Abwicklung : AWG stellt Weichen in Parchim neu

Der Parchimer Zweig der Genossenschaft brachte mehrere artfremde Betätigungsfelder in die Fusion mit der Güstrower AWG. Erhard Vick, Geschäftsführer, wickelt die ABS jetzt ab.
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Der Parchimer Zweig der Genossenschaft brachte mehrere artfremde Betätigungsfelder in die Fusion mit der Güstrower AWG. Erhard Vick, Geschäftsführer, wickelt die ABS jetzt ab.

Nach Fusion der Wohnungsgenossenschaften werden Geschäftsfelder überprüft / Tochterunternehmen wird abgewickelt

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25. März 2015, 06:00 Uhr

„Es ist traurig, aber unvermeidlich“, sagt Norbert Karsten, Vorstandsvorsitzender der AWG Güstrow-Parchim. „Das Abenteuer ABS Parchim muss so schnell wie möglich beendet werden. Für uns hat Priorität, weitere Verluste zu vermeiden.“ Der Vorstand der AWG hat hat bereits vor Wochen die Reißleine gezogen und das Aus für die Tochterfirma ABS besiegelt.

Hintergrund: Im Sommer 2012 hatte die Parchimer Wohnungsgenossenschaft (PWG) – die im Vorjahr mit der AWG Güstrow fusioniert ist – die Beschäftigungsgesellschaft ABS Parchim übernommen. Damit sollten einerseits Projekte in Kooperation mit dem dortigen Jobcenter weitergeführt und andererseits der Servicebereich der PWG neu gestaltet werden. „Es war eine gut gemeinte Idee, die letztendlich betriebswirtschaftlich nicht umsetzbar war. Geändert haben sich vor allem die arbeitsmarktpolitischen Rahmenbedingungen. ABM waren politisch nicht mehr gewollt“, gibt Norbert Karsten zu bedenken. Inzwischen seien nicht nur rund die Hälfte des Betriebsvermögens der ABS verbraucht, sondern auch Verluste in sechsstelliger Höhe aufgelaufen. Nun käme es darauf an, Inventar und Grundstück möglichst bald zu veräußern, um weiteren Schaden von der AWG abzuwenden. Für die Abwicklung, die bis Jahresende abgeschlossen sein soll, ist der bisherige ABS-Geschäftsführer Erhard Vick zuständig. „Es gibt erfreulicherweise Interessenten“, sagt der.

Mit der ABS geht in Parchim eine Ära zu Ende. 1992 war sie als eine der ersten Beschäftigungsgesellschaften aus der Taufe gehoben worden, um vor allem frühere Mitarbeiter des Hydraulikwerkes aufzufangen. Die Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur war überaus erfolgreich. In zwei Jahrzehnten hatten hier mehr als 3000 Frauen und Männer einen Job auf Zeit gefunden und mit anspruchsvollen Projekten die benachbarte Kreisstadt und deren Region voran gebracht. Dazu gehören der Ausbau des Pingelhofs, viele Tourismus- und Umweltprojekte, die Ausgestaltung des Buga-Außenstandortes Parchim, die Vorbereitung der Sanierung der großen Kirchen in der Stadt, der Aufbau der Elde-Flotte mit vier Schiffen und die Bewirtschaftung eines Wasserwanderrastplatzes. „Wie zugesagt, werden wir den Hafen in der bevorstehenden Saison sowie die Ausflugsschiffe ,Elde-Queen’ und ,Räuber Vieting’ noch einmal betreiben. Danach ist aber auch bei diesen für eine Wohnungsgenossenschaft artfremden Betätigungsfeldern definitiv Schluss“, stellt Karsten klar. „Wir sind unseren Mitgliedern verpflichtet, ihnen gutes und sicheres Wohnen zu bieten. Darauf müssen wir unsere tägliche Arbeit ausrichten“, sagt der Vorstandsvorsitzende. Karsten betont: „Deshalb kommt vieles auf den Prüfstand. Wir leben in der Marktwirtschaft und sind nur zukunftssicher, wenn wir uns auf die Vermietung konzentrieren und diese professionell betreiben.“


In Parchim deutlich höherer Leerstand


Neben der Abwicklung der ABS, rückt auch der Leerstand von AWG-Wohnungen in Parchim in den Fokus. „Rund acht Prozent Leerstand sind im Vergleich mit der Situation in Güstrow, wo nur bis zu 3,5 Prozent der Wohnungen nicht bewohnt sind, völlig unbefriedigend. Da kommen wir an einen Rückbau nicht vorbei. Dies wird die Parchimer Weststadt betreffen. Wir werden das mit betroffenen Mietern gründlich besprechen und vorbereiten“, verspricht der Vorstand.

Ein weiteres Themenfeld ergibt sich für die AWG in Parchim aus dem demografischen Wandel. In Güstrow gibt es bereits 200 altersgerechte Genossenschaftswohnungen, in Parchim ist der Nachholbedarf groß. „Wir wollen auf diesem Gebiet vorankommen und uns nicht mehr auf Nebenschauplätzen verzetteln, sondern beispielsweise in der Parchimer Innenstadt investieren. Das ist für die AWG eine Herausforderung“, sagt Norbert Karsten.

Neu geregelt wurde inzwischen auch die so genannte Geschäftsbesorgung für die Wohnungsgenossenschaft in Grabow. Seit 2007 hatte sich die frühere PWG hier engagiert. Seit Anfang März ist Erhard Vick dort als hauptamtlicher Vorstand für rund 350 Mieter in 399 Wohnungen zuständig. Die Wohnungsgenossenschaft „An der Elde eG Grabow“ ist eigenständig.

Die Zusammenarbeit mit dem Förderverein „Uns Hüsung“ liegt dem AWG-Vorstand sehr am Herzen. „Wir wollen die Geschäftsbeziehungen transparent gestalten und ein normales Verhältnis zwischen Aufwand und Nutzen herstellen. Alles, was wir anbieten, muss hinsichtlich der Kosten, Organisation und der Zielgruppen sinnvoll sein und ökonomisch funktionieren“, gibt Norbert Karsten zu bedenken.  

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