatung beim Arbeitsamt keine Lehrstelle „aus dem Hut zaubern“ könne. Doch selbst wenn es nicht der Traumjob wird, möchten Mutter und Sohn aber auch gerne, dass er in der Region bleiben kann.

Als besonders respektlos charakterisiert Iris Wallm ein von ihr oft angetroffenes Verhalten von Arbeitgebern, die auf ein Bewerbungsschreiben erst gar nicht antworten. So könne sie nur mutmaßen, dass die beiden Vieren schuld sein könnten. „Das würde ich verstehen, diese Fächer sind ja wichtig“, weiß Fabian. Doch habe er durchaus Stärken, die bestimmt gut ankämen, meint der Schüler und bezeichnet sich selbst als höflich, hilfsbereit, zuverlässig… Erst einmal, vorige Woche, als er sich beim Berufsbildungsverein in Steinhagen vorgestellt habe, sei er nicht nur nach den Zensuren gefragt worden. Vielleicht ja ein kleiner Lichtblick? Die Entscheidung stehe aber noch aus.  

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen