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Glockenfrevel : Aus Trümmern neue Glocke gießen

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Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Ein Zusammensetzen der 2012 in Groß Ridsenow gestohlenen Glocke nicht möglich / Neuguss im Herbst

svz.de von
erstellt am 23.Feb.2016 | 07:00 Uhr

Nachricht aus der Glockengießerei Bachert in Karlsruhe: Aus den Trümmern der im Oktober 2012 vom Friedhof in Groß Ridsenow gestohlenen Glocke soll in diesem Jahr eine neue Glocke gegossen werden. Sie wird in der Polchower Kirche ihren Platz finden.

Lange hatten Glockengießer und Glockensachverständige diskutiert. Mit einem ganz besonderen Verfahren hatte man versucht, die Glocke aus ihren Einzelteilen wieder zusammenzusetzen, berichtet Thomas Kretschmann. „Das ist leider nicht geglückt“, fügt der Pastor der Christophorus-Kirchengemeinden Laage hinzu. Nun bleibe nur die Variante, die Einzelteile einzuschmelzen und aus dem historischen Material eine neue Glocke zu gießen. „Das soll dieses Jahr über die Bühne gehen“, informiert Kretschmann. Wenn es so weit ist, will man in Gemeinschaft nach Karlsruhe fahren, um in der Glockengießerei Bachert mit einer Tradition, die bis ins Jahr 1725 zurück reicht, dem Neuguss beizuwohnen. Laages Pastor rechnet im Herbst damit. Wenn dann die neue Glocke ihren Platz in der Polchower Kirche gefunden hat, kann endlich ein unsägliches Kapitel abgeschlossen worden, das damit begann, dass im Oktober 2012 das Geläut aus dem Glockenstuhl auf dem Friedhof in Groß Ridsenow verschwunden war. Als der Frevel öffentlich wurde, war es um Haaresbreite zu spät. Die Diebe hatten die Glocke bei einem Schrotthändler in Rostock zu Geld gemacht. Der hatte sich noch umgehört, aber nichts von einer vermissten Glocke erfahren und das knapp 600 Kilogramm wiegende Geläut in handliche Stücke zerlegt.

Die Kirchengemeinde Laage bekam die Einzelteile zurück. Nachdem kurz überlegt wurde, ob man die Teile zur Erinnerung in eine Vitrine gibt, entschied man sich für einen Neuguss. Eine einzigartige Spendenbereitschaft in der Laager Region führte dazu, dass das Geld schnell zusammen war.

Die alte Glocke aus der Rostocker Gießerei von Rinkert de Monkehagen war eine der wertvollsten in MV. Gegossen wurde sie vor etwa 600 Jahren und anders als die meisten Kirchenglocken hatte sie die Weltkriege überstanden.  

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