Zu Silvester : Ausgemuht für Jugendhaus

Kuh Elsa (l.) und Kuh Hertha haben zu Silvester immer etwas  wiederzukäuen.
Kuh Elsa (l.) und Kuh Hertha haben zu Silvester immer etwas wiederzukäuen.

Das Jahr 2014 wiedergekäut: SVZ belauscht traditionell Kuh Elsa und Kuh Hertha bei ihrem Silvesterschmaus

svz.de von
31. Dezember 2013, 06:00 Uhr

Kuh Elsa und Kuh Hertha sind seit Jahren zu Silvester immer vor Ort, wo es etwas wiederzukäuen gibt. Das war auch in diesem Jahr eine ganze Menge. SVZ-Lokalredakteur Hans-Jürgen Kowalzik – und da haben sie Gespür für ein wichtiges Thema wie bei der Suche nach bestem Futter bewiesen – traf sie zu diesem Jahreswechsel vor dem Jugendhaus in Güstrow.

Kuh Elsa: Das mit dem Jugendhaus ist eine Schweinerei, weil keiner die ganze Wahrheit sagt. Und jeder pocht auf seine Aufgaben und zeigt mit dem Finger auf den anderen: Bürgermeister Schuldt, Ausschussvorsitzender Heinze und der IB-Chef spielen auch keine Glanzrolle. Meine Blähungen sagen mir, dass der das Haus abstoßen wollte. Die Leidtragenden sind die Kinder und Jugendlichen.


Deutschland ist doch reich


Kuh Hertha: Das stimmt. Aber ich habe noch Hoffnung, dass es doch bis zur Jahresmitte mit einem neuen Treff in der Nordstadt klappt. Deutschland ist doch so reich. Da will in meinen Rindviecher-Kopf gar nicht rein, dass es an 8000 Euro Betriebskosten scheitert und dass die Sanierungskosten des Traditionshauses von 600 000 Euro nicht aufgebracht werden können – wenn man will. Das sind doch im Verhältnis zu den 57 Millionen Landkreisschulden Peanuts.

Kuh Elsa: Tja, Hertha, Geld ist eben nicht alles. Damit überzeugst du auch nicht, wenn du es ausgeben willst wie ein Güstrower Unternehmer. Dessen Solaranlagen und die Sanierung eines maroden Bahngebäudes am Bahnhof und in der Speicherstraße sind bei den Stadtvertretern dreimal durchgefallen.

Kuh Hertha: Das verstehe, wer will. Hier muss ich dem Bürgermeister sogar in Schutz nehmen. Der wird oft traktiert, weil er nichts für Firmen macht. Jetzt hat er es getan, war auch nicht richtig.


Oase-Fans haben verloren


Kuh Elsa: Wie sieht’s denn eigentlich in der Oase aus. Die große Diskussion ist ja im Wasser verlaufen. Die richtigen Oase-Fans haben verloren. Geblieben ist jetzt Geld für die Sanierung der technischen Anlagen. Schade, dass die Rutsche nicht mehr dabei ist. Ich bleibe dabei: Sie fehlt.

Kuh Hertha: Muhe nicht so jämmerlich: Wir müssen einen vorläufigen Schlussstrich ziehen, weil Attraktionen Geld kosten. Das ist nicht da. Wie beim Jugendhaus. Also müssen die Besucher erst einmal mit der „Oase“ zurecht kommen wie sie sich jetzt aufstellt. Die Handy-Aktion im Saunabereich will ich deshalb übrigens heute nicht aufwärmen.

Kuh Elsa: Das trifft auf den VS-Skandal nicht zu. Er ist seit 2009 immer wieder ein Aufreger in unserem Stall. Einer der Geschäftsführer steht ja jetzt vor Gericht. Ich prognostiziere: Die Anleger werden von ihren Millionen nichts mehr sehen. Schade nur, dass der Güstrower Ex-Chef nicht vor Gericht steht. Er ist zahlendement. Da wären wir übrigens wieder beim Geld: Hier geht um 9,5 Millionen Euro. Wie viel Jugendhäuser hätte man dafür bauen können?


Klofrau durch Automat ersetzt


Kuh Hertha: Sehen oder gesehen werden. Da muss man sich auf dem WC am Markt keine Gedanken machen. Die Klo-Frau ist eingespart und der Automat regelt das jetzt. Begründung des Vize-Bürgermeisters: Ein Sch…haus sei kein bezahltes Kommunikationszentrum, sondern es gehe schlicht und einfach um Reinigungsleistungen, Punkt. Das ist damit aus kommunaler Sicht ein Vorzeige-WC. Aber was ist mit den Toiletten am und auf dem Bahnhof? Da bitte ich im Namen aller Notdürftigen um die gleiche Entscheidungskraft. Das geht doch auf keinen Kuhfladen. Mein Problem ist es allerdings nicht. Ich hebe den Schwanz und ab dafür. Vielleicht ist das auch ein Vorschlag für die Menschen? Einen großen Haufen vor dem Bahnhof zelebrieren? Das könnte helfen.

