Not mit Notdurft : Aus Umwelt- wird Wildpinkel-Bahnhof

„Keine öffentliche Toilette“ steht auf dem Abort im Caféhaus am Bahnhof. Doch Dieter Schult lässt Taxi- und Busfahrer dennoch rein. „Aber nicht ganze Reisebusladungen“, sagt er.
„Keine öffentliche Toilette“ steht auf dem Abort im Caféhaus am Bahnhof. Doch Dieter Schult lässt Taxi- und Busfahrer dennoch rein. „Aber nicht ganze Reisebusladungen“, sagt er.

Keine öffentlichen Toiletten auf Güstrower Bahnhof: Taxifahrer gehen auf Barrikaden / Gäste der Barlachstadt und Reisende erbost

svz.de von
14. Dezember 2013, 06:00 Uhr

Der teuer sanierte Umweltbahnhof der Barlachstadt verkommt immer mehr zur Wildpinkel-Freianlage. Der Grund: keine öffentlichen Toiletten – jedenfalls keine, die regelmäßig geöffnet sind. Den am Bahnhof stationierten Taxifahrern wird es jetzt zu bunt. Magrit Krause, seit zehn Jahre mit dem Taxi in Güstrow unterwegs und seit fünf Jahren am Bahnhof, plant bereits radikale Schritte. „Notgedrungen gehen meine männlichen Kollegen in die Büsche direkt neben dem seit Jahren geschlossenen Toilettenhäuschen am Bahnhof. Aber für uns Frauen geht das nicht. Ich musste mich schon im Paradiesweg in die Büsche hocken. Aber jetzt im Winter…? Mit dieser Sauerei muss endgültig Schluss ein. Ich bereite eine Protestaktion vor“, spricht sie nicht nur vielen Güstrower Taxifahrern aus der Seele, denn auch zahlreiche Gäste der Barlachstadt sowie Reisende haben am Güstrower Bahnhof ihre Not mit der Notdurft.

Das unappetitliche Problem hat eine lange Geschichte (SVZ berichtete). Lange schwelte ein Streit zwischen der Deutschen Bahn AG und der Stadt um das moderne Toilettenhäuschen neben dem Bahnhofsgebäude. Die Bahn errichtete die Toilette im Zuge der Umgestaltung des Umweltbahnhofs und schloss gleichzeitig einen Vertrag mit der Stadt, die das Klo betreiben sollte. Doch dass war der Stadt zu teuer: 18 000 Euro kostet laut Stadt der Unterhalt pro Jahr. Im Angesicht knapper Kassen ein wichtiges Einsparpotenzial. Also kündigte die Stadt den Vertrag mit der Bahn mit dem Hinweis, dass der DB die Toilette gehöre. Die Bahn pochte ihrerseits darauf, dass der Vertrag weiterhin gültig sei. „Dieser Vorgang ist seit 2011 für die Stadt beendet“, sagte der stellvertretende Bürgermeister, Andreas Brunotte, auf SVZ-Nachfrage. Die Konsequenz: Das Klo ist seit Jahren dicht. „Auch die einzige Toilette im Bahnhof selbst ist nur selten offen, oft defekt“, sagt Taxifahrerin Magrit Krause.

Da ist Stefan Schult, Betreiber des kleinen Caféhauses und des Imbisses vor dem Bahnhof, oftmals der Retter in letzter Not. „Wir haben zwar keine öffentliche Toilette, aber Taxi- und Busfahrer dürfen bei uns ihre Notdurft verrichten“, sagt Vater Dieter Schult. „Aber manchmal kommen ganze Reisebusse – das geht nicht.“ Immer würden er und sein Sohn dann den Unmut der Reisenden abkriegen. „Wir sind dann die Buhmänner, wenn wir keinen rein lassen“, sagt Schult. Zudem hat das Caféhaus meist schon um 14 Uhr geschlossen. Für Bus- und Taxifahrer also ein Problem. „Wenn ich dann auf Toilette muss, fahre ich oft nach Hause oder ich verkneife es mir“, sagt Taxifahrer Manfred Voß.

Auf das Problem angesprochen, verwies die Stadt nach offizieller Anfrage unserer Zeitung lediglich auf die vielen öffentlichen Toiletten im Stadtgebiet. Für Magrit Krause eine Zumutung: „Die Stadt kann doch nicht verlangen, dass wir durch Güstrow kurven und nach einer Toilette suchen.“

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