Unterschriftensammlung gegen eine Toilette : Automaten-Klo zu unpersönlich

Martina Senkel und Beate Jachmann-Buchholz wollen am Markt weiterhin eine Toilette mit Personal Quelle:ZVS
Martina Senkel und Beate Jachmann-Buchholz wollen am Markt weiterhin eine Toilette mit Personal Quelle:ZVS

Die Güstrower Marktfrauen protestieren. Sie wollen nicht, dass die öffentliche Toilette am Markt durch einen Automaten gereinigt wird. Die angestellte Reinignungskraft müsste dann nämlich gehen.

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15. Oktober 2011, 10:41 Uhr

Güstrow | Die Marktfrauen sind empört. Während sie Obst, Gemüse und Fleisch verkaufen, kommt das Gespräch mit Stammkunden in dieser Woche immer wieder auf ein Thema: die öffentliche Toilette am Markt. Sie wird bisher durch eine Reinigungskraft betreut. Das soll sich ändern. Ab dem nächsten Jahr könnte ein Automat den Arbeitsplatz ersetzen. Das wollen die Marktfrauen nicht und sammeln jetzt Unterschriften für den Erhalt einer betreuten Toilette auf dem Markt. Bei der Stadt allerdings wird derzeit die Umstellung auf ein Automaten-Klo geprüft.

Der Bewirtschaftungsvertrag laufe zum Jahresende aus, bestätigt Bürgermeister Arne Schuldt. Um künftig Geld zu sparen, werde durch das Fachamt geprüft, ob eine Bewirtschaftung auch ohne Personal möglich wäre, welche Umbauarbeiten dazu notwendig wären und was das kosten würde. Der Hauptausschuss, so kündigt Schuldt an, werde dann entscheiden in welcher Form eine Bewirtschaftung für das nächste Jahr ausgeschrieben werde. Schuldt gibt dabei insgesamt zu bedenken, dass die Toilette unter Tage ohnehin bei einer Sanierung des Marktes verschwinden würde. Sie ist nicht behindertengerecht. Eine Sanierung des Marktes aber sei derzeit noch nicht abzusehen. Schuldt nennt als frühesten Zeitpunkt 2015 oder folgende Jahre. Auch das sei bei der Entscheidung zur künftigen Bewirtschaftung der Markt-Toilette zu überlegen.


Sauberkeit und Freundlichkeit nur mit Personal

Martina Senkel nennt ganz andere Gründe für den Erhalt der jetzigen Situation. Für die Marktfrau zählen in erster Linie Sauberkeit und Freundlichkeit. "Hier hört man immer ein nettes Wort", sagt sie. An den Wänden hängen Bilder. Auf einem kleinen Tisch liegt Informationsmaterial für Touristen. "Wir wollen keine anonyme Automaten-Toilette", fügt Beate Jachmann-Buchholz hinzu. Marita Rose betreue die Toilette seit vier Jahren, sorge für Sauberkeit und auch dafür, dass die Treppe immer gefahrlos betreten werden kann. Dieser Tage fege sie mehrmals am Tag die Blätter weg.

"Hier ist alles sehr sauber und ordentlich und es ist auch ein Arbeitsplatz", gibt Karin Wendt zu bedenken. Die Güstrowerin benutzt öfter die Toilette am Markt und möchte sich künftig nicht mit einem Automaten herumärgern. "Eine Automaten-Toilette ist nie so sauber", sagt Gabi Gerion. Es gehe immer mal was daneben. Und außerdem hätten Automaten auch so ihre Tücken. Für den Güstrower Jörn-Uwe Rust ist der Gang auf die Toilette eine "sehr persönliche Angelegenheit, die mit Personal schlicht angenehmer zu erledigen" sei. Kirsten Herbst-Gray, eine Güstrowerin, die seit Jahren in Schottland lebt und zu Besuch in ihrer Heimatstadt war, kam direkt in die SVZ-Redaktion, um ihren Unmut über eine Wandlung der persönlich betreuten in eine Automaten-Toilette zum Ausdruck zu bringen. "Güstrow ist eine Touristenstadt und eine Toilette mit Personal ist auch ein Stück Gastlichkeit, die man dem Besucher entgegenbringt. Es gibt ohnehin schon genug Unpersönlichkeit in der Welt", argumentiert die Mutter eines siebenjährigen Sohnes, die schon manche negative Erfahrung mit Automaten-Toiletten in dieser Welt gemacht hat. "Wenn ein Kind sagt, dass es zur Toilette muss, hat man maximal eine Minute Zeit", gibt sie zu bedenken. Wenn dann der Automat nicht funktioniert…

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