Kuh Elsa: Nun lass mal deine Kuh-Fantasien im Stall. Das geht doch nicht. Allerdings: Damit würde Güstrow garantiert einen Gag landen, vermutlich auch im weltweiten Netz. Ich sehe schon die You-Tube-Videos, wenn sich einer vor dem Bahnhof die Hosen runterlässt…

Kuh Hertha: Den Krakower Hotelgast interessiert das überhaupt nicht. Der kann auch nicht mit dem Zug nach Güstrow fahren. Der will aber endlich wissen, wie es mit dem nächtlichen Schlag der Kirchenglocke weiter geht.

Kuh Elsa: Da ist noch keine Entscheidung getroffen. Wir wollen ja in einem Jahr um diese Zeit auch wieder ein Thema haben.

Kuh Hertha: Anderes Thema: Güstrower Stadtvertretern fiel auf, dass das Rathaus krank ist, 30 Tage pro Jahr und Nase. Da können nicht allein Grippewellen dahinter stecken. Der Bürgermeister hat die Gründe herausgefunden. Die Statistik war fehlerhaft, vermutlich in Anlehnung an Churchill: Glaube nie einer solchen, wenn du sie nicht selbst gefälscht hast.


Einiges liegt schwer im Magen


Kuh Elsa: Ich muss mal bei den Themen bisschen aufs Tempo drücken, denn es gibt noch anderes, was mir schwer im Magen liegt. Der neue Landrat Basti z.B., der doch noch in allerletzter Sekunde die proppere Katy wegräumte und ein schwarzes Kreishaus verhinderte. Was es bringt, würde ich ihn gern nach 100 Tagen im Amt – am 20. Februar – fragen. Dann würde ich gern meine Klauen ausfahren.

Kuh Hertha: Das würde ich gern bei den vielen Altlasten, die das Gute seit der Wende oft wie ein Elefant im Porzellanladen umreißen. Das Ex-LIW in Güstrow ist solch ein Beispiel. Der Schandfleck bleibt und ist ein Affront gegen all jene, die sich noch einen Kopf machen um solche schlimmen Ecken.

Kuh Elsa: Ich muss nochmal zum Landkreis zurückkommen. Das reformierte neue Konstrukt hat 57 Millionen Schulden. Jetzt hat Doberan den Mist auch am Hacken. Das IM (Innenministerium) fordert deshalb weitere Einsparungen. Kreistag und Landrat können nichts machen, müssen folgen, sind mittlerweile Vollzugsorgan von Schwerin.


Ehrenamtliche zeigten Rückgrat


Kuh Hertha: Übrigens die Schlagzeile des Jahres kommt nicht aus der Kreisstadt Güstrow sondern aus Diekhof. Mitten in der schönsten Sommerzeit verdunkelte sich der Himmel am kommunalpolitischen Horizont und die ehrenamtlichen Kommunalpolitiker zeigten Rückgrat und erklärten ihren Rücktritt. Grund: Die finanzielle Ausstattung der Kommunen bringt diese an den Rand der Existenzfähigkeit. Alle Hilferufe verhallten oder werden mit dem Hinweis darauf, dass sich die Gemeinden doch bei ihren Bürgern bedienen könnten, abgetan. So wie das Land die Landkreise ans Gängelband nimmt, macht es auch der Landkreis mit seinen Kommunen, wenn die keinen ausgeglichenen Haushalt mehr hinbekommen. Eine Lösung ist das überhaupt nicht. So geht es nicht weiter und so geht man mit ehrenamtlichen Kommunalpolitikern nicht um, wollen die Diekhofer mit ihrer Entscheidung sehr deutlich sagen.

Kuh Hertha: Respekt, aber was soll’s. Der Paukenschlag blieb in der großen Politik ungehört.

Kuh Elsa: Ja, ja die Großen. Da denke ich gleich an die Förderpraxis. Unter großem Brimbramborium ließ Adam in Laage die Druckmaschinen anlaufen. 15 Millionen Steuergelder sind nach der Pleite in den Sand gesetzt und die 61 Mitarbeiter auf der Straße. Warum lässt sich die Politik so viel zu oft von der Wirtschaft erpressen? Auch bei solchen Vorgängen könnte mal ein demokratischer Aufschrei gut tun.

Kuh Hertha: Typisches Politiker-Getue sind auch die Antworten aus dem Laager Rathaus, ob die Stadt mit Diekhof fusionieren will oder nicht. Die Bürgermeisterin verneint die Gespräche im Innenministerium bei ihrem Unions-Minister bis heute. Ich sage aber: Das wird was 2014. Prosit, Neujahr!

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